Das Kursangebot der Alice Salomon Hochschule Berlin (Interview)

Interviews mit Ausbildungsinstituten
Das Kursangebot der Alice Salomon Hochschule Berlin (Interview)

von Jürgen G. Heim

ASH Berlin

In unserer neuen Mediation aktuell Reihe »Ausbildung Mediation – eine interdisziplinäre Qualifizierung« stellen wir Institute, Akademien und Weiterbildungseinrichtungen mit ihren Lehr- und Praxisangeboten für angehende Mediatorinnen und Mediatoren vor. Die Fragestellung orientiert sich an der Mediation aktuell Synopse »Zertifizierung (ZMediatAusbV) und Abschlüsse von internationalen Mediationsverbänden«.

 

Die Ausbildung »Mediation – professionelle Konfliktbearbeitung« wird von Lisa Hinrichsen geleitet und steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Susanne A. Benner. Der Zertifikatskurs ist als Weiterbildung der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH) angelegt, als Weiterbildungslehrgang durch die Zentralstelle für Klinische Sozialarbeit (ZKS) geprüft und als qualifizierte Ausbildung von der Stiftung Warentest anerkannt.

Nach erfolgreicher Absolvierung wird ein Hochschulzertifikat verliehen, das 19 Credit Points auf Master Niveau gewährt und den Standards des Bundesverbandes Mediation entspricht.

 

1. Ausbildungskonzept und Schwerpunkte

Worauf legen Sie in Ihrem Ausbildungskonzept besonderen Wert?

Wir legen besonderen Wert auf eine strukturierte und fundierte Grundausbildung, die mediative Methodenkompetenz sowie Haltungs-, und Handlungssicherheit vermittelt. Ab der Halbzeit der Ausbildung wird diese Grundausbildung durch eine Spezialisierung und Vertiefung abgerundet, wobei neben einem Überblick und Beispielen aus den verschiedensten Anwendungsbereichen der Mediation insbesondere die Mediation in Organisationen und die Familienmediaton vertieft wird. Hierbei findet ein kultursensibler Ansatz Antworten auf die immer komplexer werdende Realität unserer multikulturellen Gesellschaft und die internationalisierten Arbeitszusammenhänge; das Ausschöpfen kreativer Möglichkeiten (z. B. Theater, Storytelling) findet dabei besondere Berücksichtigung.

2. Kompetenz und Erfahrung

Über welche Mediations- und Ausbildungs-Qualifikationen verfügen die Ausbilder?

Lisa Kosman ist Volljuristin, gelernte Rechtsanwältin, Mediatorin BM® und Ausbilderin BM®, Klärungshelferin, Biographieberaterin, Mitglied der Anerkennungskommission des Bundesverbandes Mediation e. V. (BM) und aktive Playbacktheater-Spielerin. 

Hanna Milling, Dr. phil. und Dipl. Kulturwirtin, erfahren in der Forschung zu Fremd- und Selbstwahrnehmung sowie zu internationalem Konfliktmanagement, Trainerin, Mediatorin BM® und Ausbilderin BM®, ausgebildete Klärungshelferin und Playbacktheater-Spielerin.

Schon seit langem sind wir für diese oder/und andere Ausbildungen tätig, Frau Milling etwa für eine bi-nationale deutsch-französische Mediationsausbildung, Frau Kosman langjährig – mit über 40 Durchgängen – in der Ausbildung von Schulmediatoren.

Wie viele Absolventen (ca.) konnten Sie seit wann erfolgreich ausbilden?

Der aktuelle Kurs ist der 27. Durchgang an der ASH mit rund 380 Absolventen, die Leitung dieser Ausbildung haben wir inzwischen im 6. Durchgang inne – mit 84 Absolventen.

3. Voraussetzungen und Kursgröße

Welche verbindlichen Zulassungsvoraussetzungen bestehen für Interessenten?

Die Aufnahme erfolgt durch ein Bewerbungsverfahren. Teilnahmevoraussetzungen sind ein Hochschulabschluss und relevante Berufserfahrung. Der Hochschulabschluss kann im Einzelfall durch einschlägige Arbeitserfahrung ersetzt werden. Überdies sind die Darlegung der eigenen Motivation und die Bereitschaft zu Selbstreflexion ausschlaggebend.

Wie groß sind Ihre Ausbildungskurse maximal?

Wir nehmen maximal 14 Personen pro Kurs auf.

Wie viele Fachausbilder begleiten einen Kurs in Theorie und Praxis?

Die Ausbildung wird durchgehend von zwei Ausbilderinnen begleitet: die Grundausbildung von Frau Kosman und Frau Milling; zu den Vertiefungs- und Schwerpunktmodulen kommen vier bis fünf externe Referenten (Ausbilder BM®, Juristen) sowie zwei Supervisorinnen (Ausbilderinnen BM®, Supervisorinnen DGSV) hinzu.

4. Zeitlicher Rahmen und Struktur

Wie lange dauert die Mediationsausbildung? Wie ist der Kurs zeitlich angelegt?

