Interview mit Dr. Doris Klappenbach

Interviewreihe »Beruf MediatorIn – der Weg in die Selbstständigkeit«
Interview mit Dr. Doris Klappenbach
Dr. Doris Klappenbach

Mediation ist dabei, sich auch in Deutschland als Methode der Konfliktbearbeitung sowohl im Wirtschafts- als auch im Privatleben zu etablieren. In vielen Bereichen besteht ein großer Bedarf. Das macht den Weg in die Selbstständigkeit attraktiv, auch wenn die Nachfrage noch gering ist. Die Zahl der Mediatorinnen und Mediatoren in Deutschland steigt beständig.

In unserer Reihe »Beruf Mediator – der Weg in die Selbstständigkeit« interviewen wir Mediatorinnen und Mediatoren, die den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben. 

 

Mediation aktuell: Was hat Sie zu Ihrer Mediationsausbildung bewogen?

Dr. Klappenbach: Von Mediation habe ich das erste Mal im Rahmen einer Kriseninterventionsausbildung gehört. Als junge Studentin, die ich damals war, hatte ich sofort den Eindruck, dass das, was ich heute mediative Haltung nenne, mir eine sehr hilfreiche Alternative zum pädagogischen Herangehen eröffnet. Ich war begeistert von der (so sage ich das heute) ressourcen- und bedarfsorientierten Herangehensweise zur Bearbeitung von Konflikten, die die Selbstverantwortlichkeit, das Expert/inn/entum der Beteiligten für ihre eigenen Lösungen und Lösungswege als grundlegend einbezieht.

Mediation aktuell: Wann und wo haben Sie Ihre Mediationsausbildung absolviert?

Dr. Klappenbach: Nachdem ich dann mehr praktische Erfahrungen in einem Kriseninterventionsteam gesammelt hatte, habe ich 2000-2001 in Berlin eine nach den Standards des Bundesverbandes Mediation (BM) e.V. gestaltete Ausbildung im Umfang von 200 Stunden gemacht. Ich habe danach verschiedene ergänzende Seminare und Ausbildungen gemacht. Die Themen Mediation und Mediationsausbildung waren (unter anderem) Forschungsschwerpunkte meiner Arbeit in den letzten 12 Jahren. 

Mediation aktuell: Haben Sie sich auf ein Thema spezialisiert?

Dr. Klappenbach: Nein. Ich betrachte Mediation als eine Fachkompetenz, die manchmal durch eine ‚spezialisierte’ Feldkompetenz zu ergänzen ist. Wenn ich eine erforderliche Feldkompetenz selbst nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung stellen kann, spreche ich das im Gespräch über ein mögliches Arbeitsbündnis an, berücksichtige das in der Auswahl meines oder meiner Co-Mediierenden oder empfehle jemanden mit umfangreicher Feldkompetenz. Durch meinen Arbeitsschwerpunkt Hochschule werde ich häufig von Führungskräften, Projekten und Arbeitsteams, für Mediation in Organisationen und Institutionen oder auch in im weiten Sinne politischen Kontexten angefragt. Durch die Arbeit in Studium und Ausbildungsgruppen werde ich für Mediation und Konfliktbearbeitung in unterschiedlichen familiären und privaten Zusammenhängen angesprochen.

Mediation aktuell: Hatten Sie von Anfang an eine Selbstständigkeit als Mediator/in geplant?

Dr. Klappenbach: Nicht unbedingt. Ich wollte dazu beitragen, die mediative Haltung in der Gesellschaft mehr zu verankern, sie selbstverständlicher zu machen in den erziehungswissenschaftlichen Berufen und auch im Geschäftsleben... Und diesem Ziel habe ich mich in meiner Arbeit zum Thema Mediative Kommunikation und in der integrativen Mediationsausbildung an der Freien Universität Berlin intensiv gewidmet. Gerade wenn man ausbildet, ist es aber natürlich sehr wichtig, auch praktisch zu arbeiten. Hinzu kommt, dass ich den Wissenschaftsbereich Mediation und Mediative Kommunikation in den ersten Jahren über Lehraufträge, mit engagierten Studierenden, Kolleginnen und Kollegen größtenteils ehrenamtlich aufgebaut habe. Meinen Lebensunterhalt und auch einen Großteil der Forschung habe ich u.a. durch die Selbständigkeit als Mediatorin finanziert.

Mediation aktuell: Wie kommen Sie an Fälle? (Datenbanken? Persönl. Empfehlungen? Berufl. Kontext?) Was ist aus Ihrer Sicht das erfolgreichste Vorgehen in der Akquise?

Dr. Klappenbach: Ich gehe davon aus, dass es in der Mediation genau wie in anderen Bereichen der Selbständigkeit Zeit braucht, um empfohlen zu werden. Weil ich immer in verschiedenen Zusammenhängen gearbeitet habe, habe ich viele Kontakte aufgebaut, die bis heute dazu beitragen, dass es Menschen einfällt, sich an mich zu wenden, wenn es um Mediation geht. Ich empfehle also, die eigenen Netzwerke für das Angebot der Mediation zu erweitern. Darüber hinaus glaube ich, dass es hilfreich ist, auch selbst Mediation in Anspruch zu nehmen und darüber im eigenen Netzwerk zu reden. Das mindert die sogenannte Schwellenangst, die ich bis heute noch oft erlebe.

Mediation aktuell: Gibt es etwas, das Sie Mediatoren, die über eine Selbstständigkeit nachdenken, mit auf den Weg geben möchten?

Dr. Klappenbach: Ich denke, dass es wichtig ist, sich klar zu machen, dass Watzlawicks Geschichte mit dem Hammer auch für professionell Mediierende zutrifft. Ich erlebe es als hilfreich, so umfangreich ausgebildet zu sein, dass ich genau zuhören kann, was eine Person braucht, die sich an mich wendet, um dann mit ihr gemeinsam ergebnisoffen zu entscheiden, ob Mediation oder ein anderes Verfahren hier am ehesten weiterhelfen kann. Bei der Mediation gilt ja gewissermaßen: Wenn ich professionell und effektiv arbeite, ist mein Auftrag ggf. auch schnell wieder abgeschlossen. Es bleiben die Empfehlungen und damit neue Menschen, neue Kontexte, neue individuelle Bedarfssituationen. Außerdem ist diese Arbeit sehr intensiv und erfordert eine umfangreiche Selbstreflexion der Mediierenden. Da finde ich es für Abwechslung und bedarfsorientiertes Arbeiten sinnvoll, sich mit Mediation und mindestens einem weiteren Angebot selbständig zu machen.

Mediation aktuell: Haben Sie ein persönliches Motto oder Lieblingszitat, das Sie begleitet?

Dr. Klappenbach: Bei einem Motto lege ich mich ungern fest - da gibt es so viele tolle…

 

Dr. Doris Klappenbach

Quellberuf: Erziehungswissenschaftlerin

www.diversity-kompetenz.com

office@mediative.info

Institut für Mediative Kommunikation und Diversity-Kompetenz (IMK). Internationale Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie (INA) gGmbH an der Freien Universität Berlin, Nassauische Str. 5, 10717 Berlin

 

 

Literaturempfehlung 
Friedman, Himmelstein: Konflikte fordern uns heraus
Friedman, Himmelstein

Mediation als Brücke zur Verständigung
mit je einem Vorwort von Lis Ripke und Gisela und Hans-Georg Mähler

Details
38,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 346 Seiten, im September 2013 erschienen
Spangenberg, Spangenberg: Sprachbilder und Metaphern in der Mediation
Spangenberg, Spangenberg
Details
29,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 160 Seiten, im März 2013 erschienen