Konfliktlösung im Land der aufgehenden Sonne (Hiroshima)

Familienmediation
Konfliktlösung im Land der aufgehenden Sonne (Hiroshima)

Ein kleiner Japan-Blog Berliner Mediatoren – Teil 2 aus Hiroshima

Zwei Mediatoren in Japan

Zwei Mediatoren aus Berlin auf dem Weg nach Japan Christoph Paul und Christian von Baumbach reitsen als Vertreter von »MiKK e. V. International Mediation Centre for Family Conflict and Child Abduction« nach Japan, um an dortigen Universitäten Trainingsstunden über »Cross-Border Family Mediation« zu geben.

Doch sie wollen nicht nur japanische MediatorInnen ausbilden, sonder auch Kontakte knüpfen, Erfahrungen austauschen und gemeinsame Standards für binationale Fälle erarbeiten.

 

Wir begleiten die beiden Reisenden und berichten in unserem Japan-Blog von ihren Erfahrungen und Begegnungen.

Nach ihrem ersten Bericht mit einer Einführung in das Chotei - ein bekanntes japanisches Verfahren zur Streitbeilgung – begleiten wir sie heute von Osaka nach Hiroshima.

Modul Onlinemediation

Die Onlinemediation spielt in Japan aufgrund der großen räumlichen Entfernungen bei grenzüberschreitenden Familienverfahren eine große Rolle. Dafür kommt bisher hauptsächlich Skype zum Einsatz. Die zentrale Behörde evaluiert derzeit alternative Programme. Im Seminar haben wir die Vor- und Nachteile von Skype, Adobe Connect und Zoom besprochen.

Schnell wurde klar, dass es die perfekte Lösung bisher weder in Deutschland noch in Japan gibt.

Die japanischen AnwältInnne und MediatorInnen berichteten von ihren Praxisfällen. Dabei bestand das Problem, dass sich Eltern allein vor dem Computer isoliert und verloren fühlen. Dagegen könnte das MiKK-Modell - mit einem Mediatorenteam, das die Kultur, Sprache und Geschlechter beider Eltern abbildet - hilfreich sein. Wünschenswert wäre außerdem, dass sich die Co-MediatorInnen persönlich kennen, um eine gute Zusammenarbeit zu ermöglichen. Der persönliche Kontakt war den japanischen MediatorInnen sehr wichtig.

Die TeilnehmerInnen äußerten großes Interesse daran, in dem Bereich Online-Mediation weiter mit MiKK zu kooperieren, um langfristig gemeinsame Arbeitsweisen und Methoden zu entwickeln. Dafür wurde unter anderem angeregt, Online-Rollenspiele mit deutschen und japanischen MediatorInnen durchzuführen.

Hiroshima

In Hiroshima besichtigten wir die Gedenkstätte, die an den Atombombenabwurf erinnert und eindringlich vor den schrecklichen Folgen von Atomwaffen warnt. Die gezeigten Bilder der zerstörten Stadt und der Opfer schlagen schwer aufs Gemüt. Aber wir waren dankbar für die Auseinandersetzung mit der bitteren Geschichte, und die freundlichen, lebensfrohen Menschen in der Stadt konnten uns wieder aufheitern. Im angrenzenden Friedenspark schlugen wir die Friedensglocke und wünschten uns, dass Mediation zu einer friedlichen Welt beitragen kann.

Eine der von der World Peace Bell Association gestifteten Weltfriedensglocken steht übrigens im Volkspark Friedrichshain in Berlin. Wer also auch eine Glocke für den Frieden schlagen möchte, muss dafür nicht unbedingt nach Japan fliegen.

 

 J. G. Heim 

 

 In Kürze folgt hier der nächste Bericht unserer Berliner Mediationstrainer.

 

 

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