Inwieweit befürworten und unterstützen Rechtsanwälte Mediation?

Wissenschaft und Forschung
Inwieweit befürworten und unterstützen Rechtsanwälte Mediation?

von Prof. Dr. Katharina Kriegel-Schmidt

Prof. Dr. Katharina Kriegel-Schmidt

 

Was sind die Gründe, aus denen Rechtsanwälte in hochgradig eskalierten Trennungskonflikten bei grenzüberschreitenden Kindesentführungen durch einen Elternteil Mediationsverfahren unterstützen oder ablehnen?

Eine qualitative Interview-Studie untersuchte diese Fragestellung.

 

Die Antworten dieser Befragungen liefern erste empirische Hinweise darauf, dass es problematisch ist, Rechtsanwälte – wie in vielen Anwendungsfeldern der Mediation derzeit üblich – in Befürworter und Gegner von Mediation zu unterteilen. Vielmehr verweisen die Ergebnisse aus den Interviews auf ein komplexes Bedingungsgefüge für die Unterstützung von Mediation.

Aus der Studie lassen sich Rückschlüsse auf die Motivation von Anwälten als Interaktionsprodukt verschiedener Bedingungen ziehen. Diese werden anhand eines Modells äußerer Faktoren und subjektiver Voraussetzungen rekonstruiert.

»Dafür oder dagegen?« Diese Frage kann der Untersuchung zufolge kaum mehr als geeignetes Konzept für ein Nachdenken über Mediationsakzeptanz von Rechtsanwälten bezeichnet werden.

Die Studie gewährt differenzierte Einblicke in ein spezifisches Handlungsfeld von Rechtsanwälten, schlüsselt Bedingungen, Haltungen und Handlungen auf, wenn es um Mediation geht und leitet Handlungsempfehlungen ab.

Die Ergebnisse der Untersuchung – durchgeführt im Auftrag von MiKK e.V. (Mediation in Internationalen Kindschaftskonflikten) – wurden 2014 in Den Haag auf einer internationalen Konferenz unter dem Titel »LEPCA« (Lawyers in Europe on Parental Child Abduction) erstmals präsentiert.

 

Hinweis:

Autorin der Studie ist Frau Dr. Katharina Kriegel-Schmidt, Vertretungsprofessorin des UNESCO Lehrstuhls Heritage & Intercultural Studies an der BTU Cottbus. Im Fachportal Mediation aktuell des Wolfgang Metzner Verlages wird die auf Englisch verfasste Studie demnächst im E-Book-Format einem deutschsprachigen Publikum zur Verfügung gestellt.