Industrie 4.0 – ein Changeprozess

3. Konferenz der Gesellschaft für Systemdesign
Industrie 4.0 – ein Changeprozess

Wo liegen die Chancen für Berater und Mediatoren?
Keynotevortrag Dipl.-Ing. (FH), Johann Hofmann bei der GRUNDIG AKADEMIE in Nürnberg

(Bericht Teil 1)

Dipl.-Ing. Johann Hofmann Industrie 4.0 bei der GRUNDIG AKADEMIE in Nürnberg

 

 

 

Was versteht man unter dem Begriff »Industrie 4.0«? Kommen auf die Unternehmen und ihre Personalabteilungen gravierende Veränderungen zu?

Welche Komponenten zählen dazu und welche Folgen hat dies für das Management und seine Berater?

Dies waren die Leitfragen im Keynotevortrag von Dipl.-Ing. (FH) Johann Hofmann, Leiter des Bereichs ValueFacturing® der Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, bei der 3. Konferenz der Gesellschaft für Systemdesign, veranstaltet von der GRUNDIG AKADEMIE in Nürnberg.

 

 

1. Begriffsbestimmung

Der Begriff »Industrie 4.0« ist, so der Referent, auf ein High-Tech-Zukunftsprojekt der Bundesregierung zurückzuführen: Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nachhaltig zu sichern, sollte Deutschland durch diese Initiative weiterhin eine international führende wirtschaftliche Rolle einnehmen.

Im Vordergrund stand und steht die Notwendigkeit, Erzeugnisse zukünftig noch stärker zu individualisieren. Die Produktion soll dabei flexibler und schlanker erfolgen. Wie wird dies umgesetzt? In der Wertschöpfungskette der »Industrie 4.0« kommunizieren und verzahnen sich die produzierenden Unternehmen mit ihren Geschäftspartnern, relevanten Zulieferern und potentiellen Kunden.

Damit sammeln sich unter diesem Begriff »Industrie 4.0« nach Dipl.-Ing. Hofmann die neuen Herausforderungen für Produktion, Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle der Zukunft. Treiber dieser industrielle Optimierungsprozesse sind steigende Qualitätsanforderungen, kürzere Lieferzeiten, sich verkürzende Produktlebenszyklen und eine wachsende Variantenvielfalt neuer Betätigungsfelder.

2. Geschichtlicher Rekurs

Mit einem kurzen Blick in die Geschichte erfasste der Referent die bisherigen industriellen Revolutionen und ihre Unterschiede.

Begrifflich versteht sich die »Revolution« als eine fundamentale Veränderung, die jeden Teil der Gesellschaft betrifft und die Zukunft der Menschen tiefgreifend und nachhaltig gestaltet.

Alle vier Industriellen Revolutionen waren grundsätzlich Katalysatoren der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung.

  • Die erste Industrielle Revolution vollzog sich ab dem 18. Jahrhundert als historischer Übergang von der Muskel- zur Maschinenkraft – gleichsam von der Postkutsche zur Dampflok. Daraus resultierte ein enormer Produktivitätsschub.
  • Im frühen 20. Jahrhundert folgte durch die Einführung des Fließbands und einer arbeitsteiligen Massenproduktion die 2. Industrielle Revolution – es entstanden die Transportbänder für die Fleischverarbeitung und die Automobilindustrie.
  • Die letzte historische Revolution folgte in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts: Die Digitalisierung durch Mikrochips hielt Einzug in die Arbeitswelt und viele andere Lebensbereiche. Der technische Wandel dieser digitalen Revolution veränderte viele private und betriebliche Gegebenheiten nachhaltig.

 

Die grundlegenden Veränderung der Produktionsbedingungen dieser drei historischen Revolutionen beeinflusste die gesamte Gesellschaft spürbar. Sie bildete die Basis für den Wohlstand unserer Zeit.

Die heutige Ausgangssituation für den Wandel »Industrie 4.0«, so der Referent, ist für die Unternehmen um ein Vielfaches komplexer als in den vorangegangenen Revolutionen.

Worin besteht der Kernpunkt dieser 4. Industriellen Revolution?

