»Gefühle in der Mediation«

Veranstaltungen – Rückschau
»Gefühle in der Mediation«

Fachtagung der BAFM am 18. und 19.11.2016 (Nürnberg)

Interview mit der BAFM-Geschäftsführerin Swetlana von Bismarck

»Gefühle in der Mediation«

Unter dem Leitthema »Gefühle in der Mediation« veranstaltete die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation (BAFM) am 18. und 19.11.2016 in Nürnberg ihre bundesweite Fachtagung 2016.

Wir konnten dazu der Geschäftsführerin der BAFM, der Berliner Mediatorin Swetlana von Bismarck, einige Fragen stellen.

Redaktion: Frau von Bismarck, warum stellte die BAFM das Thema »Gefühle in der Mediation« in den Mittelpunkt ihrer Fachtagung 2016?

Von Bismarck: Auf unserem letzten Fachtag in Hamburg 2015 beschäftigten wir uns unter dem Motto »Familienmediation ist mehr …« mit den Feldern außerhalb der Familienmediation. In Jahr 2016 sollte deshalb - so die gemeinsame Überlegung der von uns anerkannten Ausbildungsinstitute - die Schau nach innen eine größere Rolle spielen: Es ging 2016 um die Vertiefung unserer Arbeit: Was müssen wir auf unserem ganz eigenen Feld weiter erforschen? Wie können wir an der Kompetenz des Familienmediators weiter arbeiten?

Die mitunter starken Emotionen der Medianden verunsichern auch uns Familienmediatoren. Mediation ist keine Therapie. Arbeiten wir als Mediatoren mit einem juristischen Grundberuf fühlen wir uns zu Recht nicht kompetent, um auf der Gefühlsebene  zu arbeiten. Wir wollen zwar auf der Sachebene bleiben und sind doch immer wieder mit den starken Gefühlen der Medianden, aber auch unseren eigenen Emotionen konfrontiert.

Bewußte oder unbewußte Gefühle beeinflussen also unsere »sachliche« Arbeit. Sie müssen »auf den Tisch«, zeigen dabei ihr großes Potenzial und können eine wichtige Ressource für die Verhandlungen sein.

Wichtig sind uns auch die Fragen: Wie sieht es mit Gefühlen aus, die aus tiefgreifenden Verletzungen resultieren, mit Gefühlen, die der Mediand nicht mehr bewußt wahrnimmt, weil sich Körper und Seele schützen. Wie erkennen wir ein mögliches Trauma, wie gehen wir damit um?

Redaktion: An welche Zielgruppen und deren erfolgreiche Arbeit richtete sich diese Tagung?

Von Bismarck: Der Fachtag der BAFM war für unsere Mitglieder eine willkommene Gelegenheit, sich einmal im Jahr mit Kolleginnen und Kollegen zu treffen, sich auszutauschen, sich zu vernetzen, Inspirationen zu erhalten, aber auch, um ein »Wir-Gefühl« als Verband zu entwickeln.

Wir freuten uns auch ganz besonders über Gäste, die an unserer Mitgliederversammlung teilnehmen konnten: Sie bereicherten uns mit ihrem Fachwissen  und konnten uns mit ihren Fragen wachrütteln. Seit vielen Jahren ist uns die Kooperation mit anderen Mediationsverbänden bzw. mit anderen Verbänden für psychosoziale Fragen sehr wichtig.

Der Fachtag richtete sich an in erster Linie an Familienmediatoren, aber auch an alle, die vermeintlich nur selten mit den Emotionen ihrer Klienten konfrontiert sind. Ebenso an Juristen und Mediatoren ohne soziale oder psychologischen Grundausbildung, für die Emotionen möglicherweise unangenehm sind, die sie ratlos machen, die sie deshalb gern aussen vor lassen wollen.

Und wir luden auch Menschen mit besonderen Fachkenntnissen und Erfahrungen auf dem Gebiet der Emotionen ein, um von ihnen zu lernen.

