Mit demografischer Unterstützung: Elder Mediation (Teil 2)

Aus der Praxis - Lernen von den Meistern
Mit demografischer Unterstützung: Elder Mediation (Teil 2)

Konflikte und deren Lösung rund um die Lebensgestaltung im Alter

Heiner Krabbe

Heiner Krabbe

24 Prozent der Bevölkerung ist heute über 60 Jahre alt: Die Folgen der demographischen Veränderungen in Deutschland zeigen also Wirkung. Der Blick auf das Alter als einer Zeit der Entwicklung des Menschen schafft neue Räume für die älteren Menschen und damit zugleich für die Einsatzmöglichkeiten von Mediation.

In den letzten Jahren nehmen die Wünsche dieser »Best Ager« nach professioneller Unterstützung - sei es Beratung, Psychotherapie oder Mediation - deutlich zu.

Der renommierte Psychologen und Mediator Heiner Krabbe unterstreicht die neuen Einsatzmöglichkeiten von MediatorInnen mit der Spezialisierung zur »Elder Mediation«.

In Teil 1 seines Beitrags stellte er die Entwicklungspsychologie des Alters sowie die Felder der Elder Mediation vor – zunächst bei der Gestaltung von Beziehungen älterer Menschen. In Teil 2 folgen Praxisanwendungen für Elder Mediation bei Auseinandersetzungen mit Altersabbau, Krankheit und Gebrechlichkeit.

 

II. Elder Mediation bei Auseinandersetzungen mit Altersabbau, Krankheit und Gebrechlichkeit

 Die Verlängerung des Lebenslaufs hat zur Folge, dass oft vier oder fünf Generationen gleichzeitig leben. Die jungen Alten haben alte Eltern. Oft nähern sich die Generationen neu an, wenn die betagten Eltern zu den Kindern oder in deren Nähe ziehen.[1]

 Die jungen Alten müssen feststellen, dass ihre Eltern zusehends auf ihre Hilfe angewiesen sind. Auf dem Hintergrund dieser Erkenntnis durchläuft die Beziehung zu den Eltern noch einmal eine neue Phase, die die Kindheit spätestens zu diesem Zeitpunkt beendet. Zum ersten Mal nimmt man

die Eltern als Individuen mit eigenen Lebensgeschichten wahr, einer Lebensgeschichte, die nur zum Teil mit der Person des Kindes etwas zu tun hat. Gleichzeitig beginnt bei den jungen Alten die Auseinandersetzung mit dem eigenen Alterungsprozess und der Endlichkeit des Lebens.

Ausgehend von der Erkenntnis einer gegenseitigen Abhängigkeit, kann es zu einer Wiederannäherung zwischen den beiden Generationen, den »Kindern« und »Eltern« kommen.[2] Dennoch ist die Beziehung zu den alten Eltern mit Belastungen verbunden, insbesondere dann, wenn die alten Eltern hilfs- und pflegebedürftig sind und die »Kinder« mit neuen Aufgaben und zusätzlicher Verantwortung konfrontiert sind.

Körperliche und kognitive Abbauprozesse als Ausdruck des biologischen Alterns vollziehen sich unvermeidlich, sie machen das Alter zum unabwendbaren Schicksal, das jeden erreicht, wenn auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlicher Geschwindigkeit.10

In der Mediation geht es dann um Verhandlungen über den Umgang mit körperlicher Krankheit und Gebrechlichkeit, um kognitive Einbußen und Demenz, um Hilfs- und Pflegebedürftigkeit. Gebrechlichkeit und Hilfsbedürftigkeit führen dazu, dass Unterstützung und Pflege, sei es in privater familiärer oder in professioneller Form, geregelt werden müssen. Dies wird in der Mediation zwischen den Eltern, zwischen Eltern und Kindern oder zwischen den Kindern verhandelt und vereinbart. Die soll an einem weiteren Fallbeispiel von Elder Mediation näher beschrieben werden.

 

Fallbeispiel »Mediation mit betagten Eltern«

Frau K (Krankenschwester, 58 Jahre) fragt nach der Möglichkeit einer Mediation. Ihre Mutter, Frau D, sei 84 Jahre alt, lebe allein in einer 2-Zimmer-Wohnung in der Nähe und könne sich nicht mehr zuverlässig versorgen.

