Erfolgsfaktor Resilienz in der Krise

Erfolgsfaktor Resilienz in der Krise

Studie von Prof. Dr. Nico Rose

Prof. Dr. Nico Rose

Aus der For­schung zur po­si­ti­ven Psy­cho­lo­gie wis­sen wir: Kri­sen kön­nen Men­schen einen men­ta­len Wachs­tums­schub ver­pas­sen und sie auf lan­ge Sicht stär­ker und re­si­li­en­ter ma­chen – auch wenn die mo­men­ta­nen Be­las­tun­gen hoch sein mö­gen.

Doch in wel­chen Ei­gen­schaf­ten hat die ak­tu­el­le Co­ro­na-Kri­se die Deut­schen ge­stärkt?

Nico Rose, Pro­fes­sor für Wirt­schafts­psy­cho­lo­gie an der In­ter­na­tio­nal School of Ma­na­ge­ment (ISM) in Dort­mund, in ei­ner Blitz­um­fra­ge un­ter­sucht, für­ die er 1217 Teil­neh­mer in Netz­wer­ken wie Twit­ter, Xing und Lin­ke­dIn re­kru­tier­te. Da­bei stell­te sich her­aus, dass etwa 70 Pro­zent der Be­frag­ten bei sich min­des­tens ein paar An­zei­chen von Wachs­tum be­ob­ach­te­ten. »Das ist eine der groß­ar­ti­gen Sei­ten der mensch­li­chen Exis­tenz«, re­sü­miert Nico Rose. »Wir kön­nen in und an Kri­sen wach­sen. Un­ter den rich­ti­gen Um­stän­den brin­gen sie das Bes­te in uns her­vor – und auch das Bes­te zwi­schen den Men­schen und in der Ge­sell­schaft an sich.“

»Wir wissen schon länger, dass Dankbarkeit ein wichtiger Schlüssel zur Überwindung von Krisen ist«, erläutert Nico Rose. »Manche Menschen schaffen es, immer wieder ganz bewusst den Blick auf das zu richten, was ‚trotzdem gut‘ ist: die stärkenden Beziehungen im Leben, die Unterstützung, die man erhält, die kleinen und großen Herausforderungen, die man –trotz allem –kontinuierlich meistert.« Ein solcher Blickwinkel lässt sich übrigens kultivieren. Entsprechende Konzepte sind Teil von manchen Spielarten der Psychotherapie, beispielsweise zur Behandlung von Depressionen.

Das Erleben von psychischem Wachstum in der Corona-Krise hängt auch mit weiteren Faktoren zusammen, unter anderem einigen demographischen Aspekten: Menschen mit einem tendenziell höheren Einkommen und einer längeren Bildungshistorie berichten im Mittel von etwas mehr Anzeichen des Wachstums. Statistisch betrachtet steht der Einfluss dieser Faktoren jedoch deutlich hinter dem Kultivieren von Dankbarkeit zurück. Der psychologische Hintergrund: Wohlbefinden ist mehr dimensional. Die meisten Menschen stellen sich psychologisches Wohlbefinden als einfaches Kontinuum vor, sprich: Manchmal geht es uns richtig gut, manchmal schlecht, an vielen Tagen normal gut.

Die Daten der vorliegenden Studie und auch früherer Arbeiten deuten allerdings darauf hin, dass das tatsächliche Erleben vielschichtiger ist. »Man kann sich die Anwesenheit von psychischem Unwohlsein und psychischem Wohlbefinden besser als verwandte, aber unabhängige Dimensionen vorstellen –wie in einem Koordinatensystem. Menschen können folglich psychologische Einschränkungen erfahren (Stress, negative Gefühle etc.) und gleichzeitig positive Entwicklungen verspüren (mehr Dankbarkeit, ein Mehr an Klarheit usw.)«, so der Psychologe. »Diesem Wachstum in und nach Krisenzeiten wird außerhalb der Forschung meist zu wenig Beachtung geschenkt.«

(Hinweise zur Interpretation der Studie: Die Ergebnisse der Studie sollten mit Vorsicht interpretiert großen Stichprobe nur einen Ausschnitt der Bevölkerung erreicht. Sie ist somit nicht repräsentativ, sondern bildet den tendenziell gut ausgebildeten und monetär stabilen Teil der deutschen Bevölkerung ab. »Menschenmit unterdurchschnittlichen finanziellen Mitteln hatten unter Umständen nicht im gleichen Maß die technischen Möglichkeiten oder die Energie, die Fragen zu beantworten. Ob jene Personen auch positive Entwicklungen erfahren haben, konnte hier kaum erfasst werden«, betont Prof. Rose.)

(Quelle: Presseinformation der In­ter­na­tio­nal School of Ma­na­ge­ment ISM)



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14,80 €incl. MwSt.
Gebunden, 96 Seiten, im Juni 2020 erschienen