3. Kernpunkt »Industrie 4.0«

Den Kern dieser modernen 4. Industriellen Revolution sieht der Referent in einer systemübergreifenden und globalen Vernetzung von Menschen, Anlagen und Produkten. Die Organisation und Steuerung von Produktionseinheiten erfolgen nunmehr dezentral und selbständig.

Die »Industrie 4.0« fungiert gleichsam als »smarte« Fabrik, die sich deutlich von früheren Fabriken unterscheidet. Reale und virtuelle Welt verschmelzen durch ihre digitale Kommunikation nahtlos. So können Anlagen und Werkzeuge einer Fertigung nahezu in Echtzeit mit individuell wechselnden Produktansprüchen koordiniert werden.

Die Voraussetzungen für diesen Wandel in der Produktion können mithilfe einer neuen Form des Internets und der durchgehenden und übergreifenden Vernetzung erreicht werden. Diese neue Digitalisierung verändert die Gesellschaft tiefgreifend.

Sind hierzu neue Synergien bisher unterschiedlicher Fachrichtungen notwendig?

4. Interdisziplinarität

Die Komplexität dieser neuen Anforderungen erfordert zukünftig auch eine bestmögliche Vernetzung verschiedener Lösungsstrategien aus bisher voneinander unabhängigen (wissenschaftlichen) Fachrichtungen und deren Methoden, Ansätzen oder Denkrichtungen. Effiziente Synergien können nur aus einer derart »interdisziplinären« Verknüpfung, Verbindung und Kombination der Fachdisziplinen entstehen.

Welchen Herausforderungsgrad erreichen die neuen Anforderungen im Rahmen von »Industrie 4.0«?

5. Unterschiede »kompliziert« und »komplex»

Nach Dipl.-Ing. Hofman wird im Rahmen eines linear steigenden Herausforderungsgrades der Fertigung in diesem Kontext zwischen den Begriffen «kompliziert» und »komplex« unterschieden:

 

 © 2015 by www.JohannHofmann.info

© 2015 by JohannHofmann

 

  • Komplizierte Probleme sind vorhersehbar, beherrschbar, automatisierbar, wenn man nur genug Wissen darüber hat. Sie können berechnet und ohne den Menschen durch IT gelöst werden. Als Beispiel dienen zwei Schachcomputer, die problemlos gegeneinander antreten können.
  • Komplexe Probleme sind jedoch nicht vorhersehbar, sondern nur beobachtbar. Damit sind sie zwar beeinflussbar, aber nicht beherrschbar, denn die Folgen sind nicht vorherzusehen. Exakte Planungen oder Berechenbarkeiten für ein komplexes System sind, so der Referent, eine pure Illusion. Diesen Begriff illustriert er  mit dem Beispiel eines Fußballspiels: Liegt man 1:0 zurück, kann der Trainer zwar das System beeinflussen und einen weiteren Stürmer einwechseln. Die Folgen sind jedoch für ihn nicht vorhersehbar.

 

Welche Möglichkeiten stehen im Rahmen von »Industrie 4.0« zur Verfügung, um derart komplexe Probleme zu lösen?

Mit welchen 12 Komponenten wird der Begriff »Industrie 4.0« umschrieben?

Und wo liegen zukünftig die Chancen für Berater und Mediatoren im Bereich von »Industrie 4.0«?

Die Antworten lesen Sie demnächst in Teil 2 dieses Berichts.

 

 J. G. Heim 

  

Unsere Empfehlung:

Abonnieren Sie hier den kostenlosen Mediationaktuell-Newsletter. Wir informieren Sie gerne über den Erscheinungstermin.

 

Literaturempfehlung 
Faller, Faller: Innerbetriebliche Wirtschaftsmediation
Faller, Faller
Strategien und Methoden für eine bessere Kommunikation
Praxishandbuch
Details
38,50 €incl. MwSt.
Broschiert, 234 Seiten, im Februar 2014 erschienen
Friedman, Himmelstein: Konflikte fordern uns heraus
Friedman, Himmelstein

Mediation als Brücke zur Verständigung
mit je einem Vorwort von Lis Ripke und Gisela und Hans-Georg Mähler

Details
38,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 346 Seiten, im September 2013 erschienen