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Rollenspiele
Anleitung
Die einzelnen Schritte
1. Personal des Konflikts: wer streitet mit wem?
2. Personal des Rollenspiels: wer spielt wen?
3. Festlegung der Mediationsphase: an welcher Stelle steigen die Spieler ein?
4. Charakterisierung der einzelnen Medianten: Vorgeschichte/ Bedenken/ individuelle Züge von Herrn A. und Frau B.
5. Festlegung des Zeitrahmens
6. Aufgaben für die Beobachter: wer achtet worauf?
7. SPIEL
8. Nachgespräch: Was war zu sehen? Wie ist es den Beteiligten ergangen?
Anmerkungen im Einzelnen
1. Personal des Konflikts: wer streitet mit wem?
Grundlage jedes Rollenspiels ist ein konkreter Fall. Die hier vorgestellten Rollenspiele bieten Material aus der Praxis, das von jeder Gruppe aufgenommen und nachgespielt werden kann.
Jedes Themenfeld ist möglich: eine Familienmediation mit Scheidung/ Trennung, ein Erbenstreit, eine Schulmediation, eine Firmenübergabe oder andere Wirtschaftsmediationen. Im Rahmen der allgemeinen Thematik ist der konkrete Konflikt zu umreißen: welche Personen befinden sich in welchem Konflikt? Der Ehemann A. und seine Ehefrau A., die Chefin B. und ihr Abteilungsleiter C., die Schülerin D. und ihr Mitschüler E., der Firmeninhaber F. und seine Erben G. und H. etc.
2. Personal des Rollenspiels: wer spielt wen?
Die »Besetzung« der Rollen muss sich keineswegs an Alter und Geschlecht orientieren, sondern sollte vielmehr im Laufe der wechselnden Rollenspiele unbedingt die Funktionen wechseln. Jede/jeder sollte sowohl MediantInnen gespielt haben als auch MediatorInnen. Die damit verbundene Chance ist doppelt gegeben: wenn Sie einen Medianten spielen, werden Sie in dieser Rolle schnell die Wünsche, Verwirrungen, Ärger- und Erleichterungsmomente der Medianten empfinden, auch die Erwartungen an die MediatorInnen; wenn Sie einen Mediator/ einen Mediatorin spielen, so ist Ihr tatsächliches Handwerk einzusetzen. Sie sprechen nicht »über« die Mediation und darüber was sie leisten »sollte«, sondern Sie sind ganz praktisch und konkret in Ihrem Können gefragt.
Ein wichtiger Appell: seien Sie in der Rollenspielgruppe miteinander solidarisch; jede/n trifft es einmal, als Mediator/in vielleicht nicht gleich das passende, der Lehre oder der Situation entsprechende Verhalten zu zeigen. Die Gruppe ist dazu da, miteinander Praxis zu erwerben, nicht, in Wettbewerb und Konkurrenz zu treten. Demontieren Sie sich nicht gegenseitig, sondern setzen Sie die positive Konnotation auch in der wechselseitigen Rückmeldung ein.
3. Festlegung der Mediationsphase: an welcher Stelle steigen die Spieler ein?
Die Mediation folgt in ihrem Ablauf einem streng strukturierten Verfahren, das gängigerweise mit fünf Phasen beschrieben wird: 1. Anbahnung/ Information bzw. Prämediation, 2. Themensammlung und -reihung, 3. Themenbearbeitung, 4. Optionenbildung und Lösungsvorschläge, 5. Abschlussvereinbarung/ Beendigung der Mediation.
Für den Beginn eines Rollenspieles sollte festgelegt werden, in welcher Phase der Mediation der Einstieg erfolgen soll. Die hier vorgestellten Rollenspiele variieren die Phasen, um eine möglichst breite Praxis zu gewährleisten. In diesen Fällen kann davon ausgegangen werden, dass die vorangegangenen Phasen schon mehr oder weniger abgeschlossen sind.
4. Charakterisierung der einzelnen Medianten: Vorgeschichte/ Bedenken/ individuelle Züge von Herrn A. und Frau B.
Um im Rollenspiel konkrete Menschen darstellen zu können, ist es wichtig, den Personen individuelle Züge zu erlauben. War Herr A. schon einmal vorher verheiratet? Hat Frau B. gerade Schulden, von denen sie nichts erzählt hat? Ist Frau F. nur zögernd zur Mediation mitgekommen und hat eigentlich kein großes Vertrauen in dieses Verfahren? Besteht Herr L. deshalb so vehement auf den Besuchszeiten für seinen Sohn, weil seine Eltern sich scheiden ließen und er seinen Vater danach kaum noch sah?
