Das erste Trainingshandbuch nach der Zertifizierungsverordnung

Ein unverzichtbares Grundlagenbuch
Das erste Trainingshandbuch nach der Zertifizierungsverordnung

Interview mit den Autorinnen Dr. Isabell Lütkehaus und Izabella Pach

von Jürgen Heim

 Autorinnen Dr. Isabell Lütkehaus und Izabella Pach

Seit Inkrafttreten der Zertifizierungsverordnung (ZMediatAusbV) gelten für die Qualifikation als »Zertifizierter Mediator« einheitliche Standards.

Die Präsenz dieser rechtlich geschützten Bezeichnung nimmt seither deutlich zu. Der verbindliche Lehrplan der ZMediatAusbV wird in nahezu jedem Curriculum der unterschiedlichsten Ausbildungsträger aufgenommen.

Damit hat die neue Verordnung ihr Ziel erreicht, potentiellen Mediandinnen und Medianden aussagekräftige Qualitätskriterien über ausgebildete Mediatorinnen und Mediatoren zu schaffen.

Das erste Trainingshandbuch nach den Vorgaben und Standards der Zertifizierungsverordnung (ZMediatAusbV) »Basiswissen der Mediation« bietet allen Auszubildenden sowie den Mediatorinnen und Mediatoren in der Praxis eine unverzichtbare Darstellung zur Einhaltung der verbindlich vorgegebenen Inhalte.

In unserem Interview stellen wir Ihnen die Autorinnen Dr. Isabell Lütkehaus und Izabella Pach mit dem Inhalt dieses unverzichtbaren Grundlagenhandbuchs vor, das bereits in einer zweiten Auflage erscheint.

Jürgen Heim: Fr. Dr. Lütkehaus, Frau Pach, Sie bilden seit vielen Jahren Mediatorinnen und Mediatoren aus. Was war für Sie beide die Motivation, ein Ausbildungsbuch zu verfassen?

Wir spürten bereits seit längerer Zeit den Bedarf nach einem kompakten und umfassenden Lehrbuch zu den zentralen Grundlagen, die für den Beruf der Mediatorin, des Mediators essentiell sind - zur Vorbereitung des Unterrichts sowie für Teilnehmenden als Skript und als Lehrbuch zum Nachlesen des Erlernten. Unser Wunsch nach hoher Qualität der Ausbildung sowie die vergebliche Suche nach entsprechender Literatur haben uns auf die Idee gebracht, selbst ein Buch zu diesem Thema zu verfassen. Aktueller Anlass war dann die neue Gesetzlage, geschaffen durch das Inkrafttreten des Mediationsgesetzes 2012 und den Erlass der Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungsverordnung, ZMediatAusbV) im Jahr 2017.

Ursprünglich dachten wir in erster Linie an ein Buch für Ausbildende, das zugleich als Skript für Ausbildungsteilnehmende dient. Dann aber stellten wir bald fest, dass eine umfassende und klare Darstellung der Ausbildungsinhalte der Verordnung, also sich bereits das gesamte Basiswissen Mediation für ein eigenes Buch eignet. Es also nicht nur für Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Auszubildende, sondern beispielsweise auch für bereits praktizierende Mediatorinnen und Mediatoren interessant und wertvoll. Positive Rückmeldungen von etablierten Kolleginnen und Kollegen bestätigen dies. Sie nutzen unser Buch zur Auffrischung und auch Ergänzung, da manche Ausbildungsinhalte, die durch die ZMediatAusbV nun vorgeschrieben sind, in früheren Ausbildungen noch nicht in diesem Umfang unterrichtet wurden.

 

Welche Auswirkungen haben das Mediationsgesetz und der Lehrplan nach den Standards der ZMediatAusbV für den Beruf der Mediatorin und des Mediators?

Die gesetzlich verankerten Veränderungen wirken sich nicht nur auf das Berufsbild der Mediatorin und des Mediators aus, sondern auch auf die Ausgestaltung der Qualifizierung zum »zertifizierten Mediator«. Der Gesetzgeber beschreibt nun erstmalig Umfang und Inhalte einer Ausbildung; hat die Mindestdauer auf 120 Präsenzstunden festgelegt sowie die Themengebiete zeitlich und inhaltlich definiert. Diese neuen inhaltlichen Standards der ZMediatAusbV schaffen Klarheit und Transparenz für den gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungsrahmen und die inhaltlichen Anforderungen an Ausbildungsinhalte. Für uns war dies der ideale Zeitpunkt, sämtliche Ausbildungsinhalte als Basiswissen der Mediation darzustellen, in einem gut strukturierten, kompakten und den Vorgaben der Zertifizierung entsprechenden Wissenskompendium.

Das Mediationsgesetz legt erstmalig Standards fest, um die Qualität des Verfahrens und den Schutz für die Konfliktbeteiligten sicherzustellen, die mit Hilfe einer Mediatorin oder eines Mediators ihren Konflikt beilegen wollen. Dadurch etabliert es ein teilweises Berufsrecht für alle, die durch eine Mediation führen und zwar unabhängig von einer etwaigen Zertifizierung

Zum anderen beschreibt das Mediationsgesetz die Mindestqualifikation für Mediatorinnen und Mediatoren und schafft erstmalig den »zertifizierten Mediator«, für den weitergehende Vorschriften in Bezug auf Aus- und Fortbildung gelten. Er kann sich - und dies ist ein Novum - selbst zertifizieren, wenn er alle Voraussetzungen erfüllt.

