Das 13. Kolloquium der Forschungsgruppe Mediation (ForMed)

Wissenschaft
Das 13. Kolloquium der Forschungsgruppe Mediation (ForMed)

Ein Bericht aus Karlsruhe und der Call For Papers 2019

von Dr. Jirko Krauß

 Forschungsgruppe Mediation (ForMed)

Das mittlerweile 13. Kolloquium der Forschungsgruppe Mediation fand in diesem Jahr im Südwesten Deutschlands statt. Im sommerlichen Karlsruhe kamen insgesamt 18 an der Erforschung von Mediation Interessierte zusammen, um über laufende und geplante Forschungsvorhaben, über anstehende Projekte und die Zukunft rund um das Thema Mediation zu sprechen.

Am Vortag hatten VertreterInnen der ForMed und der örtlichen Mediationsverbände Gelegenheit, an einer Führung beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe teilzunehmen. Dort wurden u.a. das Thema der Bürgerdialoge und der mediativen Ansätze darin im Kontext des Forums Recht angesprochen. Die Gruppe war zu Gast an der Karlshochschule International University, über deren interessante Idee und innovative Konzeption der Dekan und Geschäftsführer Prof. Dr. Dirk Nicolas Wagner zu Beginn einführte und auch den Bezug zur Mediation herstellte.

Die Konzeption und Vorbereitung der Veranstaltung übernahm wie gewöhnlich das ForMed-Leitungsteam: Federführend hatte Dr. iur. Katarzyna Schubert-Panecka - mental unterstützt von Dr. Katharina Kriegel-Schmidt und Klaus Schmidt - die Leitung und Moderation inne; sie führte souverän und kollegial durch die beiden Veranstaltungstage. Auch das trug zu einer sehr angenehmen Atmosphäre bei, in der konzentriert gearbeitet werden konnte und Raum für manche Gespräche blieb.

In der ersten Präsentation stellte Annika Schreiber von der Universität Konstanz ihr Forschungsprojekt zur Mediation im öffentlichen Raum vor. Bei diesem Vorhaben geht es insgesamt um die mögliche Rolle von Mediation in öffentlichen Entscheidungsprozessen. Dabei fokussiert die Doktorandin die Untersuchung der Akzeptanzförderung von Entscheidungen und die Frage, welche rechtlichen, rechtspolitischen und rechtstatsächlichen Bedingungen die Umsetzung von Mediationsergebnissen in Verwaltungsentscheidungen im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung fördern.

Als nächster präsentierte Gerd Schmitt den Stand seiner sehr umfangreichen Studien zu einer machtkritisch und affekttheoretisch fokussierten Kartographie des Gefüges der Interkulturellen Mediation. Das an der Uni Oldenburg angesiedelte Dissertationsprojekt nimmt zu den »Versprechen der Mediation« Stellung, fokussiert darin vor allem die »Interkulturelle Mediation« und untersucht die Aspekte Kultur und Macht anhand dreier analytischer Perspektiven: Neben den machtkritisch fokussierten Theorien (Foucault, Rassismuskritik, Postkoloniale Theorie) und philosophischen Überlegungen von Gilles Deleuze und Félix Guattari spielt auch die Affekttheorie eine Rolle. Insbesondere die von Schmitt vorgestellte Idee einer Kartographierung der Arbeitsergebnisse scheint ein großes, transdisziplinäres Potenzial und einen wissenschaftlichen Mehrwert für die Thematik initiieren zu können.

Überhaupt waren alle Diskussionen von großer gegenseitiger Wertschätzung und Interesse am Thema gekennzeichnet. Es herrschte eine inspirierende Arbeitsatmosphäre: produktiv, mit Spaß am gemeinsamen Handeln und frei von Konkurrenzdruck und Profilierungsdrang.

Den Abschluss des ersten Tages markierte ein World Café zur Idee der Mediation als Wissenschaft. Dabei ging es zunächst um die unterschiedlichen Möglichkeiten einer Ausrichtung von der Inter- über die Multi- bis hin zur Transdisziplinarität. Die Lust an der Beschäftigung mit der Mediation wurde beim Sammeln von Themen deutlich, die die Teilnehmenden noch gerne erforschen würden: etwa zum Berufsbild oder Berufsethos von Mediierenden, zu Konfliktbegriffen und -verständnissen oder zur Wirkung von Mediation mit Dolmetschern, um nur drei von vielen Beispielen zu nennen. Interessant gestaltete sich zudem das Sammeln von Chancen und Herausforderungen für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Vermittlung.

