»Kommunales Konfliktmanagement fördern und Integration konstruktiv gestalten«

Interkulturelle Mediation
»Kommunales Konfliktmanagement fördern und Integration konstruktiv gestalten«

Interview mit der Leiterin der Koordinierungsstelle Kommunaler Integrationszentren (LaKI) in NRW Christiane Bainski

Christiane Bainski

Die »Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI)« in NRW führt in Kooperation mit der Akademie der Ruhr-Universität Bochum das Projekt »Kommunales Konfliktmanagement fördern: Teilhabe und Integration konstruktiv gestalten« durch, das von der Stiftung Mercator gefördert wird.

Ein Modellprojekt mit Vorbildfunktion auch für andere Bundesländer.

Am 8. Februar 2012 wurde das Teilhabe- und Integrationsgesetz im nordrhein-westfälischen Landtag beschlossen. Mit diesem Gesetz sollte eine vorausschauende, aktivierende und unterstützende Integrationspolitik für alle ermöglicht und das Bewusstsein der Menschen mit und ohne Migrationshintergrund für gegenseitige Offenheit, Toleranz, Respekt und Veränderungsbereitschaft gefördert werden. Ein Kernpunkt des Gesetzes ist die Förderung Kommunaler Integrationszentren (KI) als flächendeckendes Angebot für alle Kreise und Kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen. Die zentrale Koordinierung wird durch die »Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI)« ermöglicht.

Welche Funktion und Aufgabenstellung hat diese Koordinierungsstelle, die organisatorisch als Dezernat 37 der Bezirksregierung Arnsberg angeschlossen ist und ihren Sitz in Dortmund hat?

Wir hatten Gelegenheit zu einem Gespräch mit der Leiterin der LaKI, Christiane Bainski, um die Aufgaben dieser Einrichtung vorzustellen.

 

Frau Bainski, die LaKI koordiniert die Arbeit der Kommunalen Integrationszentren in Nordrhein-Westfalen - wie ist diese Struktur aufgebaut?

Christiane Bainski: In NRW können seit 2012 in allen Kreisen und kreisfreien Städten Kommunale Integrationszentren (KI) eingerichtet werden, die vom Land gefördert werden. Insgesamt existieren inzwischen 53 von 54 möglichen KI auf der Grundlage des Teilhabe- und Integrationsgesetzes des Landes NRW.

Die Kommunalen Integrationszentren verstehen Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe. Sie vernetzen integrationsrelevante Akteure in den Verwaltungen, bei den freien Trägern und in den Migrantenselbstorganisationen. Sie bündeln ihre Aktivitäten und stimmen sie in den Kommunen aufeinander ab. Dabei kommt der Integration durch Bildung eine zentrale Bedeutung zu. Die inhaltliche Ausgestaltung führt in den Kommunalen Integrationszentren die beiden Strategien »Integration durch Bildung« und »Integration als Querschnittsaufgabe« zusammen. In diesem Rahmen ergänzen sie die bisherigen kommunalen Aktivitäten in den Bereichen Bildung und Querschnitt und machen damit das Thema »Integration« zu einem wichtigen Feld kommunaler Arbeit und Politik. Die Kommunalen Integrationszentren sollen zu einer verbesserten Transparenz und einer Verstetigung vorhandener Angebote der Integrationsarbeit beitragen. Das erfordert eine enge Kooperation mit den Akteuren vor Ort.

Das heißt also, dass alle KI die gleichen Aufgaben haben.

