Bochumer Aufruf

Bochumer Aufruf

Mit dem »Bochumer Aufruf« vom 6. November 2015 beginnt das erste Projekt der »Forschungsgruppe Konfliktmanagement«, die auf Initiative des Ausbildungsleiters Kurt Faller an der Akademie der Ruhr-Universität Bochum gegründet wurde.

In diesem

     Bundesweiten Mediations-Netzwerk »Einwanderung - Integration - Partizipation«

sollen Mediatorinnen und Mediatoren ihre professionelle Kompetenz als Vermittler und Konfliktmanager einbringen und im aktuellen Prozess der Einwanderung (Migration) und Integration von Flüchtlingen aktiv werden. Die Zukunftsgestaltung soll in Form von Bürgerbeteiligungen (Partizipation) erfolgen.

Alle aufgerufenen Experten wissen, dass

  • diese Prozesse mit vielen Konflikten verbunden sind,
  • derart langfristige Lern-Prozesse in Deutschland und Europa erst am Beginn stehen,
  • alle Prozesse um so besser gestaltet werden können, je früher Konflikte erkannt und professionell bearbeitet werden und
  • der Prozess der Integration nur gemeinsam von Anwesenden und Ankommenden gestaltet werden kann.


Die Konzeption dieser Inititiave für ein bundesweites Mediations-Netzwerk besteht aus fünf Säulen:

1. Streitschlichter- und Buddy-Systeme

Nach einer Grunderkenntnis der Mediation finden die Beteiligten eines Grupppenkonflikts ihre nachhaltigen Lösungen vor allem dann, wenn sie ihre Interessen und Bedürfnisse artikulieren und sich an der Konfliktbearbeitung aktiv beteiligen können.

Erstes Ziel ist es daher,

  • Flüchtlinge in großen Aufnahmeeinrichtungen zu Streitschlichtern oder »Buddys« auszubilden,
  • dabei eigene traditionellen Formen der Konfliktvermittlung in ihren Herkunftsländern zu berücksichtigen,
  • ihre jeweiligen interkulturellen Aspekte zu berücksichtigen,
  • sie in Struktur und Abläufe der Einrichtungen zu integrieren,
  • ihre Aktivitäten mit den verantwortlichen Fachkräften abzusprechen
  • und ihre Arbeit vor Ort zu betreuen.

2. Integrationslotsen

Die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in den Kommunen oder großen Einrichtungen sollen bundesweit das Angebot erhalten, ihre kommunikativen und interkulturellen Kompetenzen weiterzuentwickeln und Grundkenntnisse in Mediation zu erwerben.

3. Konfliktmanagement und Prävention - Angebot von Beratungsdienstleistungen

Für Kommunen, Träger und Leitung von Einrichtungen soll ein kompetenter Stab von mediativen Beraterinnen und Beratern zur Verfügung stehen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen erarbeiten sie Konzepte und Systeme zur Prävention und Konfliktregelung. Grundlage ist ein »Werkzeugkasten Systemdesign« mit Instrumenten zur Analyse der Konfliktfestigkeit von Strukturen und Prozessen, Techniken der Konfliktregelung und der Evaluation.

4. Experten in Konflikten – Bundesweite Datenbank und Software

Für die Vermittlung in Konflikten soll ein bundesweites Netzwerk von Mediatorinnen und Mediatoren aufgebaut werden. Ziel ist es, ein zentrales, nach Ländern und inhaltlichen Schwerpunkten gegliedertes Online-Verzeichnis und ein Softwaretool zur Einordnung von Konflikten zu entwickeln. Alle mitarbeitende Mediatorinnen und Mediatoren werden in einem mehrtägigen Training in die neue Arbeit eingeführt. Zusätzlich erhalten Kommunen/Einrichtungen/Organisationen das Angebot von Beratungsdienstleistungen ausgewiesener Experten im Kontext »Integration«.

5. Ausbildung und Weiterbildung »Interkulturelles Konfliktmanagement«

Der Prozess der Einwanderung und Integration ist ein länger andauernder Prozess, der sich weiter intensivieren wird.

Daher ist es notwendig,

  • Fach- und Führungskräfte aus der Flüchtlings- und Integrationsarbeit,
  • MediatorInnen, BeraterInnen und Supervisoren,
  • Führungskräfte und Teamverantwortliche,
  • Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Psychologen,
  • Juristen, Referentenund Entscheidungsträger in Ministerien und der Verwaltung,
  • Ehrenamtliche und Hauptamtliche in der Flüchtlingsarbeit,
  • kirchliche Träger, Referenten und Mitarbeiter,
  • Sprachlehrkräfte und Kulturdolmetscher


als kompetente »Konfliktmanager« auszubilden.

Durch ein eigens entwickeltes weiterbildendes Studium »Interkulturelles Konfliktmanagement und Systemdesign« sollen Absolventen in die Lage versetzt werden, Konfliktmanagementsysteme zu entwerfen, zu qualifizieren und interkulturelle Konfliktbearbeitung in die Praxis professionell umzusetzen.

Durch die Kooperation mit dem Wolfgang Metzner Verlag wird die publizistische Begleitung dieser Initiative mit Print- und Online-Veröffentlichungen ermöglicht.