Interview mit Christian Bähner

Interviewreihe »Beruf MediatorIn – der Weg in die Selbstständigkeit«
Interview mit Christian Bähner
Mediator Christian Bähner

Mediation ist dabei, sich auch in Deutschland als Methode der Konfliktbearbeitung zu etablieren. In vielen Bereichen besteht ein großer Bedarf. Das macht den Weg in die Selbstständigkeit attraktiv, auch wenn die Nachfrage noch gering ist. Die Zahl der Mediatorinnen und Mediatoren in Deutschland steigt beständig.

In unserer Reihe »Beruf Mediator – der Weg in die Selbstständigkeit« interviewen wir Mediatorinnen und Mediatoren, die den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben. 

 

  

 

 

Mediation aktuell: Was hat Sie zu Ihrer Mediationsausbildung bewogen?

Christian Bähner: Ich bin sehr neugierig und fand menschelnde Themen schon immer sehr spannend. Wenn ich selbst Konflikte hatte, habe ich mich oft hilflos erlebt und als beziehungsorientierter Mensch eher angepasst. Das wollte ich verändern, da ich zwar Beziehungen erhalten, aber mich nicht ständig unterordnen wollte. Fair und klar zu kommunizieren und dabei die eigenen wie die Bedürfnisse des Gegenübers anzuerkennen, ist mein eigener Lernprozess und später zu einem wichtigen Inhalt meines Arbeitslebens geworden.

Mediation aktuell: Wann und wo haben Sie Ihre Mediationsausbildung absolviert?

Christian Bähner: Ich habe 1999 bei Christoph Besemer und Team meine Ausbildung zum Mediator gemacht. Im Anschluss habe ich mir dann gezielt andere Ausbilder und Mediationsstile in Seminaren und Workshops angeschaut und mich weiter gebildet, u.a. bei Marshall Rosenberg, Christoph Thomann und Friedrich Glasl. Meine heutige Mediationstätigkeit ist außerdem über meine weiteren Ausbildungen zum personzentrierten Berater, zum Neuroimaginationscoach® sowie zum Conflict Competent Coach (lizenziert für das Conflict Dynamics Profile®) geprägt. Viel gelernt habe ich auch in der intensiven Zusammenarbeit mit meiner Geschäftspartnerin Elke Schwertfeger und meinen Kooperationspartnern Monika Oboth und Jörg Schmidt.

Mediation aktuell: Haben Sie sich auf ein Thema spezialisiert?

Christian Bähner: Vor ca. 15 Jahren gab es noch wenige Angebote mit einem Ausbildungsschwerpunkt, deshalb wurde ich damals »allgemein« ausgebildet. Im Laufe der Zeit habe ich mir meine heutige Spezialisierung in innerbetrieblicher Mediation und Teammediation erarbeitet – über die Praxis, kollegiale Beratung und natürlich Weiterbildungen. Zu Gute kam mir meine praktische Erfahrung als Unternehmensberater für Veränderungsprozesse und mein Studienschwerpunkt Gruppenpädagogik.

Mediation aktuell: Hatten Sie von Anfang an eine Selbstständigkeit als Mediator/in geplant?

Christian Bähner: Jein. Ich hatte schon immer über eine selbständige Nebentätigkeit nachgedacht. Zunächst mit drei weiteren Kolleg/innen haben wir 2000 nebenberuflich das Mediationsbüro Freiburg gegründet. Später wurde daraus Zweisicht. In diesem Jahr sind Elke Schwertfeger und ich seit 10 Jahren im Vollerwerb selbständig und haben mittlerweile eine Mediatorin fest angestellt.

Mediation aktuell: Was glauben Sie, haben Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit richtig gut gemacht? Gibt es etwas, was Sie nicht noch einmal machen würden?

Christian Bähner: Zu Beginn meiner Selbständigkeit habe ich mich auf diese neue Rolle und die damit verbundenen Aufgaben gut vorbereitet. An der IHK habe ich einen Intensivkurz für Existenzgründer besucht und einen Business Plan erstellt. Ein selbständiger Mediator ist eben nicht nur Konfliktprofi sondern auch Kaufmann, Marketingspezialist, Führungskraft – und noch vieles mehr. Gut war auch ein klares Profil als Experte für innerbetriebliche Mediation und Konfliktmanagementsysteme zu entwickeln. Kleinere Anbieter die »alles« können sind für Kunden nicht attraktiv.

Mediation aktuell: Wie kommen Sie an Fälle? (Datenbanken? Persönl. Empfehlungen? Berufl. Kontext?) Was ist aus Ihrer Sicht das erfolgreichste Vorgehen in der Akquise?

Christian Bähner: Zunächst habe ich meine Netzwerke mit Informationen und Materialen versorgt. Das Interesse war groß, die Resonanz aber gering. Oft kam lange Zeit später darüber doch noch ein Kontakt zustande. Über die Jahre haben wir uns Empfehler (ehemalige Kunden und Entscheidungsträger) aufgebaut, das ist die langwierigste aber langfristig erfolgreichste Form der Akquise. Einen klaren Tipp gibt es nicht, der Mix an Marketingstrategien macht es. Wir befragen unsere Kunden, wie sie zu uns gefunden haben und stellen immer wieder fest, dass viele Wege zu uns führen können.

Mediation aktuell: Gibt es etwas, das Sie Mediatoren, die über eine Selbstständigkeit nachdenken, mit auf den Weg geben möchten?

Christian Bähner: Eine Selbständigkeit aufzubauen ist langwierig (> 3 Jahre), braucht viel Energie, einen langen Atem und ein finanzielles Polster. Es gibt nur wenige Mediatoren in Deutschland, die ausschließlich von Mediation leben. Ich finde es hilfreich, mehrere Standbeine zu haben und dadurch das Risiko zu streuen. Sollte eine Kundengruppe/Branche/Dienstleistung »einbrechen« ist die Existenz nicht gleich gefährdet. Gleichzeitig schätze ich die Abwechslung. Wir bieten neben Mediation auch Coaching, Organisationsberatung und Trainings an.

Mediation aktuell: Haben Sie ein persönliches Motto oder Lieblingszitat, das Sie begleitet?

Christian Bähner: »Durchschneide nicht, was Du lösen kannst.« (Joseph Joubert)

 

Christian Bähner

Quellberuf: Dipl.-Pädagoge (Erwachsenenbildung/Berufliche Weiterbildung)

www.zweisicht.de

christian.baehner@zweisicht.de

Zweisicht. Bähner & Schwertfeger GbR, Hirschenhofweg 14, 79117 Freiburg

 

 

 

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