Konfliktvermeidung stört die Harmonie?

Aus der Praxis
Konfliktvermeidung stört die Harmonie?

Fünf Strategien für eine erfolgreiche Konfliktklärung

Kirstin Nickelsen

Konfliktvermeidung stört die Harmonie?

 

Konflikte in Teams, Projekten und Unternehmen gehören zur »Tagesordnung«. Ein ungelöster Streit ruft bei vielen Menschen Angst und Emotionen hervor.

Jeder greift zur individuellen Konfliktvermeidungsstrategie, die meistens dafür sorgt, dass die Konfliktsituation noch schlimmer wird.

Wie Sie das Harmoniebedürfnis und die Konfliktsituation in Einklang bringen, lesen Sie hier.

 

 

Fördern Sie die Harmonie, indem Sie Konflikte klären.

Menschen, denen Harmonie ein wichtiges Bedürfnis ist, wünschen sich, dass ein Konflikt gar nicht erst entsteht. Ab einem gewissen Punkt steigen sie in Diskussionen aus: meist dann, wenn es wirklich spannend wird – zumindest, wenn es um Unterschiede und Diskrepanzen geht. Doch ausgerechnet Menschen, die nicht streiten wollen, tragen dazu bei, dass der Konflikt nicht geklärt und somit bis zur nächsten Situation nur noch verstärkt wird. Sie legen mit ihrem Harmoniebedürfnis einen »Deckel auf den Topf mit dem heißen Wasser« und hoffen, das Wasser würde abkühlen. Auf Dauer gelingt dies wirklich selten.

Wenn Ihnen Harmonie wichtig ist, tragen Sie zur »Eskalation« aktiv bei.

Menschen mit großem Harmoniebedürfnis gehen schwierigen Gesprächen und Konfliktsituationen gerne aus dem Weg.

Die folgenden Punkte können hilfreich sein, um die Klärung der Situation dennoch zu befürworten:

1. Beobachten Sie Ihr Verhalten.

In den meisten Fällen sind es Ängste, die Menschen daran hindern, dem Konflikt aktiv zu begegnen, schlechte Erfahrungen aus früheren Situationen werden gerne als Referenz herangezogen. Wann sprechen Sie Konflikte nicht an, wann gehen Sie ihnen aus dem Weg? Was ist der Grund dafür?

2. Prüfen Sie Ihre Ängste.

Finden Sie heraus, was genau Ihnen Angst macht und setzen Sie sich mit Ihren Befürchtungen ehrlich auseinander.
Leicht geschrieben, oft schwierig umgesetzt: Bleiben Sie am Ball und laufen nicht vor sich selbst weg. Was Sie für sich geklärt haben, werden Sie den Rest Ihres Lebens immer wieder nutzen können -  ein echter Gewinn für Sie! Differenzieren Sie Erfahrung und die aktuelle Konfliktsituation so gut Ihnen das möglich ist. Begeben Sie sich auf Spurensuche, wann Sie mutig und Konflikte angesprochen haben und so zu einer Lösung beitragen konnten.

3. Klären Sie Konflikte so schnell wie möglich.

Je schneller Sie ein Missverständnis oder einen Konflikt klären, desto zügiger werden Sie die Situation lösen. Machen Sie sich klar, dass jedoch nicht der Harmoniedeckel für Frieden sorgt, sondern ein wirklich ehrliches Gespräch.
Hier gilt in der Tat der Umkehrschluss:
Je länger Sie warten, desto schwieriger und länger dauert die Klärung. Die kleine, an Ihrer Tür klopfende Streitsituation will nicht mehr als Ihre Aufmerksamkeit. Geben Sie diese in Form eines Klärungsgespräches, ist die Angelegenheit meistens schnell gelöst.

4. Lassen Sie »Klarheit« entstehen.

Wenn Sie Konflikte lieber vermeiden, so machen Sie sich eines klar: Sie tragen mit diesem Verhalten dazu bei, dass keine »Harmonie« bzw. Klarheit entstehen kann. Sie sorgen mit dieser Strategie dafür, dass der Konflikt u.U. eskaliert, zumindest aber sich sehr lange fortsetzt. Der Kollege nervt Sie, macht seine Arbeit nicht richtig, die Kollegin vergisst ständig, Sie in den Mail-Verteiler mit aufzunehmen? Klären Sie es zügig, stehen Sie für sich ein, damit nicht am Ende Sie der Mensch sind, der unnötig leidet, Magenschmerzen bekommt, sich ärgert und nicht mehr mit Spaß bei der Arbeit ist. Wissen Sie um die Tatsache, dass Konflikte normal sind und lediglich der Umgang mit ihnen darüber entscheidet, wie zügig, oder eben auch nicht sie geklärt werden.

5.»Verraten« Sie Ihre Wünsche und Erwartungen nicht.

Mit einer unreflektierten Konfliktvermeidung »verraten« Sie sich selbst, weil Sie sich nicht ernst nehmen. Das mag auf den ersten Blick für Sie als harmoniebedürftiger Mensch nicht sinnvoll erscheinen. Doch wenn Sie Teil des Konfliktes sind, dann geht es auch um Ihre Wünsche und Erwartungen. Und die sollten Sie ernst nehmen und dafür einstehen; auch und besonders in Situationen, in denen es etwas schwieriger wird.

Fazit

Sie können mit diesen Strategien Ihre Konflikte lösen, wenn Sie nicht vergessen: »Wer zu viel Harmonie sät, erntet sehr schnell Eskalationen.«

 

 

Über die Autorin


Kirstin Nickelsen ist seit dem Jahr 2000 als Wirtschaftsmediatorin und Trainerin tätig. Als Autorin schreibt sie Bücher und Kolumnen über gelöste Konflikte und klare Worte, u.a. für die Freundin.

http://www.kirstin-nickelsen.de/

 

 

 

 

 

Literaturempfehlung 
Friedman, Himmelstein: Konflikte fordern uns heraus
Friedman, Himmelstein

Mediation als Brücke zur Verständigung
mit je einem Vorwort von Lis Ripke und Gisela und Hans-Georg Mähler

Details
38,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 346 Seiten, im September 2013 erschienen