»Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft – Entwicklungen eines Jahrzehnts«

Wissenschaft und Forschung
»Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft – Entwicklungen eines Jahrzehnts«

Abschluss einer Studienserie der Europa-Universität Viadrina und PwC Frankfurt/Main

»Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft – Entwicklungen eines Jahrzehnts«

 

Über einen Zeitraum von zehn Jahren begleiteten die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Frankfurt am Main die Entwicklungsprozesse im Konfliktmanagement deutscher Unternehmen.

In der Tagung »Konfliktmanagement V: Veränderungen eines Jahrzehnts. Zukunftsimpulse« an der Bucerius Law School in Hamburg wurde nun die fünfte und abschließende Studie vorgestellt. Sie widmet sich der quantitativen Analyse der maßgeblichen Entwicklungen im unternehmerischen Konfliktmanagement zwischen 2005 und 2015.

Über einen Zeitraum von 10 Jahren ist die Akzeptanz und der Einsatz aussergerichtlicher Streitbeilegungsverfahren in der deutschen Wirtschaft wissenschaftlich untersucht und die Untersuchungsergebnisse in fünf Studien veröffentlicht worden. Die Autoren der fünften Studie »Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft – Entwicklungen eines Jahrzehnts« stellen fest, dass statt der erhofften »Revolution« in Sachen alternativer Streitbeilegungsverfahren und Mediation im Unternehmenskontext eine »Evolution« über den Untersuchungszeitraum zu beobachten sei. Das Interesse von Unternehmen an den Einsatzmöglichkeiten und an alternativen Streitbelegungsverfahren insgesamt seien zwar kontinuierlich gestiegen, allerdings spiegele sich dieses Interesse nicht in einer entsprechenden Nachfragesteigerung wieder. »Eine Revolution in Sachen Konfliktbearbeitung wäre wohl spektakulärer gewesen; als nachhaltiger wird sich aber eine kontinuierliche Evolution erweisen, ...« so die Autoren.

Die gesamte Studienserie profitierte von wertvollen Anregungen sowie der Unterstützung und Mitarbeit zahlreicher Akteure aus Wissenschaft und Praxis, insbesondere von Vertretern des Round Table Mediation und Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft (RTMKM) sowie zahlreicher Studierender des Masterstudiengangs Mediation der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder).

Damit kam ein – im deutschsprachigen Raum bislang einzigartiges – Langzeitprojekt der empirischen handlungsorientierten Forschung zum Konfliktmanagement deutscher Unternehmen zu einem Ende.

Prof. Dr. Ulla Gläßer, Professorin für Mediation, Konfliktmanagement und Verfahrenslehre der Europa-Universität Viadrina, stellte fest, dass die Studie drei zentrale Zukunftsthemen für Unternehmen mit Blick auf Konflikte identifiziert:


»Konfliktkompetenz wird zentraler Bestandteil eines zeitgemäßen Führungsverständnisses«,

• »Führungskräfte werden sensibler für Konflikte in ihrem Umfeld. Sie integrieren mediative Elemente in ihre eigene professionelle Kommunikation und nutzen souveräner die Unterstützung neutraler Dritter für die Konfliktbearbeitung in ihren Zuständigkeitsbereichen.« und

• »Für viele Unternehmen stehen weitere Professionalisierungen ihrer Konfliktmanagement-Strukturen und der Ausbau der Schnittstellen zum Beschwerde-, Risiko- und Gesundheitsmanagement an. Höchste Priorität legen die Unternehmen auf die Stärkung von Ansätzen zur Konfliktprävention, die von einer professionellen Vorbereitung von Verhandlungen über differenzierte Streitbeilegungsklauseln bis hin zu optimierungsorientierten Feedback-Systemen reichen.«


In der Rückschau kommentierte Prof. Dr. Lars Kirchhoff, Direktor des Instituts für Konfliktmanagement der Viadrina (Zitat):

»Anders als in den USA oder Frankreich gehen in Deutschland bislang die wichtigsten Impulse zum Thema Konfliktmanagement von den Unternehmen selbst aus. Es wird interessant sein zu sehen, wie der Markt auf die immer deutlicher werdenden Signale der Unternehmen reagieren wird, bei Konflikten das ganze verfügbare Spektrum an Verfahren passgenau nutzen zu wollen.«


Die Abschlussstudie finden Sie entweder auf der Seite der Europa-Universiät Viadrina oder Sie können diese bei PwC Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Frankfurt am Main beziehen.