Interview mit Frank Glowitz

Interviewreihe Beruf MediatorIn – der Weg in die Selbstständigkeit
Interview mit Frank Glowitz
Frank Glowitz

In unserer Reihe »Beruf Mediator – der Weg in die Selbstständigkeit« interviewen wir Mediatorinnen und Mediatoren, die den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben.

Heute ein Interview mit dem Dipl. Psychologen Frank Glowitz, Mediator in Berlin und am Heidelberger Institut für Mediation (Standort Berlin)

Mediation aktuell: Herr Glowitz, was hat Sie zu Ihrer Mediationsausbildung bewogen?

Zunächst war es ein wirtschaftliches Motiv. Ich war als Arbeits- und Organisationspsychologe schon mit Organisationsentwicklung und Supervision selbständig, habe aber in bestimmten Konfliktsituationen immer wieder Mediation empfohlen. Irgendwann habe ich mich entschieden, das selbst beherrschen zu wollen und eine Mediationsausbildung begonnen, die mir neben der systemischen Organisationsberatung, in der ich beruflich sozialisiert war, ganz neue Welten eröffnet konnte.
Mediation aktuell: Wann und wo haben Sie Ihre Mediationsausbildung absolviert?
Ich habe von 2003 bis 2006 am Heidelberger Institut für Mediation (Lis Ripke, Prof. Dr. Reiner Bastine) in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg meine Ausbildung durchlaufen und wurde dann entsprechend durch die BAFM zertifiziert.

Mediation aktuell: Haben Sie sich auf ein Thema spezialisiert?

Nein, ursprünglich kam ich ja aus dem Bereich Wirtschaft und Arbeit. Hierfür brauchte ich weitere, spezifischere Konfliktlösungskompetenzen. Durch die Weiterbildung am HIM habe ich aber auch Gefallen an der Familienmediation gefunden und fand, dass mir dies auch gut gelang und Spaß machte. So ist die Familienmediation jetzt das einzige Geschäftsfeld, das ich außerhalb des Bereiches »Wirtschaft und Arbeit« auch noch betreibe.
Mediation aktuell: Hatten Sie von Anfang an eine Selbstständigkeit als Mediator/in geplant?
Ich war ja bereits selbständig als Organisationsberater, Systemischer Supervisor und Trainer.

Mediation aktuell: Was glauben Sie, haben Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit richtig gut gemacht? Gibt es etwas, was Sie nicht noch einmal machen würden?

Ich war richtig naiv. Ohne diese unbekümmerte Lust auf die Selbständigkeit, die trotz Beratung fast ausschließlich die »Erträge« - nicht nur pekuniär - und nicht die »Kosten« in den Vordergrund stellen ließ, wäre ich sicher nicht selbständig geworden. Erst mit der Notwendigkeit etwas zu unternehmen, um zu überleben, wurde ich Unternehmer. Naja, ohne die Lust etwas unternehmen zu wollen, hätte ich sicher auch nicht den Angestelltenstatus aufgegeben.

Was würde ich nicht mehr machen? Ich bin skeptischer gegenüber »Netzwerken« geworden. Häufig habe ich die Erfahrung gemacht, dass für Manchen nicht die gemeinsame Sache, sondern die Aussicht auf den schnellen und leicht verdienten Euro das Motiv bildete, sich zu vernetzen. Ich hoffe, dass ich das heute schneller erkenne, wie viel die Netzwerkpartner auch zu geben bereit sind und wie klar die Vorstellung vom zu erwartenden Erlös sind.

Mediation aktuell: Wie kommen Sie an Fälle? Was ist aus Ihrer Sicht das erfolgreichste Vorgehen in der Akquise?

An meine Fälle komme ich
a) über die Verbände und Vereine, in denen ich Mitglied bin und
b) über persönliche Empfehlungen.
Es hat sich bewahrheitet, dass aus dem Kontext Supervision und Organisationsentwicklung - Fortbildung, Referententätigkeiten etc. - viele Aufträge hervor gehen. Ich hatte lediglich einen Rückgang in der Zeit zu verzeichnen, als meine Homepage viel zu lange „under reconstruction" war.

Mediation aktuell: Gibt es etwas, das Sie MediatorInnen, die über eine Selbstständigkeit nachdenken, mit auf den Weg geben möchten?

Als selbständiger Mediator geht es m.E. auch darum, die Mediation in Deutschland und gegebenenfalls in Europa noch mit zu entwickeln. Es gibt viele Felder in Berufsverbänden, Gremien im Privaten, in Vereinen etc., in denen die Mediation promotet und weiterentwickelt werden kann. Ich kann mir auch viele andere Anwendungsfelder mit den Kenntnissen als Mediator vorstellen. Alleine von der Mediation zu leben ist sicher noch schwierig. Ich würde in jedem Fall mehrgleisig fahren und gegebenenfalls eine zusätzliche Weiterbildung absolvieren - je nach dem in welchem Anwendungsgebiet man arbeitet: z.B. Organisationsentwicklung, Coaching, Supervision, etc. Gut ist es, zu überlegen, was passt zu mir, was fehlt mir noch, um das anbieten zu können, womit ich einerseits wirksam sein kann und andererseits Geld verdienen möchte.

Mediation aktuell: Haben Sie ein persönliches Motto oder Lieblingszitat, das Sie begleitet?

Meine Homepage ziert das Zitat von Erich Kästner: »Entweder man lebt oder man ist konsequent«. Mir ist es in vielen Arbeitszusammenhängen wichtig, die Kirche im Dorf zu lassen und zu vermitteln, dass das »Loslassen« ein häufig unterbewerteter Schritt in ein freieres Leben ist. Und dafür wünschen sich Klienten häufig Unterstützung.

 

Frank Glowitz
Quellberuf: Diplom-Psychologe

glowitz@polylux-ob.de

Kontakt:
Polylux Organisationsberatung
Diplompsychologen Partnerschaftsgesellschaft
Glowitz & Dr. Soellner
Immanuelkirchstr. 2B
10405 Berlin
Tel.: 030 44 03 99 90
Fax: 030 44 03 99 91

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