Interview mit Sabine Hufschmidt

Interviewreihe »Beruf MediatorIn – der Weg in die Selbstständigkeit«
Interview mit Sabine Hufschmidt
Mediatorin Sabine Hufschmidt

Mediation ist dabei, sich auch in Deutschland als Methode der Konfliktbearbeitung sowohl im Wirtschafts- als auch im Privatleben zu etablieren. In vielen Bereichen besteht ein großer Bedarf. Das macht den Weg in die Selbstständigkeit attraktiv, auch wenn die Nachfrage noch gering ist. Die Zahl der Mediatorinnen und Mediatoren in Deutschland steigt beständig. Viele von ihnen spezialisieren sich auf bestimmte Konfliktfelder oder Mediationsstile.

In unserer Reihe »Beruf Mediator – der Weg in die Selbstständigkeit« interviewen wir Mediatorinnen und Mediatoren, die den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben.

  

 

 

 

Mediation aktuell: Was hat Sie zu Ihrer Mediationsausbildung bewogen?

Hufschmidt: Ich habe schon während meines Jurastudiums immer den Wunsch gehabt, später als Rechtsanwältin in einer eher vermittelnden Rolle für meine Mandanten tätig zu werden, als in der Rolle der lediglich »einseitigen Vertreterin der Rechte«. Die Idee, dass die »Gegenseite« mit am Tisch sitzen sollte, bereits bevor der Weg zum Gericht eingeschlagen wird, schien mir erstrebenswert. Insofern lag der Grundstein zum Ausbildungsstart in der Umsetzung dieser Idee. Als ich dann Mitte der 90er Jahre von dem Verfahren der Mediation und auch von der Ausbildungsmöglichkeit zur Mediatorin erfuhr, war dies genau das, was ich immer wollte: Menschen darin unterstützen, eigenverantwortlich ihren individuellen Weg bei  zukunftsorientierten Lösungen zu finden.

Mediation aktuell: Wann und wo haben Sie Ihre Mediationsausbildung absolviert?

Hufschmidt: Ich habe vor über fünfzehn Jahren meine Ausbildung als Mediatorin mit dem Schwerpunkt Familienmediation beim IMS (Institut für Mediation, Schlichtung und Konfliktmanagement) bei München absolviert. Allein diese Ausbildung erfolgte über 200 Stunden. Daran anknüpfend machte ich zusätzlich meine Ausbildung als Wirtschaftsmediatorin durch das SDMC (San Diego Mediation Center) sowie weitere Qualifikationen als Schulmediatorin.

Mediation aktuell: Haben Sie sich auf ein Thema spezialisiert?

Hufschmidt: Meine Schwerpunkte liegen seit nahezu 15 Jahren im Umfeld von Unternehmen, d.h. der Durchführung von Mediationen im Wirtschaftskontext sowie der Durchführung von Ausbildungen, Schulungen und Trainings im Bereich Wirtschaftsmediation. Das von mir entwickelte Modell der quasi als »vorgezogene Güteverhandlung« durchgeführten Mediation in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten ist einer meiner Schwerpunkte. Ansonsten liegt der weitere Schwerpunkt im Familienrecht. Häufig begleite ich zudem im Bereich der Erbmediation vor allem Nachfolgeregelungen in Unternehmen. Hier ist vor allem die Mediation möglichst »vor« dem Erbfall sinnvoll, um die Erbmasse oder das zu vererbende Unternehmen möglichst wenig zu belasten.

Mediation aktuell: Hatten Sie von Anfang an eine Selbstständigkeit als Mediator/in geplant?

Hufschmidt: Im Grunde ja. Als ich 1999 meine Ausbildung als Mediatorin und auch als Rechtsanwältin abgeschlossen hatte, war es in Kanzleien leider noch nicht möglich, im Bereich Mediation zu arbeiten. Das Argument war regelmäßig, dass Juristen schließlich »das Recht verfolgen müssten« und auch ohnehin regelmäßig verhandeln würden. Insofern habe ich mehr Chancen als selbständige Mediatorin gesehen und gleich meine eigene Rechtsanwalts- und Mediationskanzlei gegründet. Dies hat sich auch bestätigt.

Mediation aktuell: Was glauben Sie, haben Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit richtig gut gemacht? Gibt es etwas, was Sie nicht noch einmal machen würden?

Hufschmidt: Es war sicherlich gut, in das Verfahren der Mediation zu vertrauen, da es mir auch in meiner Tätigkeit als Rechtsanwältin sehr geholfen hat. Richtig gut ist meine Art der Vernetzung und Verbreitung des Themas Mediation. Von Anfang an habe ich an namhaften Institutionen Vorträge gehalten, zusätzlich ein Netzwerk zum Thema Mediation mit initiiert und aktiv mitgestaltet. Was ich nicht noch einmal machen würde? Schwer zu sagen, da ich durch die vermeintlichen Fehler ja tatsächlich gelernt habe; ich möchte sie nicht missen.

Mediation aktuell: Wie kommen Sie an Fälle? (Datenbanken? Persönl. Empfehlungen? Berufl. Kontext?) Was ist aus Ihrer Sicht das erfolgreichste Vorgehen in der Akquise?

Hufschmidt: An Fälle komme ich durch meine seit Anbeginn durchgeführten Vortrags- sowie Lehr- und Ausbildungstätigkeiten an verschiedenen Hochschulen in ganz Deutschland sowie der IHK Berlin und Potsdam. Ansonsten über persönliche Empfehlungen; immer häufiger interessanterweise durch Anwaltskollegen, die zuvor auf der Gegenseite in Gerichtsverfahren standen. Die persönliche Überzeugungskraft ist aus meiner Sicht der wichtigste Schlüssel zur erfolgreichen Akquise – gepaart mit Authentizität.

Mediation aktuell: Gibt es etwas, das Sie Mediatoren, die über eine Selbstständigkeit nachdenken, mit auf den Weg geben möchten?

Hufschmidt: Das Vertrauen in sich selbst nicht aufgeben! Es ist ein Weg, der v i e l Geduld abfordert - mit sich und anderen und im Grunde zunächst das Prinzip der Mediation widerspiegelt, nämlich »den Weg der Verlangsamung«. Es wird eine ganze Weile dauern, bis regelmäßig Mediationen durchgeführt werden können. Auch deshalb habe ich mich bereits frühzeitig vielseitig aufgestellt. Außerdem ist es gut, wenn man »gute Geister« um sich hat. Damit meine ich die Familie, Freunde und Kollegen, die an einen glauben, einen motivieren, aber sich auch nicht scheuen einen ehrlichen, konstruktiven Denkprozess anzustoßen und zu begleiten.

Mediation aktuell: Haben Sie ein persönliches Motto oder Lieblingszitat, das Sie begleitet?

Hufschmidt: Ich habe gleich mehrere, hier zwei meiner liebsten von Sören Kierkegaard: »Das Große ist nicht dies oder das zu sein, sondern man selbst zu sein« und »Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden«.

 

Sabine Hufschmidt

Quellberuf: Rechtsanwältin und Mediatorin

www.hufschmidt-kanzlei.de

sh@hufschmidt-kanzlei.de

Wartburgstraße 4, 10823 Berlin

Schöne Aussicht 8c, 61348 Bad Homburg

 

 

 

 

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