Empathie versus Realpolitik?

Friedensmediation
Empathie versus Realpolitik?

Zur Bedeutung von Haltung und »micro-skills« in der Friedensmediation

Dirk Splinter

SdM 69 Dirk Splinter

Die Mediation in Friedensprozessen orientiert sich zunehmend an fachlichen Standards – und doch: Eine wirklich mediative Haltung, wie sie in der Organisations- und Familienmediation als wichtig beschrieben wird, ist noch nicht essentieller Bestandteil des Mediationsverständnisses politischer Akteure. In der Tat ist es schwer vorstellbar wie eine solche Haltung von MediatorInneund ein entsprechendes (Kommunikations-)Verhalten angesichts realpolitischer Zwänge einen entscheidenden Einfluss auf politische Mediationsverfahren haben können. Und doch spricht einiges dafür.

Die Vereinten Nationen (UN), der Europäische Auswärtige Dienst (EAD), die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und weitere Regionalorganisationen sowie zahlreiche Einzelstaaten – auch Deutschland – erkennen in den letzten Jahren zunehmend die Bedeutung fachlicher Standards für die Friedensmediation an. So haben die UN 2012 eine »Guidance for effective Mediation« verabschiedet, in der z. B. »Impartiality« und »Consent« als grundlegende Prinzipien benannt werden, d. h. es findet eine gewisse Hinwendung zur nicht-direktiven, faszilitativen Mediation statt. Außerdem wurde mit der »Mediation Support Unit« der UN eine fachliche Querstruktur aufgebaut, die den an Mediationsprozessen beteiligten UN-Missionen unterstützend zur Seite steht.

In Deutschland gibt es seit 2014 Bestrebungen, die (Friedens-)Mediation stärker in der Außenpolitik zu nutzen und im Auswärtigen Amt strukturell zu verankern. Mit der Initiative »Initiative Mediation Support Deutschland« (IMSD) hat sich ein Netzwerk zivilgesellschaftlicher Mediationsinstitutionen zur Unterstützung des Auswärtigen Amtes in diesem Prozess gegründet.

Die »Friedensmediation« wird dabei als Obergriff für ein Spektrum von mediativen Interventionen verwendet: Neben Verhandlungen auf Regierungsebene (Track 1), werden auch informelle Dialoge und Mediation auf einer mittleren gesellschaftlichen Ebene (Track 2) und auf Grassroots-Ebene (Track 3) sowie die Förderung von nationalen Dialogen und Insider-Mediatoren-Netzwerken begrifflich erfasst.

Bei der Beobachtung des Fachdiskurses zu aktuellen politischen Mediationsprozessen auf der Track 1- Ebene (=offiziell) und der Track 1.5-Ebene (= semi-offiziell) fällt auf, dass in aller Regel viel über den politischen Kontext gesprochen wird. Wovon allerdings in aller Regel nicht die Rede ist, ist das direkte Kommunikationsverhalten der MediatorInnen – die Herstellung von Rapport, aktives Zuhören, Fragetechniken, non-verbale Kommunikation und Empathie – all das, an dem sich eine mediative Haltung nach außen hin zeigt.

Worauf kommt es also wirklich an? Auf die politische Erfahrung oder auf mediative Kompetenzen und ihre Methoden?

Lesen Sie die Antworten unseres Autors Dirk Splinter in der Rubrik  »Im Fokus von Wissenschaft, Politik und Recht« der Ausgabe 68 von »Spektrum der Mediation« ab S. 50.

 

 SdM 68

 

  J. G. Heim