Expertenstimmen zur neuen Zertifizierungsverordnung (ZMediatAusbV): RA Jutta Hohmann

Zertifizierung
Expertenstimmen zur neuen Zertifizierungsverordnung (ZMediatAusbV): RA Jutta Hohmann

Mediation aktuell im Gespräch mit einer renommierten Expertin aus Berlin

RA Jutta Hohmann

Die neue Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (ZMediatAusbV) – erlassen vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) – steht weiterhin im Fokus zahlreicher Veranstaltungen und Diskussionen.

ZMediatAusbV vom 21. August 2016 (PDF im Wortlaut)

Wie wird die Verordnung von Mediator(inn)en, Ausbilder(inne)n, Güterichter(inne)n oder Rechtsanwält(inn)en bewertet?

Mediation aktuell im Gespräch mit renommierten ExpertInnen der Mediation zur Bewertung der Verordnung aus unterschiedlichen Perspektiven: Heute mit Jutta Hohmann, Berlin, Rechtsanwältin und Notarin a.D. Fachanwältin für Familienrecht Mediatorin BAFM®, BM®, SDM und vorm. langjähriger Vorstand des Bundesverbandes Mediation (BM).


Mediation aktuell: Frau Hohmann, Sie verfolgen die Entwicklungen auf dem Markt der Mediation besonders intensiv. Enthielt die veröffentliche Verordnung Überraschungen für Sie?

Jutta Hohmann: Die eigentliche Überraschung war, dass die Verordnung überhaupt in Kraft getreten ist. Damit hatte kaum jemand nach dem langen Zeitraum des Inkrafttretens des Mediationsgesetzes im Juli 2012 gerechnet.

Unerwartet war insbesondere das Erfordernis, dass der zertifizierte Mediator jeden der vier Mediationsfälle in Einzelsupervision vorzustellen hat, und dass diese Regelung nach § 4 ZMediatAusbV auch für diejenigen Mediatoren gilt, die ihre Ausbildung vor dem 26.7.2012 abgeschlossen haben.

Die drei sog. B-Verbände (BAFM, BM und BMWA) haben seit jeher in ihren Ausbildungsrichtlinien vorgesehen, dass für die Anerkennung als Mediator vier Mediationsfälle in der Supervision vorgestellt werden müssen, wobei mindestens dreißig Stunden Supervision nachgewiesen werden müssen. Hierbei wird den Mediatoren freigestellt, ob sie Einzel- oder Gruppensupervision wählen. Hierauf hätte der Verordnungsgeber ebenfalls zumindest  für die Altfälle abstellen sollen.


Mediation aktuell: Welche Änderungen fallen Ihnen positiv auf?

Jutta Hohmann: Sehr zu begrüßen ist die Fortbildungsverpflichtung der §§ 3 und 4 der ZMediatAusbV für zertifizierte Mediatoren.

 

Mediation aktuell: Gibt es aus Ihrer Sicht noch offene Punkte oder Fragen, für die Sie sich gerne eine Regelung gewünscht hätten? Entweder vom Verordnungsgeber oder/und von den Berufsverbänden?

Jutta Hohmann: Gewünscht hätte ich mir eine Zertifizierungsstelle. Das zentrale Problem des Mediationsgesetzes und der Zertifizierungsverordnung sehe ich darin, dass eine derartige Stelle –bewusst- nicht vorgesehen ist. Und dies obwohl in der Expertenrunde im Gesetzgebungsverfahren zum Mediationsgesetz, deren Mitglied ich war, immer wieder auf die Notwendigkeit einer derartigen Stelle hingewiesen worden ist.

So findet nunmehr eine »Selbstzertifizierung« statt, d.h. der Mediator kann selbst überprüfen, ob er die Voraussetzungen für einen zertifizierten Mediator erfüllt. Damit werden falsche Vorstellungen bei Mediationsklienten erzeugt. Nach allgemeiner Sprachregelung suggeriert  der Begriff des zertifizierten Mediators, dass eine kompetente Stelle bestimmte Qualitätskriterien überprüft hat. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Es besteht jedoch die Hoffnung, dass die Verbände, die sich mit diesem Thema beschäftigen, eine derartige privatrechtliche Zertifizierungsstelle schaffen.

 

Mediation aktuell: Bewerten Sie die Zertifizierungsangebote der Verbände, wie beispielsweise des Bundesverbandes Mediation (BM) als Konkurrenzleistungen oder empfehlenswerte Alternativen zur Vertiefung der eigenen Expertise?

Jutta Hohmann: Ziel der Zertifizierungsverordnung war es, lediglich Mindeststandards für MediatorInnen zu schaffen. Der Umfang des Ausbildungslehrgangs beträgt mindestens 120 Präsenzzeitstunden. Hierbei handelt es sich um einen Kompromiss der Verbände, der zwischen deren Vertreter erzielt worden ist, die als Mitglieder der Expertenrunde im Gesetzgebungsverfahren zum Mediationsgesetz teilgenommen hatten.

Der Bundesverband Mediation (BM) setzt für die Lizensierung beispielsweise eine 200-Stunden-Ausbildung voraus. Im Gegensatz zu der Zertifizierungsverordnung fehlen in den Ausbildungsrichtlinien der meisten Mediationsverbände eine Verpflichtung zur Fortbildung. Aus diesem Grunde hat der Bundesverband Mediation bereits in der letzten Mitgliederversammlung im Herbst 2016 beschlossen, dass die Ausbildungsrichtlinien diesbezüglich ergänzt werden.

 

Mediation aktuell: Wird die Zertifizierungsverordnung Auswirkungen auf den Mediationsmarkt und die Qualität der angebotenen Mediationsleistungen haben? Ihre Prognose?

Jutta Hohmann: Positive Auswirkungen auf den Mediationsmarkt wird die Zertifizierungsverordnung dann haben, wenn es den maßgeblichen Mediationsverbänden bzw. den Verbänden, die sich mit dem Thema beschäftigen, gelingt eine Zertifizierungsstelle zu schaffen.

Hier bin ich optimistisch.

Mediation aktuell: Frau Hohmann herzlichen Dank für das Gespräch.

(Das Interview führte Jürgen G. Heim, Redaktion Mediation aktuell) 



Informationen zu unserer Gesprächpartnerin:

Jutta Hohmann, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht, Notarin und Mediatorin BAFM®, BM®, SDM, Ausbilderin Mediation BM®

(Erste persönliche Erfahrungen mit Mediation 1986 während der Vorbereitungsarbeiten für das Mediationsverfahren zwischen den Misquito-Indianern und der Regierung Nicaraguas unter Vermittlung der Moravischen Kirche. 1994/1995 Ausbildung zur Familienmediatorin im Eidos Projekt Mediation, München und Zusatzausbildung in anderen Bereichen (Wirtschaft u.a.) der Mediation bei Prof. Dr. John Haynes, New York. Als Mediatorin von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation (BAFM), dem Bundesverband Mediation (BM) und dem Schweizer Dachverband Mediation (SDM) anerkannt.

Vorstandsmitglied des Bundesverbandes für Mediation e.V. (BM) 2005 bis 2013 und Erste Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes für Mediation e.V. (BM)  2007 bis 2013. Mitglied der Expertenkommission zur Vorbereitung der Gesetzgebungsarbeiten für ein Mediationsgesetz bei dem Bundesministerium der Justiz der Bundesrepublik Deutschland 2008 bis 2011.)


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