Finanzierungshilfen und Stipendien für Fort- und Weiterbildung

Weiterbildung und die Kosten
Finanzierungshilfen und Stipendien für Fort- und Weiterbildung

Übersicht 2017 über Förderprogramme von Bund und Ländern

von Jürgen G. Heim

Weiterbildung und die Kosten

Fort- und Weiterbildung sind entscheidend für die Perspektiven und Aufstiegschancen jedes Einzelnen, für den Erfolg der wirtschaftlichen Dynamik und für die Zukunft der Gesellschaft.

Die Bereitschaft zu Lebenslangem Lernen zählt mittlerweile zu den Kernanforderungen der gesamten Arbeitswelt. Die Finanzierungsfrage spielt bei der Entscheidung für eine Fort- oder Weiterbildung eine maßgebliche Rolle, denn die Kosten für Lehrgangsangebote und Abschlüsse können stark variieren.

Zur verstärkten Erschließung dieser wichtigen Ressource »Bildung« beteiligen sich Bund und Länder mit zahlreichen Programmen an den Kosten für berufliche Fort- und Weiterbildungen.

Einen aktuellen Überblick 2017 über Prämiengutscheine, Weiterbildungssparen, Stipendien und Bildungsschecks von Bund und Ländern erhalten Sie hier:

 

1. Prämiengutschein

Seit 2008 unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Erwerbstätige, die sich ihre Chancen im Beruf durch Weiterbildung verbessern möchten – vor allem für diejenigen, die aufgrund ihres Einkommens bislang die Kosten einer Weiterbildung nicht ohne weiteres tragen konnten. Mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds konnten durch die Bildungsprämie mittlerweile fast eine Viertel Million Weiterbildungen gefördert werden.

Einen Prämiengutschein erhalten Weiterbildungsinteressierte, die erwerbstätig sind und deren zu versteuerndes Jahreseinkommen 20.000 beziehungsweise 40.000 Euro nicht übersteigt. Auch Mütter und Väter in Elternzeit oder Personen in Pflegezeit können einen Prämiengutschein bekommen. Der Bund fördert Erwerbstätige, die das 25. Lebensjahr vollendet haben und mindestens 15
Stunden pro Woche erwerbstätig sind durch die Übernahme von 50 Prozent der Veranstaltungsgebühr für Maßnahmen, die maximal 1.000 Euro kosten.

Interessierte müssen sich vorab in einer der bundesweit verteilten 530 Beratungsstellen über die individuellen Voraussetzungen zum Prämiengutschein beraten lassen.

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2. Weiterbildungssparen

Mit dem »Weiterbildungssparen« wird im Vermögensbildungsgesetz (5. VermBG) eine Entnahme aus dem angesparten Guthaben erlaubt, um Weiterbildung zu finanzieren – auch wenn die Sperrfrist noch nicht abgelaufen ist. Die Arbeitnehmersparzulage geht dabei nicht verloren. Damit können an Weiterbildung Interessierte aufwändigere und oftmals langfristigere Weiterbildungen leichter finanzieren. Mit den Beraterinnen und Beratern kann überlegt werden, welche Weiterbildung den Fähigkeiten und beruflichen Wünschen am ehesten entspricht und wer einen Spargutschein erhält. Mit dem Finanzdienstleister (Bausparkasse, Bank oder Versicherung) werden die finanziellen Details besprochen.

Beide Komponenten können miteinander kombiniert werden, das heißt Erwerbstätige können, wenn sie alle Voraussetzungen erfüllen, einen Prämiengutschein erhalten und die verbleibenden Kosten beispielsweise über das Weiterbildungssparen (Spargutschein) finanzieren.

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3. Aufstiegsstipendium

Die Aufstiegsstipendien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) richten sich an Frauen und Männer in Deutschland, die in Ausbildung und Beruf hoch motiviert und besonders talentiert sind. Die Stipendien geben einen zusätzlichen Anreiz zur Aufnahme eines Studiums und eine attraktive Perspektive für deren Berufsweg. Sie unterstützen ihre weitere Qualifizierung und fördern Aufstieg durch Bildung. Die Aufstiegsstipendien ergänzen die bestehende Begabtenförderung in der beruflichen Bildung und im Hochschulbereich. Außergewöhnliche Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft in Schule, Studium und Beruf werden damit gleichermaßen anerkannt und gefördert.

