Berner Mediationstagung 2019

Vorschau
Berner Mediationstagung 2019

»Wie sind die Prinzipien der Mediation zu verstehen?«

Berner Fachhochschule am Mittwoch 20.11.2019

(Anmeldefrist: Donnerstag 08.11.2019)

Berner Mediationstag 2019

»Freiwillig, vertraulich, neutral? Im Prinzip schon, aber...? «

Wie sind die Prinzipien der Mediation zu verstehen? Wie sind sie in der Praxis umsetzbar? Wie genau werden sie in unterschiedlichen Handlungsfeldern und Kontexten berücksichtigt?

Antworten auf diese und andere Fragen bekommen die TeilnehmerInnen des Berner Mediationstages 2019 am 20.11.2019 an der Berner Fachhochschule.

Die Berliner Mediationstrainerin Dr. Brigit Keydel eröffnet die Tagung mit ihrem Keynote-Referat »Die Big Five der Mediation«.


Aus der Einladung:

»Die Prinzipien der Mediation sind uns vertraut: Mediation ist freiwillig, vertraulich und ergebnisoffen. Mediatorin oder Mediator sind allparteilich sowie neutral und die Konfliktbeteiligten sind nicht fremdbestimmt. Die Prinzipien der Mediation sind zentral für unsere Haltung und Arbeitsweise. Sie helfen, Möglichkeiten und Grenzen der Mediation festzulegen. «

In der konkreten Umsetzung stellen sich jedoch viele Fragen:

  • Wie ist damit umzugehen, wenn Mitarbeitende in Organisationen zur Teilnahme in der Mediation verpflichtet werden?
  • Wie steht es mit der Neutralität, wenn das Kindeswohl durch den Elternkonflikt gefährdet ist? Wo hat die Vertraulichkeit ihre Grenzen, wenn der Konflikt bereits in der Öffentlichkeit bekannt ist?

 

Anhand konkreter Beispiele setzen sich die TeilnehmerInnen des Berner Mediationstages kritisch mit der Bedeutung und der Notwendigkeit dieser Prinzipien auseinander. Die daraus erwachsenen Widersprüchlichkeiten und Dilemmata werden ergebnisoffen diskutiert.

Das Programm:

Workshop 1

Den Nebel mit Händen greifen?

Die Kunst 'mediative Haltung' im Spannungsfeld der Prinzipien zu gestalten

Milan

Die mediative Haltung ist eine Herausforderung für MediatorInnen und für die Gesellschaft. Konsequent gelebt stellt sie eine Reihe der vorherrschenden Paradigmen in Frage: z.B. das Denken in »richtig-falsch«-Kategorien, die Unausweichlichkeit von Nullsummenspielen, die Annahme, dass ExpertInnen besser wissen was für uns gut ist oder auch, dass es Härte und Macht braucht um seine Interessen durchzusetzen.

Workshop 2

Im Zweifel für das Kindeswohl

Umgang mit den Prinzipien der Mediation im behördlichen Kindesschutz

Patricia Hasler-Arana und Dr. iur. Claudio Domenig

Elternkonflikte können Kinder so stark belasten, dass sich die Kindesschutzbehörde darum kümmern muss. In solchen Fällen kann die Behörde eine Mediation anordnen.

Dabei geht es um Eltern, die in die Mediation gehen, weil sie müssen, in der Hoffnung, dass sie dann bleiben, weil sie möchten. Es geht um Behörden, die Eltern anweisen, selbstverantwortlich ihre Konflikte zu lösen. Gleichzeitig möchten die Behörden möglichst nützliche Informationen als Grundlage für einen Entscheid, sollten die Eltern zu keiner oder keiner geeigneten Lösung kommen. Es geht um Mediationspersonen, die Vertraulichkeit gewährleisten, um das für den Prozess nötige Vertrauen der Eltern zu gewinnen, und dabei den behördlichen Auftrag nicht aus den Augen verlieren. Und es geht – vordringlich – um das Kind. Und das verlangt nach einer Positionierung der Mediationsperson, einer für das Kind. Das ist alles andere als neutral. Und ist es lösungsoffen?

Workshop 3

Und was ist mit der Schuld?

