Dolmetscher trifft Mediator, Mediator trifft Dolmetscher

Veranstaltungen
Dolmetscher trifft Mediator, Mediator trifft Dolmetscher
MiKK Veranstaltung "Dolmetscher trifft Mediator"

Internationale Mediationen bringen oft Menschen an einen Tisch, die nicht dieselbe Sprache sprechen. Mediatoren stehen in diesem Falle vor der Herausforderung, selbst zu dolmetschen oder in der Mediation mit Dolmetschern zusammen zu arbeiten. Beides gehört meist nicht zur täglichen Routine und will gut überlegt und vorbereitet sein.

Zu diesem Thema fand am 4.5.2013 in Berlin die Auftakt-Werkstatt des Vereins Mediation bei internationalen Kindschaftskonflikten (MiKK e.V.) und des Landesverbandes Berlin-Brandenburg vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ e.V.) statt. Die Mediatorin Anna Royon-Weigelt berichtet von ihren Eindrücken.

»Bei meiner etwas verspäteten Ankunft im Seminarraum sitzen bereits alle im Stuhlkreis und haben mit der Vorstellungsrunde angefangen. Der BDÜ-Landesverband Berlin-Brandenburg e.V und der Verein MiKK e.V. haben zu diesem Workshop eingeladen. Im Raum sitzen Dolmetscher, Mediatoren, Rechtsanwälte, Juristen, Studierende. Sybille Kiesewetter, Geschäftsführerin von MiKK und Mary Carroll als erfahrene Mediatorin und Übersetzerin, moderieren unsere 25-köpfige Gruppe gemischten Alters, in der Frauen deutlich in der Überzahl sind. Die erste Runde offenbart schnell die Vielfalt und Komplexität der Themen, die im Raum stehen.

  • Soll ich / will ich / kann ich / darf ich als MediatorIn auch dolmetschen?
  • Wie kommt es bei den Medianden an?
  • Was gehört zur Dolmetscherrolle?
  • Was gehört zur Rolle der Mediatoren?
  • Was »macht« es mit dem Prozess?
  • Welche Erfahrungen sind in der Gruppe vorhanden?
  • Inwiefern spielt Gender eine Rolle?

Nach zwei kurzen informativen PPT-Darstellungen von Sybille Kiesewetter und Michael Failenschmid als Erstem Vorsitzenden des BDÜ-Landesverbandes entwickelt sich der Austausch lebendig weiter. Es wird – auch kontrovers - über geeignete Techniken des Dolmetschens in der Mediation und unterschiedliche Erfahrungen damit diskutiert. Nach einer kurzen Pause findet ein Rollenspiel statt, mit einem deutsch-spanischen Paar als Medianden und zwei Mediatorinnen. Im Rahmen des Rollenspiels einigt man sich im Laufe der Mediation auf das Hinzuziehen eines Dolmetschers. Die Komplexität der Interaktion auf der Sach- und Beziehungsebene, die Berührungspunkte der Rollen und Kompetenzen werden deutlich und geben anschließend Anlass zu einer lebhaften Diskussion. Die in der Eingangsrunde aufgeworfenen Fragen werden eher noch vertieft als dass Antworten gegeben werden. Mary Caroll unterstreicht, dass dieser Bereich bisher sehr wenig erforscht wurde und diesbezüglich ein großer Bedarf festzustellen ist. Als der Workshop nach vier Stunden zu Ende geht, wird den meisten klar, dass dies erst der Anfang ist und dass aus dem eben eröffneten Dialog- und Lernfeld noch viel Erkenntnis zu schöpfen ist. In der Abschlussrunde signalisieren die Teilnehmer ihren Wunsch, dass in den kommenden sechs Monaten ein weiteres Treffen zu diesem Thema organisiert wird, was für den 13. Oktober 2013 geplant ist.«

Zu dem Thema wird auch ein Beitrag in der MDÜ - Fachzeitschrift für Dolmetscher und Übersetzer von Mary Carroll und Isabel Scherer erscheinen.

Am 11. und 12. Oktober 2013 findet in Berlin ein Einführungswochenende zum Thema Mediation organisiert von MiKK statt, welches von Mary Carroll und Dr. Jamie Walker als Trainerinnen durchgeführt wird.

Anna Royon-Weigelt, RESPEA – Resources to Perform Abroad, Facilitation, Coaching, Mediation, Anna Royon-Weigelt & Team

Gesetzliche Regelungen und wichtige Hinweise zur Anwendungspraxis von mehr als zehn Ländern finden Sie in unserer stetig wachsenden Online-Publikation Mediation über Grenzen / Cross-Border Mediation.