Redaktion: Welche Schwerpunkte setzten die Referenten? Worin lag ihre Expertise?

Von Bismarck: Ein Schwerpunkt lag sicherlich auf dem Thema »Trauma«: Prof. Dr. Roland Proksch (ISKA Nürnberg), der für uns den Fachtag in Nürnberg organisierte, hatet für den Hauptvortrag und einen Workshop den ärztlichen Psychotherapeut und Supervisor  für spezielle Psychotraumatologie Dr. Helmut Rießbeck mit seinem Thema »Trauma und Familie - die Langzeitwirkungen traumatischer Erlebnisse« gewinnen können.

Wir wollten aber nicht nur die Gefühle unserer Medianden verstehen lernen, sondern uns auch über die eigenen Emotionen bewußt werden. So berichteten Dr. Hans-Georg Mähler und Dr. Gisela Mähler, die uns oft einen großen Schritt in der Mediation voraus sind, über den neuen Ansatz des Vordenkers und Urgesteins Gary Friedman »Inside-Out« und seiner Thematik: Wie steuern wir als MediatorInnen mit unseren Empfindungen, Gefühlen, Einstellungen und Vorurteilen den Prozess?

Cornelia Sabine Thomsen arbeitete als Trainerin von »mediationsanaloger Supervision« über die Wahrnehmung unserer Gefühle in der Supervision mit uns und Walter H. Letzel stellte die Fragen zum Scheitern (in) der Mediation.

Wir können von den Gefühlen unserer Medianden lernen, wenn wir uns intensiv auf ihre Körpersprache einlassen. Die erfahrene Mediatorin, Kommunikationswissenschaftlerin und BAFM-Ausbilderin Katja Degenhardt half uns, die nonverbalen Signale und die Körpersprache wahrzunehmen und für den Mediationsprozess nutzbar zu machen.

Ein anderer Ansatz, der Gefühle ins Bewusstsein heben kann, stand im Mittelpunkt der Arbeit mit hypnotischen Techniken, die uns Sebastian Prüfer als Diplom-Psychologe und Mediator vorstellte. Und schließlich lenkten Diplom-Psychologe Frank Glowitz und seine langjährige Comediatorin Dr. Isabell Lütkehaus unseren Blick auf den Abschied und die Trennungsphasen, die mit all ihren Gefühlen jede Trennungs-und Scheidungsmediation begleiten.

Redaktion: Hatten Sie eine persönliche Empfehlung?

Von Bismarck: Da mir die Organisation vor Ort etwas Zeit ließ, besuchte ich den Workshop von Sebastian Prüfer »Emotionen und Trancen in der Mediation. Ein Ausflug in hypnotische Gefilde mediativer Arbeit.« Das Thema interessierte mich schon allein deswegen, weil ich mir zunächst noch nicht vorstellen konnte, was sich dahinter verbirgt. Und ich fragte mich, wie man mit dem Auftrag »Mediation« so tief in das Seelenleben der Klienten einsteigen soll.

Auch die Arbeit mit Traumatisierungen fand ich spannend, weil ich eine große Verantwortung sehe, die Medianden vor möglichen Retraumatisierungen zu bewahren. In meiner Mediationspraxis bin ich vor allem damit konfrontiert, dass sich meine Medianden noch in unterschiedlichen Trennungsphasen befinden. So muss ich immer wieder versuchen, Ihnen auf unterschiedliche Weise zu ihrer Arbeitsfähigkeit in der Mediation zu verhelfen.

Als Geschäftsführerin freute ich mich vor allem über die vielen Mitglieder und Besucher, ihre Kompetenz und Erfahrungen, ihre Gedanken und Fragen. Sie alle trugen zu dem so wichtigen, gemeinsamen Austausch bei.

Redaktion: Liebe Frau von Bismarck, liebe Swetlana wir danken für dieses Gespräch.

 

Weitere Informationen zum Programm 2016 erhalten Sie hier noch einmal:

Programm-Flyer BAFM-Fachtag 2016