Ihr Vater sei bereits vor 5 Jahren verstorben. Ihre Mutter beziehe eine eigene Rente und die Witwenrente ihres Mannes. Frau K berichtete von ihrem Bruder, Herrn D, Lehrer, 63 Jahre alt; er befinde sich im vorzeitigen Ruhestand und lebe mit seiner Frau zusammen. Der gemeinsame Sohn sei bereits ausgezogen. Frau K selbst sei geschieden, habe zwei Töchter, die sich noch im Studium befänden. Nach der letzten Aufregung, bei der ihre Mutter die Gasflamme ihres Herdes tagsüber habe brennen lassen, habe sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder gesprochen. In der Frage, wie es mit der Mutter weitergehen soll, habe sie auf Empfehlung einer Freundin mit ihrem Bruder über die Möglichkeit einer Mediation gesprochen. Auch ihre Mutter sei bereit, an einer Mediation teilzunehmen, wolle jedoch nicht in ein Heim wechseln.

1. Stufe: Einführung und Kontrakt

In der Mediation mit älteren Menschen kommt der Mediator mit Menschen in Kontakt, die bereits über eine große Lebenserfahrung verfügen, zahlreiche Konflikte in ihrem Leben bewältigen mussten. Daher prüfen sie in der ersten Begegnung den Mediator dahin, ob sie sich ihm anvertrauen können, ob er ihrem Konflikt gewachsen ist, ob er dazu in der Lage ist, sie durch den Gesprächsprozess zu führen. Bereits die ersten Momente des Kontakts

entscheiden darüber, ob die älteren Menschen sich auf eine Mediation einlassen. In der Mediation ist es an dieser Stelle wichtig, in respektvoller Haltung den Gesprächsprozess zu führen. So werden bei der Information über die Mediation insbesondere die Aspekte der Eigenverantwortlichkeit und der Ergebnisoffenheit betont. Zudem wird die Möglichkeit von Pausen auf Wunsch der Parteien erörtert.

Frau D war es wichtig, dass in der Mediation ihre Selbstbestimmtheit respektiert werde. Herr D wollte eine mögliche Vereinbarung vorher mit seiner Frau abstimmen; Frau K wollte in der Pause mit ihren beiden Töchtern Rücksprache halten.


2. Stufe: Themensammlung

In dieser Stufe fällt es den Parteien leicht, offene Regelungspunkte zu nennen. Oft haben sich neben dem konkreten Konfliktanlass im Laufe der zurückliegenden Zeit zahlreiche weitere ungeklärte Themen angesammelt.

So wollte Frau D über Alternativen zum Heim, Kontakt zu meinen Kindern und Enkelkindern, Pflegebedarf, Patientenverfügung, Betreuung reden. Frau K nannte als Themen Umgang mit Pflegebedürftigkeit, Alltagshilfen, Arztbesuche, Finanzierung, Notfallversorgung. Herr D wollte über Gefahren, Urlaub, Geld sowie Betreuungsverfügung/Vorsorgevollmacht/Kontovollmacht verhandeln.


3. Stufe: Interessen

Auf dieser Stufe muss der Mediator Zeitgeschichtliches mitdenken können. Erinnerungen bekommen im Alter eine zunehmende Bedeutung. Auf dieser Stufe kann es vorkommen, dass alte Verletzungen, belastende Erinnerungen bei allen älteren Familienmitgliedern auftauchen.

Hier sollte der Mediator genügend Raum für jede Partei anbieten. Das Aufbrechen von Erinnerungen auf dieser Stufe scheint notwendig zu sein, um zum einen die Selbstbehauptung jeder Partei stärken zu können und zum anderen einen neuen Prozess gegenseitigen Verstehens in der Gegenwart verankern zu können.

So wurde deutlich, dass Frau D ihre Selbständigkeit und Selbstverantwortung gewahrt haben wollte. Frau K hatte ein Interesse, die Verantwortung für ihre Mutter zukünftig nicht allein zu haben, sondern mit den anderen Familienmitgliedern zu teilen, um auch Raum für ihr eigenes Leben zu haben. Herr D hatte einerseits ein Interesse am Wohlergehen der Mutter, andererseits den Wunsch, dass genügend Zeit, Kraft und Geld für seine eigene Familie erhalten bleiben soll. Zwischen den Geschwistern brachen erneut alte Rivalitäten hervor, Frau D erinnerte sich an ihre schöne Zeit mit ihrem verstorbenen Mann.