Solche Vorgeschichten sind in den vorliegenden Rollenspielen ebenfalls angedeutet. Sie bilden manches Mal die Grauzone eines speziellen Wissens, das nicht allen Mitspielern bekannt ist oder sein soll. Es ist genauso auch den Medianten-Darstellern überlassen, sich selbst mit solchen Einzelheiten zu versehen und sie zur Überraschung der Anderen ins Spiel zu bringen.
5. Festlegung des Zeitrahmens
Die Dauer des Rollenspieles sollte nicht zu ausgedehnt sein, also zwischen 20 und max. 60 Minuten liegen und somit den gängigen Rahmen einer Mediationssitzung nicht überschreiten. Die Konzentration muss erhalten werden können und für die Beobachter auch noch gut beschreibbar sein. Es ist auch eine gute Übung für die MediatorInnen, in dem vorgegebenen Zeitrahmen zu agieren und sich nicht zu verzetteln oder zu verlieren; es ist dies ja ein wichtiger Teil der professionellen Verantwortung bei Mediatoren.
6. Aufgaben für die Beobachter: wer achtet worauf?
Es kann hilfreich sein, die Beobachtung aufzuteilen: ich achte auf Verhalten, Argumente, Körpersprache etc. von Herrn A., du auf Frau B., der Dritte auf den Mediator, die vierte auf die Mediatorin. Gibt es noch mehr BeobachterInnen, können diese ihre Beobachtersensibilität frei einsetzen und am Schluss berichten, was ihnen aufgefallen ist oder wo sie Nachfragen haben.
7. SPIEL
Sehr schnell werden Sie feststellen, dass die zunächst nur angenommene »Spiel«-Situation ihre eigene Realität und Wahrheit erhält. Die vorgestellten Personen entwickeln ihre eigene innere Dynamik (was ärgert mich, wo werde ich ängstlich, welche Erwartungen, Widerstände, Enttäuschungen entstehen wechselseitig). Neben der inneren entsteht aber ebenso eine äußere, eine Gruppendynamik, die abhängig von dem konkreten Verhalten und Charakter der Beteiligten den Prozess der Mediation bildet. Die Arbeit der MediatorInnen ist dabei selbstverständlich immer konkretes professionelles Handeln.
Neben der Sprache ist die Körperhaltung genauso wichtig wie die Klarheit der Stimme, das möglichst sensible Zusammenspiel der Co-Mediatoren und die Arbeit am Flip-Chart. Herausforderung für die MediatorInnen ist also, wie gut sie die Gespräche strukturieren können, die Benennung der Übereinstimmungen ebenso wie die der Unterschiede, die Protokollierung und Gewichtung der Themen und Unterthemen, und wie sie gleichzeitig in ihrer aktiven Begleitung dennoch die Autonomie der Medianten befördern können.
Die Erfahrung, in den unterschiedlichen Rollenspielen auch unterschiedliche Positionen einzunehmen und einmal Mediant/in, einmal Mediator/in zu sein, ermöglicht sowohl Aspekte der Selbsterfahrung als auch der professionellen Begegnung mit den Verhaltensweisen und Beweggründen der Mediations-»Kunden«, der Medianten.
8. Nachgespräch: Was war zu sehen? Wie ist es den Beteiligten ergangen?
So wichtig wie die konkrete Mediation ist die Nachbetrachtung darüber. Es kann sich als sinnvoll erweisen, die einzelnen Funktionen zu trennen und jeweils eine eigene Berichterstattung folgen zu lassen:
a) Wie ist es den Medianten ergangen?
b) Wie ist es den Mediatoren ergangen?
c) Was ist den Beobachtern aufgefallen?
Die Nachbetrachtung wird dann mehrere Ebenen streifen: wie ist es den Beteiligten in der Rolle ergangen: was hat Herr A. plötzlich verstanden, wo ist Frau B. innerlich ausgestiegen, worin hat sich das Mediationsziel für Herrn C. innerhalb der Sitzung verschoben etc. Die zweite Ebene wird dann die professionell-handwerkliche sein. Welche Tools und Techniken wurden eingesetzt, war es das Angemessene für diese Situation, wo hat die Co-Arbeit geklappt und wo nicht?
Grundsätzlich sei dabei an die professionelle Achtung und Fairness appelliert, wenn es um Äußerung von Kritik der Gruppenteilnehmer/innen untereinander geht. Alle Beteiligten der Gruppe zeigen sich in dieser Arbeit auch in ihrer Person und es werden Stärken und Schwächen deutlich. Die Arbeit wird nur Früchte tragen, wenn das Vertrauen wachsen konnte, mit Respekt von der Gruppe betrachtet zu werden. Ziel der Nachbesprechungen ist der konstruktive Austausch.
In diesem Sinne können Rollenspiele zu einem reichen Fundus an Praxis verhelfen, zu größerer professioneller Sicherheit und einem breiteren Spektrum an mediativen Erfahrungen.
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