Digitaler BM-Mediationskongress 2020

Rückschau
Digitaler BM-Mediationskongress 2020

Klimawandel - Heute für ein Morgen streiten

Bundesministerin der Justiz und Verbraucherschutz Christine Lambrecht

Vom 24. bis zum 28. November 2020 trafen sich Mediatorinnen und Mediatoren mit Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten Arbeitsgebieten, wie z. B. Politik, Integration, Bildung, Wirtschaft und Familie.

Coronabedingt fand der BM-Mediationskongress 2020 digital an vier Abenden und einem Tag statt. Die Vorträge und Diskussionsforen konnten bequem von zuhause aus verfolgt werden.

Klimawandel und die Arbeit von Mediatorinnen und Mediatoren?

Das Motto des Kongresses lautete »Heute für ein Morgen streiten« und war damit aktueller denn je. Der meteorologische Klimawandel führt auch zu gesellschaftlichem und politischem Klimawandel. Das betrifft alle und führt zu den Fragestellungen: Welche Herausforderungen kommen auf uns zu? Was bedeuten verstärkt auftretende Konfliktlinien in der Gesellschaft für die Konfliktbearbeitung? Wie verändern sich die Arbeitsgebiete für Mediatorinnen und Mediatoren? Welche Konfliktlösungsmethoden und -strategien werden in der Zukunft bennötigt?

Mitgestaltung unserer Zukunft

Die virtuellen Veranstaltungsräume des Mediationskongresses wurden zu einem Zukunftslabor. An insgesamt fünf Kongresstagen konnten Teilnehmende die Zukunft aktiv mitgestalten und mit Kolleginnen und Kollegen kreative Ideen und Strategien für einen umfassenden Klimawandel entwerfen. Es wurde darüber hinaus auch Raum gegeben für anregenden Diskussionen und Zeit für persönliche Gespräche.

Fünf Keynote-Speaker

Am Dienstag, den 24.11.2020 wurde der Kongress mit Keynotes von Kübra Gümüsay und Lamya Kaddor eröffnet. Am Donnerstag folgte der Austausch mit Prof. Dr. Heribert Prantl, am Freitag wurden Prof. Dr. Holger Bonin und am Samstag Prof. Dr. Mojib Latif online erwartet.

Grußwort

In ihrem Grußwort wies die Bundesministerin der Justiz und Verbraucherschutz Christine Lambrecht auf die besondere Stellung der Konfliktmittlerinnen  und -mittler hin:

(Auszug)

»...Mediatorinnen und Mediatoren besitzen eine ganz besondere und inzwischen unersetzbare Expertise in der Konfliktbewältigung. Deshalb bin ich mir sicher, dass vom Mediationskongress wertvolle Impulse und Gedankenanstöße ausgehen werden – für das wichtige gesamtgesellschaftliche Projekt einer Stärkung der Konfliktkultur...«

Link zum Grußwort (.pdf)

Programm

Über 30 Workshops und Foren aus einer Vielfalt von Arbeitsgebieten wurden im Verlauf des Kongresses in parallelen Strängen angeboten, die Oberthemen der Foren beibehalten, die inhaltliche und thematische Ausgestaltung aber variiert.

Hier noch einmal ein Blick auf  Programmabfolge:

Link Programm

 

Unsere Empfehlungen waren:


Workshop mit Dr. Birgit Keydel

Dr. Birgit Keydel


»Wertschätzen und Ablehnen«

Wie können wir Position beziehen ohne unsere Werte zu verlieren?

Wir schützen unserer Werte und machen sie praxistauglich, in dem wir das jeweilige Gegenteil mitdenken. Dies wird am Wert der Mediation »Wertschätzung« expliziert, der nur funktioniert, wenn wir die »Ablehnung« (oder »Ausgrenzung«) mit thematisieren. Tangiert werden zentrale aktuelle Themen genauso wie unsere Mediationsarbeit im Konkreten.

Es geht um ein Bewahren der Handlungsfähigkeit und zugleich u.a. auch um die Frage der Grenzen der Mediation.

Vertieft werden diese Fragen in »Die Big Five der Konfliktbearbeitung«, das im Frühjahr 2020 im Wolfgang Metzner Verlag erscheinen wird. (Hrsg. Birgit Keydel. Co-Autorinnen: Mary Carroll, Yvonne Hofstetter, Jutta Hohmann, Doris Morawe)

 

 

Workshop mit Kurt Faller

 Kurt Faller

»Kommunales Konfliktmanagement fördern«

Teilhabe und Integration konstruktiv gestalten

Einwanderung und Integration sind zentrale gesellschaftliche Herausforderungen der nächsten Jahre. Das Integrationsparadox nach Prof. Al Mafalaani besagt, dass gelungene Integration das Konfliktpotential steigert. Ausgehend von der These, dass nicht der Konflikt das Problem ist, sondern die Art und Weise des Umgangs, stehen Kommunen und Kreise vor der Herausforderung, die mit Zuwanderung und Integration verbundenen Konflikte frühzeitig zu erkennen, niedrigschwellig zu bearbeiten und die darin enthaltenen konstruktiven Themen für Veränderungsprozesse zu nutzen.

Das von der Stiftung Mercator geförderte Projekt »Kommunales Konfliktmanagement fördern - Teilhabe und Integration konstruktiv gestalten« - ist eine Initiative des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit der Landesweiten Koordinierungsstelle (LaKI).

Konzeptentwicklung, Ausbildung der kommunalen Mitarbeitenden und Begleitung der Kommunen beim Aufbau des Kommunalen Konfliktmanagementsystems lagen bei Dorothea und Kurt Faller.

An dem Projekt haben 16 Kommunen teilgenommen und individuelle Konfliktmanagementsysteme für ihre jeweilige Kommune / Kreis entwickelt. Das Projekt läuft über drei Jahre und wurde im Juli 2020 abgeschlossen. Ein Handbuch dazu erschien Ende März 2020.

Das Projekt zeigt, wie der Aufbau von Strukturen und Abläufen zur Konflikterkennung, -bearbeitung und -prävention Integrationsprozesse gezielt unterstützt. Ein weiterer Aspekt des Konfliktmanagementsystems ist die Entwicklung von Präventionsplänen für unerwartete Extremereignisse wie in Köln, Kandel, Chemnitz, Freiburg und Frankfurt, um überlegt und planvoll zu reagieren und damit gesellschaftlichen Spaltungstendenzen entgegen zu wirken.

Im Workshop wird das Projekt vorgestellt, möglicherweise kann auch ein Vertreter einer Kommune mitkommen. Anschließend Diskussion mit den Teilnehmenden.

Kurt Faller, Lehrmediator BMWA®, Coach und Organisationsberater, Systemdesigner
Geschäftsführender Gesellschafter der Medius GmbH, Konfliktmanagement und Organisationsberatung Münster.

Er arbeitet als Dozent an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.