Christiane Bainski: Im Prinzip ja, aber es gibt Unterschiede in den Handlungsfeldern, die die KI bearbeiten. Hintergrund ist, dass nicht alle Integrationsaufgaben in den beiden Bereichen Bildung und Integration als Querschnittsaufgabe gleichzeitig übernommen werden können. Daher wählen die Kommunen jeweils einen Schwerpunkt im Bildungsbereich und einen im Querschnittsbereich, in denen sie prioritär arbeiten. Schwerpunktsetzungen sind z.B. durchgängige Sprachbildung entlang der Bildungskette beginnend in der frühen Bildung oder in der Primarstufe, interkulturelle Schulentwicklung, sprachsensibler Unterricht in allen Fächern  oder Bildungs- und Erziehungspartnerschaften mit Eltern. Im Schwerpunktbereich „Integration im Querschnitt“ kann es z.B. das Handlungsfeld interkulturelle Seniorenarbeit oder Integration in Arbeit sein – Prinzipiell geht es immer darum, die Zugangsbarrieren für Menschen mit Migrationshintergrund abzubauen, also um die Öffnung der Regelstrukturen und gleiche Teilhabechancen für alle. Zudem sind die jeweiligen lokalen Gegebenheiten unterschiedlich, so dass passgenaue Angebote für die jeweilige Struktur entwickelt werden müssen

Was genau wird in den KI finanziert?

Christiane Bainski: Ursprünglich finanzierte das Land zwei Stellen für SozialarbeiterInnen bzw. SozialpädagogInnen, eine Verwaltungsfachkraft sowie eine halbe Assistenzkraft. Zudem wurden zwei Lehrkräfte in das KI abgeordnet. Inzwischen, insbesondere bedingt durch die Neuzuwanderung, wurde diese Grundausstattung noch einmal erhöht, durch weitere Abordnungen von Lehrkräften sowie weitere landesfinanzierte Stellen. Hierbei wurden aber die unterschiedlichen Bedingungen in Kreisen und kreisfreien Städten berücksichtigt, wodurch die Kreise diesmal besser bedacht sind als die kreisfreien Städte. Darüber hinaus legte das Land ein Programm zur Unterstützung des Ehrenamtes in der Arbeit mit Geflüchteten auf mit dem Namen KOMM-AN NRW, wodurch ebenfalls zunächst zeitlich befristet weitere Stellen sowie Fördermittel in die KI kamen, aber damit verbunden natürlich auch neue Aufgaben in der Koordination der Ehrenamtsarbeit.

Wie sieht in diesem Komplex die Aufgabe der LaKI aus?

Christiane Bainski: Unsere Aufgaben sind sehr vielfältig und reichen von der Beratung der Kommunen bei der Einrichtung und Strukturveränderung eines kommunalen Integrationszentrums bis hin zu Fortbildungen für das Fachpersonal und die Organisierung des landesweiten Austausches.

Wir arbeiten eng mit WissenschaftlerInnen und guter Praxis in allen Bereichen der Integrationsarbeit zusammen, um sowohl den Auftrag des Landes umzusetzen als auch zur Qualitätsentwicklung, Qualitätssicherung und weiteren Professionalisierung der KI beizutragen. Wichtig ist uns immer der enge Zusammenhang zwischen der Praxis vor Ort unter Einbeziehung aktueller Erkenntnisse. Somit sehen wir unsere Aufgabe auch darin, darauf hinzuwirken, dass alle Kommunalen Integrationszentren den möglichst gleichen qualitativen fachlichen Standard erreichen und dass auch der Austausch und Transfer der KI untereinander in inhaltlichen und organisatorischen Fragen sichergestellt wird.

Wo stehen die KI in diesem Prozess?

Christiane Bainski: Ende des Jahres  2015 waren die Umwandlungs- und Neuerrichtungsphase der KI im Wesentlichen abgeschlossen. Die KI haben sich parallel zu diesen organisatorischen Entwicklungsprozessen konzeptionell entwickelt. Somit begann in 2016 die Phase der Weiterentwicklung, Profilbildung und Tiefenschärfung. Diese Einschätzung wurde auch durch die Evaluation des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) vorgenommen.

Frau Bainski, wir bedanken uns für das Gespräch.


J. G. Heim  

Weitere Hinweise zur LaKI finden Sie hier.