 

4. Stufe: Optionen

Auf dieser Stufe sollte Hintergrundwissen zum Älterwerden bei den Parteien und auch beim Mediator vorhanden sein. Dies bezieht sich u.a. auf Mehr-Generationen-Familien, Wohnformen, professionelle Helfer, Pflegemöglichkeiten und Vorsorgeformen. Bei hinreichendem Fachwissen fällt es den Parteien oft leicht, mit dem Blick auf die nähere Zukunft neue Ideen zu entwickeln. Bisweilen werden alte Familienbündnisse aufgekündigt und neue entwickelt.

So nannte Frau D u.a. als Ideen: Essen auf Rädern, Putzfrau einstellen, Notrufpieper, eins der Kinder zieht ins Nachbarhaus, betreutes Wohnen ausbauen. Herr D hatte u.a. die Idee eines Rettungshundes, dass ein »Zivi« sich um die Mutter kümmere, die Finanzen neu geregelt würden und er regelmäßig für die Mutter Großeinkäufe erledige. Frau K nannte u.a. einen Pflegedienst zu beauftragen, der Bruder und sie schauten täglich einmal vorbei, einen Notrufknopf und einen Schlüssel für Dritte, eine Polin ins Haus zu holen, Altenwohnungen anzuschauen, einen automatischen Herd und Nachbarn einzubeziehen.

 

5. Stufe: Fairness und Gerechtigkeit

Bei einer Mediation mit mehreren Generationen hat es sich als sinnvoll erwiesen, die Parteien zu bitten, ihre eigenen Maßstäbe für Fairness und Gerechtigkeit erarbeiten zu lassen. Gerade bei der gegenseitigen Unterstützung der Generationen in der Familie geht es um einen gerechten Transfer in materieller Hinsicht (Finanzen, Saubermachen etc.) und in immaterieller Hinsicht (Emotionen, Kognitionen etc.).

So war für Frau D eine Vereinbarung dann gerecht, wenn ihre Selbstbestimmung gewahrt bleibt und die Interessen aller drei Generationen berücksichtigt werden. Für Herrn D war ein Maßstab für Fairness und Gerechtigkeit, dass seine Ehe weiterhin genügend Raum erhalte. Frau K nannte u.a. die Vereinbarung für fair, wenn die Belastungen unter den Geschwistern und den Enkelkindern gleich verteilt werden.

 

6. Stufe: Verhandeln

Beim Verhandeln mit älteren Menschen sollte vom Mediator die Möglichkeit aktueller, kurzfristiger Regelungen in den Vordergrund gerückt werden. Zudem sollte er auf die Überprüfbarkeit und Veränderbarkeit der Vereinbarungen achten. Neben dem fokussierten Blick auf die Vereinbarung zur aktuellen Gegenwart, nahen Zukunft, sollte die Stufe des Verhandelns als eine Chance für die Beteiligten betrachtet werden, das Verhandeln selbst zu lernen, um es als geeignetes Muster für zukünftige weitere Veränderungen einsetzen zu können. Insoweit sollte der Mediator das Vorgehen auf der Stufe des Verhandelns prophylaktisch, i.S. eines Verhandlungsmanagements, den Parteien ausführlich erklären und einüben. Auf dieser Stufe hat sich bei älteren Menschen das Optionale Angebotsverhandeln als günstig erwiesen, gestattet diese Form des Verhandelns, materielle und immaterielle Werte miteinander zu verbinden.

Frau D, Herr D und Frau K wollten die genannten Ideen sogleich vereinbaren. Der Mediator erklärte ihnen zunächst das Verfahren des Verhandelns, was die Parteien ungewöhnlich fanden, waren sie es doch bisher gewohnt, intuitiv miteinander die Vereinbarungen zu treffen. Dennoch ließen sie sich nach dem Hinweis des Mediators, dass sie auch zukünftig, nach der Mediation, weitere Themen würden verhandeln wollen, darauf ein, den jeweils anderen Parteien Angebote zu nennen, die dann miteinander verglichen und vereinbart wurden. Sie vereinbarten kurzfristig, dass sich Frau D zu Weihnachten bei Frau K und über Sylvester bei Herrn D aufhalte und dort feiere. Dann sollte die Wohnung von Frau D umgestaltet werden i.S. größerer Sicherheit (u.a. Installation eines Notrufs, ein Zwischenstecker sollte besorgt werden, ein neuer Herd und ein Pieper soll angeschafft werden).