Für Studierende im Vollzeitstudium beträgt das Stipendium monatlich 750 Euro. Zusätzlich wird eine Betreuungspauschale für Kinder gewährt. Die Förderung erfolgt einkommensunabhängig und für die gesamte Dauer des Studiums. Studierende in einem berufsbegleitenden Studiengang erhalten jährlich 2.000 Euro.

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Voraussetzungen

 

4. Weiterbildungsstipendium

Dieses Weiterbildungsstipendium ermöglicht Absolventinnen und Absolventen beruflicher Ausbildungen drei Jahre lang die Finanzierung fachlicher oder fachübergreifender Weiterbildungsmaßnahmen. Damit fördert das BMBF junge Fachkräfte dabei, sich in ihrem Beruf durch Weiterbildung zu qualifizieren und neue berufliche Möglichkeiten bis hin zur Selbständigkeit zu entdecken.

Das Weiterbildungsstipendien werden seit seinem Start im Jahre 1991 jährlich etwa 6000mal vergeben. Für jeden Stipendiaten stehen Fördermittel von bis zu 2.000 Euro pro Jahr zur Verfügung - bei einer Selbstbeteiligung in Höhe von 10 Prozent je Maßnahme.

Das Weiterbildungsstipendium basiert auf einer öffentlich-privaten Partnerschaft: Das BMBF hat die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (sbb) mit der bundesweiten Durchführung beauftragt. Gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks, dem Bundesverband der Freien Berufe tragen knapp 300 für die Berufsausbildung zuständigen Stellen und Kammern zum erfolgreichen Gelingen des Stipendiums bei.

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Voraussetzungen

 

5. Förderprogramm WeGebAU

Gering qualifizierte und ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tragen das mit Abstand größte Arbeitsmarktrisiko, ihre Beteiligung an Weiterbildung ist dennoch gering. Seit 2006 stehen zur Unterstützung der Qualifizierungsförderung von Beschäftigten im Rahmen eines speziellen Programms zusätzliche Mittel im Haushalt für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung.

Zielgruppe dieses Programms sind geringqualifizierte Beschäftigte und Beschäftigte in kleinen und mittleren Unternehmen. Die Förderung soll dabei deren Anschubfinanzierung für die Weiterbildung darstellen. Gefördert werden können Personen, die von ihren Arbeitgebern für die Dauer einer Qualifizierung unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts freigestellt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann dem Arbeitgeber ein Arbeitsentgeltzuschuss gewährt werden.
Der Arbeitnehmerin/ dem Arbeitnehmer können die notwendigen Lehrgangskosten ganz oder teilweise erstattet werden. Darüber hinaus kann ein Zuschuss zu den zusätzlich entstehenden übrigen Weiterbildungskosten (z. B. Fahrkosten) gewährt werden.

Bei Beschäftigten in kleineren und mittleren Unternehmen übernehmen die Agenturen für Arbeit ab dem 01.04.2012 die Lehrgangskosten nur noch teilweise:
• Bei Beschäftigten, die das 45. Lebensjahr vollendet haben, tragen die Agenturen für Arbeit bis zu 75% der Lehrgangskosten. Die verbleibenden Kosten sind vom Betrieb und/ oder der Arbeitnehmerin/ dem Arbeitnehmer zu tragen.
• Bei jüngeren Beschäftigten ist eine Förderung nur möglich, wenn der Betrieb mindestens 50% der Lehrgangskosten übernimmt.

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten für die Förderung einen Bildungsgutschein. Damit können sie unter zugelassenen Weiterbildungsangeboten wählen. Auf die Ausstellung eines Bildungsgutscheins kann verzichtet werden, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmerin/ Arbeitnehmer damit einverstanden sind.

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Merkblätter

 

6. Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit

Der Bildungsgutschein ist eine schriftliche Zusage der Bundesagentur für Arbeit, dass die Teilnahme an der Weiterbildung gefördert wird. Nicht nur die Kosten für die Weiterbildung, sondern auch Fahrtkosten, Kosten für auswärtige Unterbringung und Verpflegung sowie Kosten für die Betreuung von Kindern können unter bestimmten Bedingungen übernommen werden. Auf diese Förderung der beruflichen Weiterbildung besteht kein Rechtsanspruch. Es handelt sich vielmehr um eine so genannte Kann-Leistung, deren Gewährung im Ermessen der Behörde liegt.