Umgang mit den Prinzipien der Mediation in Strafsachen

Ursula Mayerthaler Veerhoek und Joel Stalder

Die Schuldfrage verträgt sich denkbar schlecht mit Mediation. Auch von Opfern und Tätern zu sprechen, geht gar nicht. Trotzdem ist Mediation in Kontexten des Strafrechts in vielen Ländern, in der Schweiz insbesondere im Jugendstrafverfahren, vorgesehen.

Dieser Workshop befasst sich mit der Frage wie Strafkontext und Mediation zusammen gehen. Sie erhalten Einblicke in die unmittelbare Mediationspraxis und neuste Forschungsergebnisse. Weiter setzen Sie sich mit heiklen Fragen und Spannungsfeldern auseinander: Wie verträgt sich zum Beispiel die Allparteilichkeit der Mediatorin mit dem Opferschutz? Wie steht es um die Autonomie, wenn die Beteiligten minderjährig sind? Wie kann Vertraulichkeit gewährt werden, wenn Eltern involviert sind? Und was macht man mit der Schuld?

Workshop 4

Aber sagen Sie mir, wer die Rädelsführer waren

Umgang mit den Prinzipien der Mediation in Organisationen

Dr. Birgit Keydel

Mediationen in Organisationen bewegen sich oft im Spannungsfeld zwischen Vertraulichkeit und Transparenz, Selbstbestimmtheit und Zwang, Neutralität und Voreingenommenheit. Unser Ziel ist es, allparteilich im geschützten Rahmen zu arbeiten. Gleichzeitig wollen Führungskräfte und Kollegen/innen von uns oder den Teilnehmer/innen wissen, was in der Mediation passiert. Mitarbeiter/innen werden zur Teilnahme verpflichtet. Wir erkennen die Konfliktursachen eher im Führungsstil oder Organisationsaufbau als zwischen den Mitarbeiter/innen. Wir vermuten, dass Mediation ein »Feigenblatt« für eine Kündigung ist.

Diese und andere Situationen fordern uns heraus, stellen unsere Arbeit in Frage. Der Workshop versucht anhand konkreter Beispiele zu zeigen, wie wir damit umgehen können, ohne unsere Prinzipien zu »verraten«; wie wir Transparenz ermöglichen, ohne die Vertraulichkeit zu verletzen; wie wir uns positionieren, ohne parteilich zu werden; wie wir im Zwang die Freiwilligkeit finden; und wie wir uns nicht missbrauchen lassen.

Workshop 5

Und wenn der Konflikt öffentlich ist?

Mediation im Spannungsfeld politischer Konflikte

Christoph Besemer

Von den einen als strategische Einbindung gebrandmarkt, von den anderen als Zukunftschance begrüßt, wurden in den letzten Jahren zahlreiche Partizipationsverfahren entwickelt und angewendet - darunter auch die politische Mediation.

Doch kann Mediation im öffentlichen Bereich ihren eigenen Prinzipien treu bleiben oder braucht sie nicht notwendiger Weise eine Anpassung? Wie sieht es mit der Vertraulichkeit, der Selbstbestimmung der Konfliktparteien, der Allparteilichkeit und der Unabhängigkeit der MediatorInnen aus?

Es gibt Negativ-Beispiele, welche die Skepsis untermauern. Aber auch Positiv-Beispiele, aus denen viel gelernt werden kann...

 

Mit einem englischen Referat von Thomas Hottinger, EDA, Senior Mediator, über die «Ethical dimension in the international Peace Mediation» endet der Berner Mediationstag am 20.11.2019.

 

Nähe Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier:

https://www.bfh.ch/de/aktuell/veranstaltungen/berner-mediationstag/

 

(Hinweis: Anmeldefrist bis zum 08.11.2019; die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt!)

 

Literaturempfehlung 
Friedman, Himmelstein: Konflikte fordern uns heraus
Friedman, Himmelstein

Mediation als Brücke zur Verständigung
mit je einem Vorwort von Lis Ripke und Gisela und Hans-Georg Mähler

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Broschiert, 346 Seiten, im September 2013 erschienen
Milling: Storytelling - Konflikte lösen mit Herz und Verstand
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Eine Anleitung zur Erzählkunst mit hundertundeiner Geschichte

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Gebunden, 268 Seiten, am 24. Juni 2016 erschienen