»Grenzen – eigene und andere?« - Das Editorial der SdM 74

Die führende Fachzeitschrift
»Grenzen – eigene und andere?« - Das Editorial der SdM 74

in der Winterausgabe von »Spektrum der Mediation« 2018

von Jürgen Heim

Jürgen Heim Chefredakteur SdM

Wo liegen die Grenzen der Mediation? Reflektieren wir als mediierende Beraterinnen und Berater unsere eigenen Grenzen und wie erweitern wir zugleich die Möglichkeiten der Konfliktfelder, auf die wir Einfluss nehmen können?

Die Winterausgabe SdM 74 von »Spektrum der Mediation« fokussiert dieses Leitthema mit spannenden Beiträgen aus Wissenschaft und Praxis. Mehr dazu im Editorial:

»…

Liebe Leserinnen und Leser,

unser Leitthema erinnert mich an die Grenzziehung des Philosophen Ludwig Wittgenstein: Für ihn sind Sprache und Denken unauflösbar miteinander verbunden. Also müsse das Denken – wie beispielsweise die Philosophie – in erster Linie Sprachanalyse sein. Probleme (und damit Konflikte) lassen sich nur lösen, wenn man die Sprache und ihre Funktionsweise versteht. Grenzen sieht und zieht er dort, wo die Sprache die Logik ihrer Verbindungen in der Wirklichkeit nicht mehr abbilden kann. Sein berühmter Schlusssatz: »Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.« hat auch für unsere beratenden, mediativen Tätigkeiten Bedeutung.

Wo liegen die Grenzen der Mediation? Sollen diese Grenzen begrenzt werden? Diesen Fragen gehen unsere HeftpatInnen Katty Nöllenburg und Dr. Wilfried Kerntke nach (S. 9). Auf die Notwendigkeit von Grenzen und Abstand, auf die Regulierung von Nähe und Distanz in der Mediation weist Prof. Dr. Alexander Redlich hin (S. 10). Katty Nöllenburg und Thomas Fickel untersuchen Mediationsgrenzen bei Diskriminierungen gegenüber Religionsausübungen. Sie stellen die Frage: Können die Grenzen der klassischen, mediativen Praxis für erfolgreiche Lösungen überschritten werden (S. 14)?

Scham und damit verbundene Schuldgefühle berühren MediatorInnen ebenso wie das Mediandensystem. Dr. Harald Pühl mahnt daher, den Blick für grenzüberschreitende Beschämungen offen zu halten (S. 18). Astrid Wichman fokussiert den Blick auf Menschen mit Traumatisierungen: Ihre eingeschränkte Wahrnehmung verhindert den vollen Zugang zu persönlichen Ressourcen. Dies sollten MediatorInnen erkennen und zu geeigneten Hilfen oder Alternativen ermutigen (S. 22).

Kommen MediatorInnen aus unterschiedlichen Kultur- oder Berufskreisen, wird ihnen vorschnell eine fremde Rolle unterstellt. Dies kann Mediationsprozesse durchaus erschweren. Beram Mahmoud hat bekannte ExpertInnen nach ihren Strategien gegen derartige Begrenzungen befragt (S. 25). Mediation ist kein Allheilmittel betont Susanne Fest. Sie demonstriert, wie das Potenzial des Verfahrens ausgeschöpft und zugleich Grenzen beachtet werden können (S. 28).

Monia Ben Larbi verwendet das Bild von SlacklinerInnen für den »Grenztanz« in Mediationen zwischen Komfort und Panik (S. 32). Der Umgang mit körperlichen Phänomenen wird unter dem Begriff »Embodiment« in Beratungsberufen intensiv diskutiert: Carla van Kaldenkerken interviewt dazu einen renommierten Experten (S. 35).

In unserer Sonderserie vergleicht der Münchner Konfliktforscher Dr. Karl Kreuser die Mediation mit den innovativen Maximen der Agilität – insbesondere Scrum - und erkennt Parallelen im agilen Konfliktmanagement. Einen Praxisfall über eskalierte Teamkonflikte stellt Dr. Bettina Janssen vor: Nicht immer ist die Teammediation das geeignete Mittel für eine nachhaltige Lösung (S. 39). In unserer Serie »Lernen von den MeisterInnen« konnten Christoph C. Paul und Sybille Kiesewetter eine Pionierin der Mediation Jutta Lack-Strecker zur Supervision befragen (S. 43). Über die Entwicklung der Mediation in Belarus, der Ukraine und in Polen berichten Dagmar Lägler und Swetlana von Bismarck (S. 46).

An das Vermächtnis des verstorbenen Konfliktforschers Prof. Dr. Peter Heintel erinnern die Münchener Mediationsexperten Dres. Gisela und Hans-Georg Mähler (S. 49).

Kommen Sie, liebe LeserInnen, mitunter zu schnell an Ihre Grenzen? Dann lassen Sie sich vom schwedischen Regisseur Ingmar Bergmann ermuntern: »Es gibt keine Grenzen. Weder für Gedanken, noch für Gefühle. Es ist die Angst, die immer Grenzen setzt.«

Es grüßt Sie herzlich.

Jürgen Heim

Chefredakteur

 

PS: Denken Sie an Ihre Weiterbildung im kommenden Jahr? Erweitern Sie Ihre Wissensgrenzen mit der Lektüre von Büchern und anderen Medien. Sie fördern und unterstützen damit Ihre Expertise -und finden vielleicht ein kleines Weihnachtsgeschenk.

Das Jahr 2019 steht mit spannenden Themen und neuen Herausforderungen bereit. Ich wünsche Ihnen jetzt schon grenzenlose Lernfreuden.

…«

 

Produktempfehlung 
Herausgegeben vom Bundesverband Mediation e. V.: Spektrum der Mediation Heft 74

Grenzen - eigene und andere

Details
12,00 €incl. MwSt.
Im Dezember 2018 erschienen