Interview mit Dr. Katja Windisch

Interviewreihe »Beruf MediatorIn – der Weg in die Selbstständigkeit«
Interview mit Dr. Katja Windisch
Mediatorin Dr. Katja Windisch

Mediation ist dabei, sich auch in Deutschland als Methode der Konfliktbearbeitung zu etablieren. In vielen Bereichen besteht ein großer Bedarf. In unserer Reihe »Beruf Mediator – der Weg in die Selbstständigkeit« interviewen wir Mediatorinnen und Mediatoren, die den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben. 

 

 

Mediation aktuell: Was hat Sie zu Ihrer Mediationsausbildung bewogen?

Dr. Katja Windisch: Ich hatte mich im Rahmen der Geschäftsleitung eines größeren universitären Departements (mit 10 Fächern) im Bereich Konfliktmanagement bereits umfangreich weitergebildet. Darüber hinaus hat mich aber interessiert, welche Methoden es noch gibt und Mediation hat mich aufgrund ihrer klaren Struktur und breiten Anwendbarkeit sehr fasziniert. Seit meiner Ausbildung arbeite ich nebenberuflich als Mediatorin.

Mediation aktuell: Wann und wo haben Sie Ihre Mediationsausbildung absolviert?

Dr. Katja WindischIch habe die Ausbildung 2008/2009 in Basel am Ausbildungsinstitut Perspectiva bei Markus Murbach absolviert. Die Ausbildung besticht durch die große Praxisnähe in Form sehr vieler Rollenspiele, wobei als Übungsfälle echte Mediationsfälle dienen. Das Phasenmodell ist ja im Grunde einfach, die Kunst liegt aber im Detail. Hier sorgfältig zu reflektieren und zu üben, finde ich wichtig.

Mediation aktuell: Haben Sie sich auf ein Thema spezialisiert?

Dr. Katja Windisch: An der Perspectiva in Basel werden als Vertiefungsschwerpunkte Mediation in/zwischen Organisationen, Familienmediation und Pädagogische Mediation angeboten. Als Soziologin mit eigenen Arbeitserfahrungen in der Wissenschaft, Universität, Nicht-Regierungs-Organisationen arbeite ich auch als Mediatorin gern im Bereich der öffentlichen Hand (Team-Konflikte u.ä.) oder auch der Medizin (Arztpraxen etc.) oder Lehrerkollegien bzw. NGOs. Im Mediations-Team Basel co-mediiere ich aber auch Familienkonflikte, d.h. Trennungen/Scheidungen, dann jeweils gemeinsam mit juristisch ausgebildeten Mediatoren und als gemischtgeschlechtliches Duo (bei Hetero-Paaren).

Mediation aktuell: Hatten Sie von Anfang an eine Selbstständigkeit als Mediator/in geplant?

Dr. Katja Windisch: Meiner Beobachtung und Erfahrung nach ist es nicht ganz einfach, als Nicht-Jurist/in von Mediation zu leben. Ich kenne viele Mediator/innen, die neben ihrer Mediationstätigkeit entweder strukturell in Ausbildungen eingebunden sind oder aber auch andere Bereiche (Coaching, Beratung etc.) anbieten. Ich selbst habe eine Selbstständigkeit nicht ausgeschlossen, fühle mich aber in einem Mix aus strukturell sicheren Erwerbsanteilen und freier Mediatorentätigkeit sehr wohl.

Mediation aktuell: Was glauben Sie, haben Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit richtig gut gemacht? Gibt es etwas, was Sie nicht noch einmal machen würden?

Dr. Katja Windisch: Ich habe nach der Ausbildung die Anerkennung beim Schweizerischen Dachverband (SDM) beantragt, verbunden mit der Aufnahme in ein entsprechendes Register, bin einem Berufsverband (dem Europäischen Berufsverband für Eigenständige Mediation) beigetreten, ebenfalls verbunden mit der Sichtbarkeit auf dessen Website, habe die Gründung eines lokalen Mediations-Teams innerhalb eines Netzwerkes mit lanciert – das sind alles Schritte, die sicher zur Sichtbarwerdung der Mediation allgemein beitragen und auch zu Aufträgen führen.

Mediation aktuell: Wie kommen Sie an Fälle? (Datenbanken? Persönl. Empfehlungen? Berufl. Kontext?) Was ist aus Ihrer Sicht das erfolgreichste Vorgehen in der Akquise?

Dr. Katja Windisch: Die Medianden, die sich bei mir melden, kommen z.B. auf persönliche Empfehlung oder über das Netzwerk, das Mediations-Team, bzw. auch über den weiteren beruflichen Kontext, das ist ganz verschieden.

Mediation aktuell: Gibt es etwas, das Sie Mediatoren, die über eine Selbstständigkeit nachdenken, mit auf den Weg geben möchten?

Dr. Katja Windisch: Ich denke, das Feld ist schnell gewachsen, aber immer noch sehr jung. Dass Mediation als Verfahren so breit in Anspruch genommen würde, wie es Potential hätte, braucht noch Zeit. Insofern ist es wahrscheinlich nötig, auch als einzelne/r Mediator/in einen etwas längeren Atem zu haben, d.h. möglicherweise auch, sich (vorübergehend) auf mehr als ein Standbein zu stützen.

Mediation aktuell: Haben Sie ein persönliches Motto oder Lieblingszitat, das Sie begleitet?

Dr. Katja Windisch: Schön finde ich in unserem Zusammenhang: »Die Frage des Friedens ist nicht zuerst eine Frage an die Welt, sondern für jeden an sich selbst.« (Karl Jaspers)

 

Dr. Katja Windisch

Quellberuf: Soziologin

www.mediations-team.com

katja.windisch@mediations-team.com

Postadresse Weiherweg 12, CH-4054 Basel

 

 

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Für angehende und erfahrene Mediatoren bietet das Praxisbuch »Sprachbilder und Metaphern in der Mediation« eine interessante und unterhaltsame Einführung in die Arbeit mit Sprachbildern und vermittelt anschaulich, wie eine bildhafte Sprache Medianden und Mediatoren im Umgang mit Konflikten unterstützen kann.

 

 

 

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29,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 160 Seiten, im März 2013 erschienen