Interview mit Jörg Pahnke

Interviewreihe »Beruf MediatorIn – der Weg in die Selbstständigkeit«
Interview mit Jörg Pahnke
Jörg Pahnke

Mediation ist dabei, sich auch in Deutschland als Methode der Konfliktbearbeitung sowohl im Wirtschafts- als auch im Privatleben zu etablieren. In vielen Bereichen besteht ein großer Bedarf. Das macht den Weg in die Selbstständigkeit attraktiv, auch wenn die Nachfrage noch gering ist. Die Zahl der Mediatorinnen und Mediatoren in Deutschland steigt beständig. Viele von ihnen spezialisieren sich auf bestimmte Konfliktfelder oder Mediationsstile.

In unserer Reihe »Beruf Mediator – der Weg in die Selbstständigkeit« interviewen wir Mediatorinnen und Mediatoren, die den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben.

  

 

Mediation aktuell: Was hat Sie zu Ihrer Mediationsausbildung bewogen?

Pahnke: Die bis dahin für mich und meine Mandanten oft unbefriedigenden Ergebnisse/Lösungen in gerichtlichen Streitigkeiten haben mich als Anwalt dazu gebracht, die Ausbildung anzusteuern. Hinzu kamen Einflüsse der japanischen Kultur, da ich in den 90er Jahren sehr eng mit japanischen Unternehmen in Deutschland und anderen Ländern zu tun hatte.

Mediation aktuell: Wann und wo haben Sie Ihre Mediationsausbildung absolviert?

Pahnke: In 2001 hatte ich das Glück, im Institut für Streitkultur in Berlin bei Isabel Kresse und Monika Oboth die (Grund-) Ausbildung Mediation zu machen, zu der immer auch eine intensive Selbsterfahrung und -reflektion gehörte. Noch heute bin ich für diese spannende und lehrreiche Zeit dankbar.

Mediation aktuell: Haben Sie sich auf ein Thema spezialisiert?

Pahnke: In 2008 habe ich mich in Indien und Österreich von den Kollegen Christian Sattlberger und Cristina Lenz zum interkulturellen Mediator ausbilden lassen. In 2010 kam eine weitere systemische Ausbildung in Hannover hinzu sowie eine Zertifizierung als Coach in 2012. Seit ca. sieben Jahren liegt mein Schwerpunkt im Gesundheitsbereich, v.a. Krankenhäuser.

Mediation aktuell: Hatten Sie von Anfang an eine Selbstständigkeit als Mediator/in geplant?

Pahnke: Zunächst war die Mediation eine weitere Leistung im Rahmen meiner anwaltlichen Tätigkeiten, v.a. im familienrechtlichen Bereich. Wenig später brachte die Vernetzung im Rahmen von Konzilius (Netzwerk für Konfliktmanagement-Dienstleistungen) die Konzentration auf Mediation als berufliches »Hauptstandbein« mit sich, neben Coaching und Moderation und auch Kommunikationstrainings. Seitdem spielt meine juristische Tätigkeit eher eine Nebenrolle und ich sehe mich eher als selbständiger Mediator.

Mediation aktuell: Was glauben Sie, haben Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit richtig gut gemacht? Gibt es etwas, was Sie nicht noch einmal machen würden?

Pahnke: Für mich der Schritt, ein Konzept interdisziplinär zu entwickeln, das neben Mediation auch andere Leistungen im Bereich Konfliktmanagement abdeckt. Alle Schritte waren zielführend, auch wenn ich evtl. zuviel Zeit im Non-Profit-Bereich investiert haben mag. Letztlich dienten auch diese Schritte dem eigenen Marketing und der Stärkung eigener Kompetenzen. 

Mediation aktuell: Wie kommen Sie an Fälle? (Datenbanken? Persönl. Empfehlungen? Berufl. Kontext?) Was ist aus Ihrer Sicht das erfolgreichste Vorgehen in der Akquise?

Pahnke: Vernetzung und nochmals Vernetzung. Ich habe dies über die Jahre in Form von persönlichen Präsentationen, Vorträgen, Workshops, Projekt-Arbeit usw. betrieben. Daraus entwickelten sich viele Querverbindungen, die dann zu Aufträgen führten und führen. Heute kommen die meisten Aufträge für Mediation und Coaching aufgrund persönlicher Empfehlungen.

Mediation aktuell: Gibt es etwas, das Sie Mediatoren, die über eine Selbstständigkeit nachdenken, mit auf den Weg geben möchten?

Pahnke: Wer Mediation als Haltung lebt und professionell anbietet, wird auch Durststrecken überwinden. An sich zu glauben und daran festzuhalten, sich nicht entmutigen zu lassen, das ist das Wesentliche.

Mediation aktuell: Haben Sie ein persönliches Motto oder Lieblingszitat, das Sie begleitet?

Pahnke: »Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung« von A. de Saint-Exupéry.

 

Jörg Pahnke

Quellberuf: Rechtsanwalt

www.konzilius.de

j.pahnke@konzilius.de

Wartburgstraße 4, 10823 Berlin

 

 

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