 

Wurden mit den Bestimmungen des Mediationsgesetzes und dem Lehrplan nach den Standards der ZMediatAusbV ein neues Berufsrecht für Mediatorinnen und Mediatoren etabliert?

Nein. Mediationsausübung ist für alle Berufsgruppen offen und bleibt dies auch nach Inkrafttreten des Mediationsgesetzes, da der Gesetzgeber bewusst davon abgesehen hat, für die Mediationstätigkeit ein umfassendes und abschließendes Berufsrecht zu etablieren. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass eine Vielzahl von Mediatorinnen und Mediatoren einen anderen Grundberuf ausübt (z.B. Rechtsanwältin/Rechtsanwalt, Psychologin/Psychologe). Der Gesetzgeber ging davon aus, dass die Vorgaben des jeweiligen Grundberufes alle Lücken schließen, die das Mediationsgesetz offenlässt.

Für den »zertifizierten Mediator« gelten nach den Inhalten des Mediationsgesetzes und der ZMediatAusbV nun weiterführende Vorschriften: Deren Ziel war es, einen Mindeststandard für die Mediationsausbildung zu etablieren, welcher den Anforderungen des komplexen Mediationsverfahrens entspricht und die Qualität des Mediatorberufs sicherstellt.

Nach Mediationsgesetz und der Zertifizierungsverordnung (ZMediatAusbV) verläuft der Weg zum zertifizierten Mediator in folgenden drei Schritten:

  1. Ausbildungslehrgang mit den Inhalten der Ausbildungsverordnung
  2. Mediation eines Falles als Mediator oder Co-Mediator
  3. Einzelsupervision dieses Falles mit Bescheinigung

 

An welche Zielgruppe richtet sich das Grundlagenhandbuch »Basiswissen Mediation» und welchen Nutzen verspricht es den Leserinnen und Lesern?

Unser Buch wendet sich folgende Zielgruppen:

1) An alle vor Erlass der Ausbildungsverordnung qualifizierte Mediatorinnen und Mediatoren. Sie erhalten ein modernes Skript; können ihr Wissen auffrischen und neue Inhalte ergänzen, die in ihrer Ausbildung keinen oder wenig Raum hatten.

2) An alle Interessentinnen, Interessenten, Teilnehmenden von Ausbildungen zum zertifizierten Mediator. Sie können Unterrichtsinhalte nacharbeiten.

3) An alle Ausbilderinnen und Ausbilder, die ein kompaktes Nachschlagewerk als Basis für ihr Ausbildungsskript erhalten.

Die enthaltenen Grundlagenkapitel wie z.B. über Kommunikation und Verhandlungen sind darüber hinaus für alle interessant, die sich beruflich oder privat mit Menschen und dem zwischenmenschlichen Miteinander beschäftigen.

 

Welchen besonderen Zusatznutzen erhalten die Leserinnen und Leser mit diesem Grundlagenhandbuch?

Der Nutzen für die Leserinnen und Leser ist ein schneller, kompakter und gut strukturierter Ein- und Überblick über alle aktuellen Inhalte und Themen nach den Vorgaben der Zertifizierungsverordnung: die Rolle der Kommunikation und die besondere Dynamik in Konflikten, Verhandlungsstrategien sowie Ablauf, Aufgaben, Tools, Techniken und Haltung in einem Mediationsverfahren.

Ergänzt durch Checklisten und Praxistipps für die Mediation selbst wie auch didaktische und methodische Grundlagen für die Mediationsausbildung unterstützt »Basiswissen Mediation« sehr gut bei der eigenen Vorbereitung auf Konfliktvermittlung, der Mediationsausbildung und bei der professionellen Selbstreflexion von frischen und etablierten Mediatorinnen und Mediatoren.

 

 

 Dr. Isabell Lütkehaus

Dr. Isabell Lütkehaus

ist Mediatorin (BM, BAFM), systemische Supervisorin und Coach (DGSv) sowie Rechtsanwältin. Als Mediatorin arbeitet sie mit Teams, Geschäftsführern, Gesellschaftern und Familien. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen in den Bereichen Mediation, Kommunikation, Verhandlungen und Coaching gibt sie als Ausbilderin, Trainerin und Autorin weiter.

 KonsensKanzlei Berlin

 

 Izabella Pach

Izabella Pach

ist zertifizierte Trainerin, Mediatorin, systemischer Coach und Rechtsanwältin. Sie ist als Ausbilderin für Mediation und systemisches Coaching tätig und begleitet Unternehmen, Teams und Einzelpersonen bei Konfliktklärung und Potentialentfaltung.

Raum für Kommunikation

 

 

Literaturempfehlung 
Lütkehaus, Pach: Basiswissen Mediation
Lütkehaus, Pach

Handbuch für Praxis und Ausbildung

Details
39,99 €incl. MwSt.
Broschiert, 210 Seiten, 2. Auflage, im Februar 2020 erschienen