Der Bildungsgutschein ist an bestimmte Bedingungen gekoppelt: Die Weiterbildung kann nicht gefördert werden, wenn der/die Teilnehmer/-in eine Stelle hat und lediglich ein neues Berufsfeld kennen lernen möchte. Sie muss vielmehr notwendig sein, um einen arbeitslosen Teilnehmer wieder beruflich einzugliedern oder um eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. In der Regel muss entweder eine Berufsausbildung abgeschlossen oder drei Jahre eine berufliche Tätigkeit ausgeübt worden sein. Eine weitere Voraussetzung ist, dass sich Teilnehmer vor Beginn der Teilnahme von der zuständigen Agentur für Arbeit am Wohnort beraten lassen. Und: Die Maßnahme und der Träger der Maßnahme müssen für die Förderung zugelassen sein.

Der Bildungsgutschein ist nur drei Monate gültig. Das bedeutet, innerhalb von drei Monaten, muß man sich für ein Lehrangebot bei einem Bildungsträger, der für die Förderung zugelassen ist, entscheiden. Bei der Suche hilft die Agentur für Arbeit, die auch detaillierte Beratungsangebote bietet.

 

Bildungsprämie

 

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7. Finanzierungsprogramme der Länder

In den meisten Bundesländern gibt es neben der Finanzierung von Weiterbildungsmassnahmen gesetzliche Regelungen zu Bildungsurlaub oder Bildungsfreistellung. Sie ermöglichen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sich für eine bestimmte Zeit von ihrer Berufstätigkeit freistellen zu lassen, um an Weiterbildung teilzunehmen. In der nachfolgenden Übersicht werden einige Beispiele der Länderprogramme dargestellt.

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8. Gesamtübersicht 2017

Die folgende Übersicht enthält neben den Angeboten des Bundes (1. – 6.) Beispiele für bestehende Förderungsmöglichkeiten aller Bundesländer für eine Weiterbildung. Es besteht kein Rechtsanspruch auf Förderleistungen; die Gewährung erfolgt nur nach persönlicher Beratung. Die Angaben sind den online veröffentlichten Informationen der jeweiligen Bundesländer entnommen.

© J.G. Heim, Redaktion Mediation aktuell, Wolfgang Metzner Verlag



LeistungsstelleFörderungAntragsberechtigteUmfang / Höhe

Bundesagentur für Arbeit

Finanzierungsprogramm
(WeGeBo)

Geringqualifizierte Beschäftigte und Beschäftigte in kleinen und mittleren Unternehmen

Bis zu 75 % der Lehrgangskosten sowie Zuschüsse zu den übrigen Weiterbildungskosten (z.B. Fahrtkosten) bei Personen ab dem 46. Lebensjahr

Bundesagentur für Arbeit

Bildungsgutschein

Überprüfung der individuellen Voraussetzungen zum Abbau von Qualifikationsdefiziten erfolgt durch eingehende Beratungen der Agentur für Arbeit

Lehrgangskosten, Fahrtkosten, Kosten für die auswärtige Unterbringung und Verpflegung sowie für die Betreuung von Kindern

Bundesagentur für Arbeit

Bildungsprämie

Erwerbstätige (mind. 15 Std./Woche & Jahreseinkommen bis 20.000 € bzw. 40.000 € bei gemeinsamer Veranlagung) oder Arbeitnehmer, Selbstständige mit aufstockende Leistung nach SGB II

50 % der Kurskosten und Prüfungsgebühren
(max. 500 €)

Baden-Württemberg

Förderprogramm für Fachkurse

Beschäftigte aus kl. und mittl. Unternehmen, Unternehmer, Freiberufler, Wiedereinsteiger, Ausbilder

30 % Zuschuss zur Teilnahmegebühr

Bayern

Förderung beruflicher Weiterbildung

Erwerbstätige aus kl. und mittl. Unternehmen

30 % Zuschuss zur Teilnahmegebühr

Berlin

Bildungsurlaub

Berliner Arbeitnehmer/innen und Auszubildende

Bezahlter Bildungsurlaub (max. 10 Arbeitstage innerhalb 2 aufeinander folgender Jahre)