Die Ausbildung dauert zwischen 14 bis 16 Monate und umfasst 11 Module. Es gibt einen langen Startblock (Mittwochnachmittag bis Sonntagmittag) und ein langes Abschlussmodul (Mittwochmittag bis Sonntagmittag) in einem externen Seminarzentrum auf dem Land. Ansonsten finden die Module an Wochenenden (Freitagnachmittag bis Sonntagabend) statt. Die Ausbildung verläuft berufsbegleitend und ist als Bildungsurlaub anerkannt. Das Zertifikat bescheinigt einen Gesamtworkload von 300 Stunden. Darin enthalten sind 180 reine Ausbildungspräsenzstunden, 30 Supervisionsstunden, 50 Intervisionsstunden und 40 Stunden Selbststudium (Details).

5. Qualitätskriterien der Ausbildungsinhalte

An welchen fachlichen Kriterien orientiert sich Ihr Ausbildungs-Curriculum?

Wir legen besonderen Wert auf eine Balance zwischen wissenschaftlichem Anspruch und handlungsorientiertem Praxisbezug sowie auf einen ganzheitlichen Lernansatz, der sich aus vier gleichwertigen Komponenten zusammensetzt:

1) umfassende Wissensvermittlung,

2) praktische Aneignung von Methoden und Techniken,

3) Selbstreflexion und Selbsterkenntnis und

4) Haltungsschulung.

Die Präsenzmodule haben einen sehr hohen Praxisanteil, der durch unsere ausführlichen Skripte mit theoretischem Hintergrund, aktuelle Diskussionen und Strömungen sowie weiterführende Literatur ergänzt wird.

Weiterhin legen wir besonderen Wert auf die biographische Einbettung und begleitete Entwicklung eines eigenständigen MediatorInnen-Profils, d. h. die Teilnehmer starten mit einem klar erarbeiteten Profil in die Praxis: Was ist meine MediatorInnenpersönlichkeit? In welchen Kontexten möchte ich arbeiten? Wie möchte ich arbeiten? Wo sind meine Stärken und Schwächen? Was sind meine Ressourcen? Welche Netzwerke kann ich nutzen und was sind meine nächsten Schritte?

Gibt es eine regelmäßige Qualitätskontrolle (Qualitätsmanagement) – auch durch die Teilnehmer?

Jedes Modul wird schriftlich und anonym von den Teilnehmern evaluiert und von der Hochschule ausgewertet.

Wir Ausbilderinnen gehen regelmäßig zur Supervision und nehmen am kollegialen Austausch u.a. den regelmäßigen Ausbildertreffen des Bundesverbandes Mediation e.V. (BM) teil.

6. Praxisfälle

Sind (reale) Praxisfälle, (reale) Co-Mediationen Bestandteil Ihrer Ausbildung?

Ein realer, selbstständig (allein oder in Co-Mediation) durchgeführter und nach BM-Kriterien dokumentierter Praxisfall ist Voraussetzung für den Erhalt des Zertifikates, bis zu vier Praxisfälle können (noch bis zu einem Jahr nach Ausbildungsabschluss) eingebracht und besprochen werden. Wir unterstützen die Teilnehmer im Finden des Falls und nehmen, wenn möglich, auch Auszubildende als Co-Mediatoren in eigene Mediationen mit.

Als Übungsfälle für Rollenspiele verarbeiten wir überdies nur echte von uns selbst mediierte (anonymisierte) Fälle und bieten den Teilnehmern die Gelegenheit, eigene Konfliktfälle einzubringen.

7. Abschluss

Welche Verbands-oder Zertifizierungskriterien erfüllt der Ausbildungsabschluss an Ihrem Institut? Sind die geplanten Vorgaben nach der neuen ZMediatAusbV bereits berücksichtigt?

Die Ausbildung entspricht den Kriterien des Bundesverbandes Mediation e.V. (BM) und erfüllt die Vorgaben des Entwurfes der ZMediatAusbV.

8. Netzwerke für Alumni

Unterstützen Sie Absolventen durch die Vermittlung von Praxisfällen, Supervisions- oder Fortbildungsangebote oder Treffen für Alumni?

Wir unterstützen die Teilnehmer bei der Vernetzung untereinander und mit anderen Mediatoren (etwa Regionalgruppe BM), Ehemaligentreffen und eine offene Veranstaltungsreihe (in unregelmäßigen Zeitabständen, mindestens aber zweimal pro Jahr) mit Themen- und Austausch-Abenden rund um Mediation.

Mit welchem Leitmotto oder Zitat begleiten Sie Ihre Kursteilnehmer?

Ausbildung bedeutet nicht das Füllen eines Fasses, sondern das Entfachen eines Feuers. (Heraklit)

Liebe Frau Hinrichsen, wir danken für dieses Gespräch.

(Das Interview führte Jürgen Heim, Wirtschaftsmediator, Berlin, MA-Redaktion)

 

Weiterführende Links:

Weiterbildung der Alice Salomon Hochschule Berlin

 

Zusätzliche Informationen finden Sie in unserer Synopse »Zertifizierung (ZMediatAusbV) und Abschlüsse von internationalen Mediationsverbänden« und auf unserer Themenseite rund um die Ausbildung.

 

 J. G. Heim

 

 

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