Frau K besorgt innerhalb des nächsten Monats eine Haushaltshilfe und erkundigt sich über die Möglichkeiten »einer Polin im Haus«. Es sollte ein gemeinsames Gespräch mit Frau D und Herrn D beim Arzt über eine Patientenverfügung stattfinden. Die Enkel erklärten sich bereit, jeweils zweimal pro Woche Frau D zu besuchen und die Wohnung zu inspizieren. Herr D und Frau K wechselten sich am Wochenende jeweils für einen Tag in der Betreuung ihrer Mutter ab. Schließlich wurde vereinbart, dass sich Frau K um die Möglichkeiten betreuten Wohnens kümmert und in den nächsten Monaten mit ihrer Mutter vor Ort erkundet.

 

7. Stufe: Vereinbaren

Zum Schluss der Stufe ist in der Mediation mit älteren Menschen stets eine große Erleichterung bei den Parteien zu spüren. Ebenso wird auch nach der Möglichkeit einer weiteren Mediation zu einem späteren Zeitpunkt gefragt. Dies lässt sich vielleicht damit erklären, dass es für Konflikte zwischen der alten und der älteren Generation noch wenige Modelllösungen gibt. Das Phänomen der beiden alten Generationen sowie das von vier gleichzeitig lebenden Generationen ist neu und hat daher keine Vorbilder und somit auch keine Modelle einer Konfliktlösung.

Die getroffenen Vereinbarungen wurden als Protokoll festgehalten und der Ehefrau von Herrn D und den Enkelkindern zur Kenntnis gegeben. Die Parteien vereinbaren, im Konfliktfall erneut eine Mediation aufzusuchen.

 

III. Weitere Praxisfelder von Elder Mediation im Überblick

 

Im Folgenden sollen für einige Entwicklungsaufgaben im Alter weitere Praxisfelder von Elder Mediation stichpunktartig aufgeführt werden.

 

1. Spätes Berufsleben, Berentung und Ruhestand

In Zeiten der Globalisierung und des flexiblen Kapitalismus hat sich die Arbeitswelt in rasanter Weise verändert. Auf die älteren Menschen hat dieser Prozess große Auswirkungen.

Intra-personell führt er bei ihnen zu einem Entfremdungsgefühl und einem Gefühl von starker Beeinträchtigung. Technische Neuerungen, Umstrukturierungen führen bei älteren Menschen oft zu einer inneren Kündigung, zu passiver Verweigerung. Inter-personell kommt es zu Konflikten zwischen den älteren und jüngeren Mitarbeitern zu massiven Vorgesetzten- und Konkurrenzproblemen.

Werden diese nicht gelöst, wird die Entwicklung eines Rentenwunsches bei den älteren Arbeitnehmern immer attraktiver. Statt die Wiedereingliederung in den Betrieb zu verhandeln, wird das Rentenbegehren vorangetrieben.

Bereits am Arbeitsplatz kann Elder Mediation bei Konflikten zwischen Generationen vermitteln. Der respektvolle Umgang der Parteien in der Mediation zwischen der jüngeren und der älteren Generation könnte einen veränderten Umgang am Arbeitsplatz ermöglichen, sowie einen Übergang in den Ruhestand, der von beiden Generationen mitgetragen wird. Beispielhaft seien hier die Möglichkeiten der Mediation in Betrieben bei Mobbing genannt, sowie die Verhandlungen in Familienunternehmen bei der Nachfolge. Der Wechsel in den Ruhestand kann Gegenstand von Elder Mediation sein, damit die Berentung nicht zu einem Ruhestand erstarrt.

 

2. Auseinandersetzungen in der dinglich-räumlichen, materiellen Lebenswelt

Die Lebensmöglichkeiten werden in entscheidender Weise durch die dingliche und materielle Lebenswelt beeinflusst. Diese schafft die Voraussetzungen, das Alter als eine späte Freiheit ausgestalten zu können oder sich den reduzierten Lebensmöglichkeiten anpassen zu können. Indem die Realität des Alters Grenzen absteckt, innerhalb derer noch das Leben gestaltbar ist und den Lebensraum erfasst, über den der ältere Mensch noch verfügen kann, stellt sich bei ihm das Gefühl ein, an Grenzen gestoßen zu sein. Damit ist das Gefühl verbunden, jetzt stärker auf die Möglichkeiten angewiesen zu sein, die die soziale Umwelt bereitstellt.

So verschiebt sich langsam die Lebenswelt älterer Menschen von der äußeren, weitläufigen Lebenswelt weiter auf die unmittelbare. Mit der begrenzten Lebenswelt fühlt sich der Ältere immer stärker in besonderer Weise verbunden. Über diese Welt kann er verfügen, bleibt sein Kontrollbedürfnis unangetastet. An diesem Ort kann er seinem Bedürfnis nach Selbstbestimmung nachgehen.

