Coaching und Mediation – eine ideale Kombination? | Fachartikel | Mediation aktuell

Coaching und Mediation – eine ideale Kombination?

Konfliktbearbeitung in der Praxis
Coaching und Mediation – eine ideale Kombination?

Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Synergien

von Jürgen Heim

Jürgen Heim

 

Coaching und Mediation sind als professionelle Methoden für das Konfliktmanagement anerkannt. Erfahrene BeraterInnen und MediatorInnen kennen die Unterschiede dieser Formate wie auch ihre Gemeinsamkeiten oder Synergien und setzen die Verfahren situationsangepasst für die Konfliktlösung ein.

 

 

 

1. Definition

Als Coaching werden personenzentrierte und methodengestützte Beratungs- und Begleitungsprozesse bezeichnet. Klienten, die vor beruflichen und persönlichen Herausforderungen stehen und Veränderungsprozesse gestalten wollen, nehmen diese Dienstleistung in Anspruch. Im Vordergrund stehen häufig Themen wie der Umgang mit Aufgaben und Zielen, das Personal- und Organisationsmanagement, aber auch aktuelle Konflikte oder der Wunsch nach persönlicher Entwicklung sowie Förderung eigener Ressourcen und Kompetenzen.

In der Mediation, einem außergerichtlichen Verfahren zur Krisenintervention und Konfliktbeilegung, entwickeln die Konfliktpartner, die Medianden, selbstbestimmt ihre nachhaltigen Lösungen unter der Anleitung eines neutralen Dritten, des Mediators.

2. Inhalte

Das Coaching dient in erster Linie dem Selbstmanagement und der Persönlichkeitsentwicklung der Klienten, die sich häufig in Leitungs- oder Führungspositionen befinden. Die Bearbeitung von Konfliktkonstellationen kommt nur als Teilbereich hinzu.

Im Fokus jeder Mediation stehen die unterschiedlichsten Konflikte der beteiligten Medianden.

3. Coach und Mediator

Der Aufgabenbereich des Coachs liegt in der professionellen Beratung und methodengestützten Begleitung des Klienten. Die Inhalte des Coachings orientieren sich an den Zielsetzungen des Klienten. Der Coach richtet den Coaching-Prozess darauf aus, die Potentiale des Klienten zu aktivieren und erwünschte Veränderungen zu realisieren.

Der Mediator hingegen erbringt keine Beratungsleistungen, sondern unterstützt neutral und allparteilich moderierend die Kommunikation zwischen seinen Konfliktparteien. Lösungen können nur die Medianden selbst finden; der Mediator stellt in der Mediation lediglich die Verfahrensstruktur und differenzierte Kommunikationstechniken zur Verfügung.

4. Beteiligte

Der Coach arbeitet in der Regel auch in Konfliktfällen nur mit seinem Klienten als Einzelperson zusammen. Aufgrund der Abwesenheit anderer Konfliktparteien können im Einzelcoaching auch sehr persönliche Fragen thematisiert werden.

MediatorInnen benötigen die Einwilligung von mindestens zwei Konfliktpartnern zur Teilnahme. Scheitert die Mediation an der Einwilligung der zweiten Partei, kann Coaching eine Möglichkeit sein, sich dennoch aktiv mit dem Konflikt zu befassen.

5. Gemeinsamkeiten

Gemeinsamkeiten sind in der Arbeitsweise der Coaches und MediatorInnen zu finden: Sowohl der Coach wie auch die MediatorInnen sind für die Struktur und den kommunikativen Prozess verantwortlich. Dabei kommen vergleichbare Techniken zur Gesprächsführung auf Basis der Kommunikationspsychologie zum Einsatz. Auch die Methoden und Vorgehensweisen zur Konfliktbearbeitung decken sich in vielen Bereichen.

6. Fazit

Die unterschiedlichen Anwendungsbereiche beider Verfahren orientieren sich am erteilten Auftrag. Eine sorgfältige Prüfung des Auftragsgegenstandes erleichtert die Zuordnung der jeweiligen Methode und sichert die Qualität der Arbeit. Die Mediation dient der aktuellen Konfliktbeilegung, Coaching hat hingegen Veränderungsprozesse entsprechend den Zielen der Klienten im Fokus. Das kann z.B. sein, sich Konfliktbewältigungsstrategien anzueignen und diese auch anzuwenden.

Oft entsteht nach Abschluss eines Mediationsverfahrens der Bedarf nach einem Einzelcoaching. Oder die Durchführung einer Mediation empfiehlt sich als ergänzende Maßnahme nach einem erfolgreichen Coachingprozess. Mediation und Coaching können in diesen Fällen als ziel- und lösungsorientierte Verfahren eine ideale Kombination bilden.

Für Dienstleistungsangebote im Wirtschaftsbereich ist es daher hilfreich und nützlich, entweder selbst über die Mehrfachqualifikation als professionell ausgebildeter Coach und Mediator zu verfügen oder auf ein differenziertes Netzwerk zugreifen zu können.

 

In der folgenden Übersicht werden die beiden Disziplinen Coaching und Mediation vergleichend gegenübergestellt:

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Coaching

Mediation

Begriff

Personenzentrierte und methodengestützte Beratungs- und Begleitungsprozesse mit thematischer Zielorientierung

Außergerichtliches Verfahren zur Krisenintervention und Konfliktbeilegung

Beteiligte

Überwiegend Einzelpersonen

Mindestens zwei Konfliktparteien (Medianden)

Auftrag

Selbstmanagement, Empowerment,

Personalmanagement-Coaching,
evtl. Bearbeitung (verdeckter) Konflikte, Prophylaxe u. a.

Bearbeitung offener Konflikte und eskalierter Situationen
DienstleisterCoach als empathischer BegleiterMediator als neutraler Dritter
DienstleistungKlärung, Beratung, Förderung der Entwicklung individueller Lösungskompetenz, BegleitungModeration, Kommunikationsförderung,

Strukturierung des Verfahrens,
keine Beratung

DauerEher mittel- bis langfristigEher kurzfristig
Allparteilichkeit,
Neutralität
Professionell empathisch, persönlich zugewandtAllparteilich und neutral gegenüber allen Medianden
Freiwilligkeit(Veränderungs-)BereitschaftAusdrückliche Zustimmung
Vertraulichkeit

Vertraulichkeit
(vertraglich)

Verschwiegenheit, Vertraulichkeit

(gesetzlich und vertraglich)

MethodikDifferenzierte Kommunikationstechniken, Methoden und Verfahren zur Konfliktbeilegung

Differenzierte Kommunikationstechniken, Methoden und Verfahren zur Konfliktbeilegung

Ergebnis/ZielVerhaltensorientierte Aktivierung von Potentialen und Ressourcen auf Seiten des Klienten, messbares Erreichen der zu Beginn definierten ZielkriterienKonfliktösungen der Medianden,Abschlussvereinbarung

 

 

 

 

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