Der zweite Tag wurde mit einer kurzen Besprechung der Ergebnisse des World Cafés begonnen, bevor Dr. Jirko Krauß sein Buchprojekt vorstellte, das der Frage nachgeht, ob Mediation als eine demokratisch-sittliche Institution rekonstruiert werden könnte. Dabei geht es um die gesellschaftliche Relevanz von Mediation aus einer sozialphilosophischen Perspektive und um die kritische Beleuchtung anhand der Kategorien von Freiheit/Autonomie, Verständigung, Anerkennung und Resonanz.

Anschließend informierte Kirsten Rusert von der HS Emden/Leer (FB Soziale Arbeit und Gesundheit) über die Einführung eines neuen Lehrangebots im B.A.-Studiengang »Sozial- und Gesundheitsmanagement«, an dem sie konzeptionell beteiligt ist und welches sie wissenschaftlich in Form einer Dissertation begleitet. Bei diesem Lehrangebot geht es um eine professionelle Managementkommunikation: Hier werden mediative Gesprächsführung und Coaching als grundlegende Kompetenzen für professionelle und nachhaltige Kommunikation im Sozial- und Gesundheitsmanagement gesehen. Das auf Kompetenzen ausgerichtete Programm soll Führungskräfte in der Sozialen Arbeit auf schwierige Situationen vorbereiten. Die Bedingungen und Möglichkeiten der Erforschung von solchen Programmen wurden intensiv besprochen, nicht zuletzt um den Fokus und die Linse auf das erwünschte Thema wie auch sein Potenzial zu stärken.

Am Nachmittag präsentierte die frisch promovierte Dr. Marita Wambach-Schulz die Ergebnisse ihrer Dissertation am Institut für Erziehungswissenschaft der RWTH Aachen: Im Spannungsfeld anwaltlicher Mediation. Eine qualitativ-empirische Studie zur Rekonstruktion der professionellen Praxis mediatorischen Handelns von Akteurinnen und Akteuren in der Bereichsspezifik anwaltlicher Mediation. Auch der berufspädagogische Blick auf die Praxis anwaltlicher Mediation stieß bei den Anwesenden auf Neugier. Insbesondere die herausgearbeitete, starke Rollenambivalenz anwaltlich Mediierender und der sich aus der Arbeit ergebenden Fragen regten dann zum gemeinsamen Meinungs- und Erfahrungsaustausch an.

Beatrice Rösler, Fachreferentin Wissenschaft & Forschung der Deutschen Stiftung Mediation, trug im Anschluss den aktuellen Stand des 2015 gestarteten Forschungsprojekts GANDALF vor. Die Ergebnisse der ersten beiden Module (Studien von Prof. Elisabeth Kals, Uni Eichstätt-Ingolstadt), die sich mit den Einstellungen bzgl. Barrieren und Chancen von Mediation sowie der Veränderung der Einstellungen zur Mediation aus einer psychologischen Perspektive beschäftigt haben, liegen mittlerweile vor.

Am Ende informierte Arthur Trossen über seine Internetplattform im Werden Wiki to Yes und regte zur Teilnahme an der gemeinsamen Arbeit daran an. Dieses groß angelegte Internet-Projekt soll eine Plattform werden, die ihren Beitrag auf dem Weg zur Mediation als Wissenschaft leistet, indem sie Erkenntnisse zusammenträgt, auf Publikationen hinweist, Nachschlagewerk ist und zugleich Raum zur Diskussion und Zusammenarbeit bietet. Außerdem stellte er seine Idee vor, Mediation als einen Weg zur Erkenntnis zu betrachten, die er auch in den Artikeln des Wiki to Yes eingearbeitet hat.

Das 13. ForMedKoll war eine durchaus gelungene Veranstaltung. Neben den vielen hier beschriebenen sehr interessanten und anregenden Vorträgen von Projekten und Forschungsarbeiten boten auch die Pausen eine gern und intensiv genutzte Gelegenheit zum Austausch und zum Entwickeln neuer Ideen. Zum Gelingen trugen alle Beteiligten mit ihrem Engagement bei. Der besondere Dank gilt dabei zweifellos dem ganzen Vorbereitungsteam und insbesondere Katarzyna Schubert-Panecka für die professionelle Organisation und Moderation - vor allem als herzliche Gastgeberin.

Auf ein Wiedersehen beim kommenden großen 14. Internationalen Kolloquium vom 13. bis15. Juni 2019 an der Jagiellonen-Universität in Krakau.

 

PS: Die Ausschreibung für dieses Kolloquium (Call For Papers 2019) wurde bereits veröffentlicht, so dass sich alle interessierte KollegInnen dafür bis zum 15. Januar 2019 bewerben können:

Call For Papers ForMed 2019

 

Autor

Dr. Jirko Krauß

und das Leitungsteam der ForMed

Dr. Katarzyna Schubert-Panecka, Dr. Katharina Kriegel-Schmidt und Klaus Schmidt

www.forschungsgruppe-mediation.weebly.com