BarCamp2018: Mediation 4.0 – Mut zur Veränderung

Rückblick
BarCamp2018: Mediation 4.0 – Mut zur Veränderung

Mehr als nur ein Kongress am 08. und 09. Juni in Weimar

BarCamp2018: Mediation 4.0 – Mut zur Veränderung

Am 8. und 9. Juni stand Weimar im Zeichen eines dritten gemeinsamen Kongresses der drei Verbände BAFM, BM und BMWA  - nach den erfolgreichen Mediationskongressen im November 2012 und im November 2014 in Ludwigsburg. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die gesellschaftlichen Veränderungen stehen, wie die Mitorganisatorinnen Martina Wurl und Alexandra Bielecke betonten. »Wir müssen Verantwortung übernehmen in der Gestaltung des Wandels. Als MediatorInnen haben wir eine wichtige Kompetenz zu bieten, die einen gewinnbringenden Ausgleich in politischen, wirtschaftlichen und sozialen Streitfragen schaffen können«.

Das BarCamp 2018 – Mediation 4.0 wurde als Tagung mit offenen Workshops und Vorträgen konzipiert. In diese moderne Art der Großgruppenmoderation konnten die Teilnehmenden eigene Inhalte einbringen. Verlauf und Inhalte wurden von ihnen im Vorfeld und auch noch vor Ort selbst organisiert und mitgestaltet. Dadurch entstand eine kreative Atmosphäre und vielfältige Möglichkeiten zum Austausch auf Augenhöhe, die viele verschiedene Perspektiven, Anregungen und Impulse für den Alltag und die Arbeit in der Mediation lieferten.

So verliessen die Teilnehmenden in Weimar die traditionellen Pfade früherer Kongresse und erlebten eine kreative Konferenz. Das BarCamp 2018 - Mediation 4.0 war sicher eine Reise nach Weimar wert, auch wenn es sich zu Beginn ähnlich wie in einer Mediation anfühlte, bei der man den Verlauf vorher noch nicht absehen konnte.

Eine Art Zukunftskongress wurde es, bei dem man nicht in eine Glaskugel schaut, wie die Zukunft aussehen könnte, sondern sich mit den wirklich brennenden aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Themen sowie möglichen Lösungen befasste. Der Titel »Mediation 4.0« stellte dabei eine Parallele her zu den derzeit häufig verwendeten Begriffen, wie z.B. »Industrie 4.0« oder »Arbeit 4.0 – New Work«. Mediation 4.0 beschäftigte sich demnach mit den Themen und Formen der konstruktiven Streitbeilegung, die sich angesichts veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen ergeben. »Den Mut, den wir anderen Menschen bei der Neugestaltung ihrer Lebens- und Arbeitswelten abverlangen, müssen wir als MediatorInnen ebenfalls beweisen. Wir sind uns sicher, dass sich zahlreiche neue Arbeitsfelder ergeben und damit auch veränderte Anforderungen auch an uns stellen werden«, so die zuständigen Vorstandsmitglieder der Verbände.

Entsprechende Fragestellungen, die auf der zweitägigen Veranstaltung am 08. und 09. Juni 2018 in Weimar vertieft diskutiert werden konnten, ergaben sich schnell:

  • Wie werden sich Arbeitsplätze in den nächsten Jahren verändern? Welche technischen Neuerungen werden Einfluss auf die jeweiligen Tätigkeiten haben? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für ArbeitnehmerInnen, die Gestaltung von Auftragsverhältnissen sowie Anforderungen an die arbeitende Person und deren unmittelbares Umfeld? Sind Selbstorganisation und flache Hierarchien die Lösungen für die Wandelbarkeit und Flexibilität von Organisationen? Und welche Voraussetzungen in Bezug auf die Konfliktfähigkeit der Beteiligten müssten gegeben sein? Welche Rolle spielt die Suche nach dem Sinn einer Tätigkeit für Organisationen?

 

  • Welche räumlichen Entwicklungen lassen sich schon jetzt erkennen? Wie lässt sich das Zusammenleben in Städten, Gemeinden und Dörfern attraktiv gestalten? Wie gewinnt man junge Menschen auch und gerade für das Landleben, anstatt sie an die Großstädte zu verlieren? Welche infrastrukturellen Herausforderungen müssen dafür schon jetzt gelöst werden (wie z.B. Sicherstellung der ärztlichen Versorgung, Umgang zwischen verschiedenen Generationen und Kulturen, Gewohnheiten und Traditionen)?

 

  • Welche Konflikte ergeben sich im Zusammenhang mit der befürchteten »alternden Gesellschaft« und welche Chancen hält der Zuzug von Menschen aus anderen Regionen der Welt für uns bereit? Wie lassen sich Befürchtungen und Ängste abbauen und Dialoge auf eine Lösungsebene führen, die zu umsetzbaren Konzepten führen (wie z.B. Mehrgenerationenhäuser, »bunte Gemeinden«)? Wie lassen sich die Pflege von Angehörigen und ein potentielles Erbe im Sinne der Beteiligten im Vorfeld besprechen?

 

  • Wie verändern sich Familienstrukturen und wie gehen wir mit neuen Formen von »Großfamilien« (wie z.B. Mehrfach-Patchwork- oder Regenbogenfamilien) um? Wie gelingt der Austausch über Lebenskonzepte aus verschiedenen Generationen (wie z.B. in Mehrgenerationenwohnprojekten)?

 

  • Welcher Umgang mit Technik prägt unseren Alltag? Sind die Freundschaften unserer Kinder zukünftig virtuell und auf dem Globus verteilt? Wie unterscheiden wir Fakten von »Fake-News« und wie gelingt ein konstruktiver Umgang mit den zur Verfügung stehenden Informationen? Wie verändern sich Kommunikation, Kooperations- und Konfliktverhalten?

 

  • Wie sieht die Erde aus, die wir nachfolgenden Generationen vererben und wie ist die Verantwortung dafür verteilt? Wie gelingt die Energiewende in naher Zukunft und wie lassen sich befürchtete Nachteile sinnvoll in Gewinne für alle Menschen umwandeln?

 

Beim BarCamp 2018 – Mediation 4.0 trafen sich Menschen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Wandels und den unterschiedlichsten Arbeitsgebieten wie z. B. Politik, Integration, Bildung, Arbeit, Familie, Pflege, Stadt- und Landentwicklung. Anbieter/innen und Nutzer/innen von Mediation, Expert/innen wie Laien fanden sich, arbeiteten zusammen und entwickelten neue Ideen. Erste Impulse gab der Journalist, Buchautor und Blogger Sascha Lobo im Rahmen seiner Keynote.

Weitere Berichte finden Sie in Kürze auf diesem Fachportal sowie in der nächsten Ausgabe von Spektrum der Mediation (SdM 73).

 

 

 

 BarCamp 2018

https://www.barcamp2018.de/

 

 

 

 

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