Industrie 4.0 und die Anforderungen an eine moderne Wirtschaftsmediation

Wirtschaftsmediation in Organisationen
Industrie 4.0 und die Anforderungen an eine moderne Wirtschaftsmediation

Statement zur 3. Konferenz der Gesellschaft für Systemdesign in Nürnberg
von Kurt Faller

Kurt Faller: Industrie 4.0 und eine moderne Wirtschaftsmediation


»Das Verständnis von Führung und Management muss sich auf eine neue Komplexität ausrichten.«

Im Kontext der neuen Herausforderungen von »Industrie 4.0« thematisierte unser Autor Kurt Faller die Anforderungen an die Zukunftsfähigkeit von Organisationen bei der 3. Konferenz der Gesellschaft für Systemdesign, veranstaltet von der GRUNDIG AKADEMIE in Nürnberg.

Lesen Sie hier sein abschließendes Statement:

 

 

»Die Produktion nach Prinzip 4.0 schafft die Voraussetzungen dafür, dass traditionelle Strukturen abgelöst werden können, die auf zentralen Entscheidungsmechanismen und starren Schritten einzelner Wertschöpfungsschritte aufbauen. Diese werden ersetzt durch flexibel konfigurierbare Leistungsangebote und interaktive, kooperative Entscheidungsmechanismen ...« sagt Professor Dieter Spath Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart. Und er fährt fort: »Dabei bin ich mir absolut sicher, dass der arbeitende Mensch weiterhin im Mittelpunkt stehen wird, auch in einer durchgängig virtualisierten und informatisierten Fabrik.« (s. Studie »Produktionsarbeit der Zukunft – Industrie 4.0«, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO)

Prof. Rudolf Wimmer, Vizepräsident der Universität Witten/Herdecke, verstärkt diesen Gedanken auf der 3. Konferenz Systemdesign in Nürnberg: »Gelingende Kommunikation wird zum alles entscheidenden Engpass.« Oder anders ausgedrückt: Misslingende und gescheiterte Kommunikation, Konflikte oder Missverständnisse werden unter diesen neuen Bedingungen viel gefährlicher für die Arbeitsabläufe im Unternehmen. Je mehr Flexibilität als zentrale Kompetenz in diesen Prozessen in den Mittelpunkt rückt, um so wichtiger werden
• eine effektive Kommunikation,
• die integrative Verhandlung und
• eine Vermittlung bei Konflikten, die den Arbeitsprozess fördert.

Diese Perspektive stellt allerdings auch hohe Anforderungen an eine Weiterentwicklung der Wirtschaftsmediation. Mediation und ganz besonders Wirtschaftsmediation ist nach Auffassung des Autors eine dienende Disziplin. Auf der einen Seite muss es in der Bearbeitung schwieriger Situationen vor allem um die Stärkung des Selbstentwicklungspotentials und der Verbesserung der Antwortfähigkeit des Unternehmens auf unerwartete Entwicklungen gehen. Auf der anderen Seite muss sich die Mediation nach Inhalt und Form in die Ziele, Abläufe und Kernprozesse des Unternehmens einpassen.

Der Weg zu einer modernen Wirtschaftsmediation, die sich an den zukünftigen Produktionsentwicklungen orientiert, umfasst vier Schritte:

1. Von einer überwiegend personenorientierten zu einer organisationsorientierten Mediation

Die Hauptursache von Konflikten im Arbeitsleben sind unterschiedliche Sichtweisen – wie die Kernfrage: was ist gute Arbeit? Oder sind die Ursachen in einer Störung der Anerkennungsverhältnisse bei Rollen, Funktionen und Kompetenzen zu sehen?

2. Von der klassischen Mediation zu einer systemischen Konfliktbearbeitung in Organisationen

Dazu ist es notwendig, Techniken und Verfahren aus Beratung, Coaching, Moderation und Organisationsberatung in die innerbetriebliche Konfliktbearbeitung zu integrieren, um
• Konflikte genauer zu erkennen,
• eine kooperative Auftragsgestaltung zu ermöglichen,
• passgenaue Settings für die Konfliktbearbeitung zu entwickeln und
• flexible und zielführende Instrumente und Techniken anzuwenden.

3. Von der Konfliktbearbeitung zum Konfliktmanagement

In Unternehmen haben wir es mit sich wiederholenden und definierten Prozessen zu tun. Damit gewinnt der Gedanke der Prävention an Bedeutung. Durch die Entwicklung und Implementierung von Konfliktmanagementsystemen werden Strukturen und Verfahren verankert, um Konflikte möglichst früh zu erkennen, zu erfassen und niedrigschwellig zu bearbeiten.

4. Von einer traditionellen zu einer achtsamen Führungskultur

»Ein erfolgreiches Management des Unerwarteten ist ein achtsames Management des Unerwarteten«, schreiben Weick/Sutcliffe in ihrem Buch »Das Unerwartete managen«. Das erfordert für die Herausforderungen der »Industrie 4.0« ein in Haltung und Form völlig verändertes Führungsverhalten in den Unternehmen und Organisationen.

Eine moderne Mediation unterstützt Führungskräfte in einer veränderten Haltung und bietet ihnen praktische Anleitung in Führen mit Mediationskompetenz. Organisationen werden durch eine transformative Weiterentwicklung der Führungskultur befähigt,
• ihre Ziele effektiver zu erreichen,
• ein konstruktives, gesundheitsförderliches Arbeitsklima zu garantieren und
• aus Fehlern und Konflikten schnell zu lernen.

 

Autor

Kurt Faller

Lehrmediator BMWA ®, Coach, Organisationsberater, Systemdesigner

Geschäftsführender Gesellschafter der MEDIUS GmbH, Konfliktmanagement und Organisationsentwicklung mit Sitz in Münster und Linz

 

 

Produktempfehlung 
Faller, Faller: Innerbetriebliche Wirtschaftsmediation
Faller, Faller
Strategien und Methoden für eine bessere Kommunikation
Praxishandbuch
Details
38,50 €incl. MwSt.
Broschiert, 234 Seiten, im Februar 2014 erschienen