Interview mit Doris Wietfeldt

Interviewreihe »Beruf MediatorIn – der Weg in die Selbstständigkeit«
Interview mit Doris Wietfeldt
Mediatorin Doris Wietfeldt

Mediation ist dabei, sich auch in Deutschland als Methode der Konfliktbearbeitung zu etablieren. In vielen Bereichen besteht ein großer Bedarf. Das macht den Weg in die Selbstständigkeit attraktiv, auch wenn die Nachfrage noch gering ist. Die Zahl der Mediatorinnen und Mediatoren in Deutschland steigt beständig.

In unserer Reihe »Beruf Mediator – der Weg in die Selbstständigkeit« interviewen wir Mediatorinnen und Mediatoren, die den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben. 

 

 

 

 

 

 

Mediation aktuell: Was hat Sie zu Ihrer Mediationsausbildung bewogen?

Doris Wietfeldt: Wie gehe ich mit Konflikten im interkulturellen Kontext um und wie funktioniert Konfliktmanagement in diesem Bereich. Das wollte ich lernen, da es immer mein Ziel war, interkulturell und international zu arbeiten. Als ich mich damals über Mediationsausbildungen informiert habe, wollte ich als Trainerin arbeiten. Heute ist meine Rolle als Mediatorin ein Standbein für mich, das mir sehr wichtig ist.

Mediation aktuell: Wann und wo haben Sie Ihre Mediationsausbildung absolviert?

Doris WietfeldtMeine Ausbildung habe ich damals bei Dr. Jamie Walker und Dr. Birgit Keydel in Berlin gemacht, das war 2001. Meine Mediationskenntnisse vertieft habe ich später bei Anita von Hertel in Hamburg. Der wichtigste Teil meines Lernprozesses war die Zusammenarbeit mit meiner langjährigen Geschäftspartnerin Sosan Azad. Sie hat früh begonnen, systemische Techniken in die Mediation zu integrieren.

Mediation aktuell: Haben Sie sich auf ein Thema spezialisiert?

Doris WietfeldtInzwischen ja. Ich habe lange Zeit Mediationen in unterschiedlichsten Feldern gemacht. Das war sehr lehrreich, ich habe gelernt, flexibel und kreativ und gleichzeitig mit Klarheit in Mediationsprozessen agieren zu können. Inzwischen sind es vor allem Mediationen in komplexen Organisationszusammenhängen und im öffentlichen Raum, in denen ich arbeite. Einen hohen Stellenwert haben bis heute Mediationen im interkulturellen Kontext für mich. 

Mediation aktuell: Hatten Sie von Anfang an eine Selbstständigkeit als Mediator/in geplant?

Doris WietfeldtIch wollte immer gerne selbständig arbeiten. Das brauchte am Anfang viel Mut. Die ersten Schritte hatte ich vorher bereits im Projekt- und Kulturmanagement gemacht. Dadurch war es leichter, mit den neuen Strukturen des Arbeitens umzugehen.

Mediation aktuell: Was glauben Sie, haben Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit richtig gut gemacht? Gibt es etwas, was Sie nicht noch einmal machen würden?

Doris Wietfeldt: Ich habe viele Mediationsfelder kennengelernt. Heute arbeite ich in hocheskalierten Konflikten. Das traue ich mir zu, weil ich viele, viele Mediationen gemacht habe. Viele dieser Fälle habe ich zusammen mit Sosan Azad mediiert. Es ist nach meiner Erfahrung sehr hilfreich, im Co-Team mit jemandem zu arbeiten, der ein anderes Profil als man selbst hat. Ich würde mich auch immer wieder für mein Engagement im Bundesverband Mediation entscheiden. Heute bin ich im Vorstand des BM für die Bereiche Qualitätssicherung, Anerkennung und Ausbildung zuständig. Dadurch habe ich viele Mediatoren kennengelernt und bin immer informiert, welche Veränderungen und Neuerungen es in der Mediation gibt.

Mediation aktuell: Wie kommen Sie an Fälle? (Datenbanken? Persönl. Empfehlungen? Berufl. Kontext?) Was ist aus Ihrer Sicht das erfolgreichste Vorgehen in der Akquise?

Doris Wietfeldt: Ich werde empfohlen, von Kunden und von Netzwerkpartnern. Das sind meine Quellen.

Mediation aktuell: Gibt es etwas, das Sie Mediatoren, die über eine Selbstständigkeit nachdenken, mit auf den Weg geben möchten?

Doris WietfeldtEs ist oft kein geradliniger Prozess, wenn man Mediator werden will. Nicht aufzugeben und gerade dann weiterzumachen, wenn es schwierig wird. Und sich immer weiterzubilden: Ich habe trotz meines Studiums mit Schwerpunkt Interkulturalität noch eine Ausbildung in interkultureller Kompetenz gemacht. Dafür bin ich regelmäßig nach Mailand geflogen, um bei Dr. Milton Bennett zu lernen. Um für die Arbeit in Organisationen fit zu sein, habe ich eine Ausbildung als Change Managerin gemacht. Wichtig ist auch, die eigene Arbeit immer weiterzuentwickeln, gerade arbeite ich an neuen Konzepten für die Rolle von Mediation in interkulturellen Veränderungsprozessen in Organisationen.

Mediation aktuell: Haben Sie ein persönliches Motto oder Lieblingszitat, das Sie begleitet?

Doris Wietfeldt: Die wenigsten Menschen sind gescheitert. Die meisten haben zu früh aufgegeben. Wenn ich etwas will und mir etwas wichtig ist, dann arbeite ich solange daran, bis ich es erreicht habe.

 

Doris Wietfeldt

Quellberuf: M.A. Nordamerikastudien, Politik und Soziologie

www.doriswietfeldt.de

mail@doriswietfeldt.de

Behaimstr. 21, 10585 Berlin

 

 

 

 

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