In der Mediation mit älteren Menschen geht es daher oft um das Festhalten an Gegenständen, um das Anhaften von Erinnerungsstücken. Auf diese Weise kann die Kontinuität des Lebens aufrechterhalten werden, können Spuren des eigenen Lebens gesichert werden. So wird das Verhandeln um die dingliche Welt symbolisch zum Verhandeln der eigenen Identität. In der Mediation wird dann oft die Sicherung der materiellen Lebensumstände zum Thema: Geld, materieller Besitz, materielle Not. Es geht zudem um die Wohnung, die Wohnumgebung, altersgerechtes Wohnen, betreutes Wohnen mit eigenständiger Haushalts- und Lebensführung.

Die eigene Wohnung stellt ein wesentliches Fundament der eigenen Identität her und führt in der Mediation mit älteren Menschen oft zu hochemotionalen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien.

 

D. Schluss

Der Tod ist im Alter nicht mehr allgegenwärtig, sondern hat sich auf das betagte Alter zurückgezogen. Aus der unsicheren Zeit vergangener Jahrhunderte ist eine sichere Lebenszeit geworden. Die Menschen stehen jetzt vor der Notwendigkeit, sich auf das Alter vorzubereiten. Das ursprüngliche Unbehagen gegenüber dem Alter hat sich dabei allmählich gewandelt. Immer mehr Menschen begreifen das Alter nicht mehr als »Rest-Lebenszeit «, sondern als eine zusätzlich gewonnene Lebenszeit, die es zu gestalten gilt. So kommen die Chancen des Alters stärker in den Blick.

Ältere Menschen beginnen damit, sich um das Alter zu kümmern; sie lernen, das Alter nicht als Schicksal, sondern als Aufgabe zu begreifen. Dazu benötigen sie eine Orientierung, welche in der postmodernen Gesellschaft mit ihren Unsicherheiten nicht so einfach zu finden ist. Der Begriff des »Dritten Alters« zeigt zwar an, dass es um Entwicklung und Aneignung neuer Möglichkeiten geht. Es fehlt jedoch an persönlichen Vorbildern und kulturellen Leitbildern.

Zudem sind die heutigen älteren Menschen nicht mehr in selbstverständlicher Art und Weise familiär eingebettet oder von nachbarschaftlichen und anderen sozialen Bezügen getragen. Auch Ältere bekommen die Zwänge des modernen Lebens zu spüren, das sie dazu zwingt, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen und das Leben stärker selbstständig gestalten zu müssen. Das »Dritte Alter« birgt somit neue Unsicherheiten und Chancen zugleich.

Elder Mediation kann ältere Menschen darin unterstützen, eine neue Orientierung zu entwickeln, zu erproben und zu vereinbaren. Die gefundenen Regelungen unterstützen zudem die Parteien, eine möglichst weitgehende Gesundheit die , die Gesundheit möglichst weitgehend zu erhalten und gesundheitliche Risiken aufzufangen.

Insgesamt betrachtet hilft Elder Mediation älteren Menschen, sich ihre neue Lebensphase anzueignen. Die getroffenen Vereinbarungen bilden die Grundlage für eine neue Entwicklung, für gewonnene Lebenszeit. Statt das Alter nur passiv annehmen zu müssen, wird ein Prozess der Aneignung des Alters aktiviert.

Eine neue Zeit beginnt.

 



[1] Peters, s.o. Fn 1, S. 189.

[2] Peters, s.o. Fn 1, S. 226.

 

 

Autor

Heiner Krabbe

Dipl. Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Mediator (BAFM), Ausbilder und Supervisor für Mediation. Leiter des Ausbildungsinstituts Mediationswerkstatt Münster, Psychotherapeutische Praxis

Referent an verschiedenen Universitäten (Heidelberg, Giessen, Oldenburg, Hagen, Konstanz, Basel, Zürich, Breslau), Akademien (Dt. Richterakademie, Justizakademie NRW, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Brandenburg), Gesellschaften (Dt. Gesellschaft für Verhaltenstherapie, Bund dt. Psychologen), der Bundesarbeitsgemeinschaft der Erziehungsberatungsstellen Bke, Fachhochschulen, Rechtsanwaltskammern und Handwerkskammern.

E-Mail: info@heiner-krabbe.de

Mediationswerkstatt Münster

 

 

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