Interventionsmetaphern zur Verfahrenssteuerung

Metaphern in der Mediation
Interventionsmetaphern zur Verfahrenssteuerung

Sprachbilder und Metaphern – Schlüssel unserer Sprache

Scheidungsmediation - Metapher Hamsterrad

Brigitte und Ernst Spangenberg sind die Autoren unserer Serie, in der wir regelmäßig die Bedeutung und Anwendung einzelner Metaphern und Sprachbilder vorstellen.

Heute zeigen wir Ihnen, wie unsere Autoren Brigitte und Ernst Spangenberg in bestimmten Situationen eigene Metaphern wählen, um beispielsweise festgefahrene Gespräche aus einer Sackgasse zu steuern.

 

1. Metapher und Kontext: Das Hamsterrad

Im Rahmen einer Scheidungsmediation wiederholte sich mehrfach eine lebhaft geführte Diskussion zwischen den Medianden, Eltern einer 12 jährigen Tochter, über Fragen des Sorgerechts, des Umgangs und des Kindesunterhalts. Sie warfen sich gegenseitig Inkompetenz und Nachlässigkeit in der Kindererziehung vor und stritten mit Leidenschaft über die Höhe des Unterhalts für die gemeinsame Tochter. Während dieses Gesprächs wurden die Eltern zunehmend erregt und laut, der Konflikt eskalierte.

Wir unterbrachen mit den Worten: »Wir kommen uns jetzt vor wie ein Hamster im Rad – immer im gleichen Trott und doch keinen Schritt voran. Wir haben das Gefühl, Sie bremsen sich gegenseitig aus?«

Die Medianden hielten erstaunt inne, überlegten kurz und erwiderten: »Wir auch.«

Wir fuhren fort: »Wie kommen wir aus diesem Hamsterrad wieder heraus? Wer hat Vorschläge?«

2. Beschreibung und Inhalt

Wir hatten unsere Medianden nicht aufgefordert, ihre sinnlosen Wiederholungen zu beenden und sich nicht gegenseitig zu kränken, sondern mit einem eignenen Sprachbild verdeutlicht, wie ungut wir uns in dieser Situation fühlten. Wir wollten den eskalierenden Gesprächsverlauf mit unserer Metapher vom Hamsterrad beschreiben und zugleich vorschlagen, ein besseres Thema zu wählen. Ein derartiger Vergleich kann die optimale Vorbereitung für eine neue Option sein, sich zu bewegen.

3. Anleitung für MediatorInnen

Bei einem eskalierenden Konflikt, bei dem Medianden ihre unterschiedlichen Positionen mit eigenen Argumenten verhärten und zugleich die jeweils anderen zu schwächen versuchen, können MediatorInnen mit eigenen Sprachbildern ihre Eindrücke beschreiben – etwa um das Verfahren wieder in Gang zu bringen, wenn ein Mediand etwas Unmögliches verlangt.

In vergleichbaren Fällen eskalierender Konflikte können MediatorInnen mit geeigneten Metaphern situationsspezifisch intervenieren. Sie können ihre Medianden anregen, genauer hinzusehen, nichts zu übereilen, großzügig zu sein oder schneller voranzugehen. Sie können Gegensätze verdeutlichen und Mut machen, indem sie auf bereits erzielte Fortschritte hinweisen. MediatorInnen dürfen beispielsweise herausstellen, dass sich das jeweilige Problem der Medianden bei vielen Menschen einstellt, also typisch sei und via Erfahrung lösbar sein kann.

Es lohnt sich, einen eigenen Vorrat an Metaphern anzulegen, um situationsspezifisch intervenieren zu können:

Man kann je nach Fortschritt einer Mediation von einem Durchbruch reden, von einem Silberstreif am Horizont, einem Aha-Erlebnis, einer Sackgasse oder einem dornigen Weg.

Derartige Interventionsmetaphern mit ihren Botschaften sind für MediatorInnen ein Sprachwerkzeug, mit dem sie Sachargumente verstärken, vorbereiten oder ersetzen, Emotionen steuern und die Aufmerksamkeit ihrer Medianden fokussieren.

4. Fundstellen, Literaturempfehlung

In ihrem praxisnahen Lehrbuch »Sprachbilder und Metaphern in der Mediation« vermitteln die erfahrenen Mediatoren und Ausbilder Brigitte und Ernst Spangenberg, wie Sie mit einer bildhaften Sprache Ihre professionelle Gesprächsführung unterstützen können. Durch zahlreiche Dialogbeispiele, Formulierungshilfen und Übungsfragen erhalten Sie wertvolle Anregungen zum Einsatz von Sprachbildern und Metaphern in den unterschiedlichsten Konstellationen.

(Fachredaktion Jürgen Heim)

 

Ausführliche Produktinformationen und Leseproben zu »Sprachbilder und Metaphern in der Mediation«.

Hören und sehen Sie Brigitte und Ernst Spangenberg auf Youtube!