Brandenburg

Bildungsscheck

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hauptwohnsitz in Brandenburg

70 % Zuschuss zur Kursgebühr (Erstattung nach Kursende)

Bremen

Bremer Weiterbildungsscheck

Bremer Arbeitnehmer, Selbstständige, Arbeitssuchende mit max. 25.600 € Jahreseinkommen

50 % der Kurskosten
(max. 500 €)

Hamburg

Bildungsurlaub

Hamburger Arbeitnehmer/innen und Auszubildende

Bezahlter Bildungsurlaub (max. 10 Arbeitstage innerhalb 2 aufeinander folgender Jahre)

Hessen

Qualifizierungsscheck

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hauptwohnsitz in Hessen aus kl. und mittl. Unternehmen (ohne berufl. Abschluss oder älter als 45 Jahre oder Teilzeit bis zu 30 Std./Wo)

50 % der Kurskosten
(max. 500 €)

Mecklenburg-Vorpommern

Bildungsurlaub

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hauptwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern

Bezahlter Bildungsurlaub (max. 5 Arbeitstage innerhalb 2 aufeinander folgender Jahre)

Niedersachsen

Förderung beruflicher Weiterbildung

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus Niedersachsen aus kl. und mittl. Unternehmen mit Sitz/ Betriebsstätte in Niedersachsen

Max. 50 % der Kurskosten und Prüfungsgebühren
(Neu: Förderungsmittel für Unternehmen)

Nordrhein-Westfalen

Bildungsscheck

Beschäftigte mit Wohnsitz in NRW und kl. und mittl. Unternehmen in NRW mit max. 250 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

50 % der Kurskosten und Prüfungsgebühren
(max. 500 €)

Rheinland-Pfalz

Bildungsgutscheine (QualiScheck) 2017

Arbeitnehmer/innen, Kleinunternehmer, Freiberufler, Angestellte öff. Dienst mit Wohnsitz in Rheinland-Pfalz

50 % der Kurskosten und Prüfungsgebühren
(max. 500 €, Erstattung nach Kursende)

Saarland

Bildungsurlaub

Im Saarland Beschäftigte, Beamte, Richter/innen und Auszubildende

Bildungsurlaub (jährl. max. 6 Arbeitstage) mit Lohnfortzahlung für höchstens 3 Arbeitstage

Sachsen

Bildungsscheck

In Sachsen Beschäftigte (Teil-/Vollzeit, Leiharbeiter und über 50 Jahre) oder Arbeitssuchende

Max. 50 % der Kurskosten bei mtl. Einkommen bis zu 4.150 € oder bis max. 80 % bei mtl. Einkommen bis zu 2.500 € oder arbeitssuchend

Sachsen-Anhalt

Weiterbildungsscheck und Bildungsurlaub

In Sachsen-Anhalt Beschäftigte, Auszubildende

Bis 80% der Kosten
Bezahlter Bildungsurlaub (max. 5 Arbeitstage innerhalb 2 aufeinander folgender Jahre)

Schleswig-Holstein

Förderung beruflicher Weiterbildung - Weiterbildungsbonus

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hauptwohnsitz in Schleswig-Holstein aus kl. und mittl. Unternehmen mit Sitz/Betriebsstätte in Schleswig-Holstein

100 % der Kurskosten, falls Unternehmen freistellt; sonst 50 % (Kurs mind. 16 Std. und max. 400 Std. und Kursträger in Schleswig-Holstein) bis max. 2.000 €)

Thüringen

Förderung beruflicher Weiterbildung

 

(Weitere Informationen über Fördermöglichkeiten in Thürigen)

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hauptwohnsitz in Thüringen mit Jahreseinkommen zw. 20.000 und 40.000 € (bei Ehepaaren zwischen 40.000 und 80.000 €)

50 % der Kurskosten
(max. 1.000 €) oder 70 % bei Personen ab dem 45. Lebensjahr und Personen nach Eltern-/Pflegezeitzeit oder mit Nachqualifizierung


© J.G. Heim, Redaktion Mediation aktuell, Wolfgang Metzner Verlag - Stand: 02/2017