Das Kursangebot Mediation als Organisationsentwicklung / Wirtschaftsmediation von inmedio Frankfurt

Interviews mit Ausbildungsinstituten
Das Kursangebot Mediation als Organisationsentwicklung / Wirtschaftsmediation von inmedio Frankfurt
inmedio Frankfurt Berlin
In unserer Interviewreihe »Ausbildung Mediation – eine interdisziplinäre Qualifizierung« stellen wir Institute, Akademien und Weiterbildungseinrichtungen mit ihren Lehr- und Praxisangeboten für Mediatorinnen und Mediatoren vor.
Die Fragestellung orientiert sich an der Mediation aktuell Übersicht »Zertifizierung (ZMediatAusbV) und Abschlüsse von internationalen Mediationsverbänden«.

 


Mediation aktuell im Gespräch mit Dr. Wilfried Kerntke, der zusammen mit Ljubjana Wüstehube 1997 inmedio gegründet hat. Heute arbeiten in den beiden Teilen des Instituts – Berlin und Frankfurt – dreizehn Beraterinnen und Berater. In Frankfurt am Main arbeiten die MediatorInnen Bernd Fechler, Wilfried Kerntke, Marcela Müllerová, Christine Oschmann, Angela Fuhrmann, Marie-Christine Henschen.

Wir schauen heute auf den Ausbildungsgang »Mediation als Organisationsentwicklung / Wirtschaftsmediation« in Frankfurt, der von Wilfried Kerntke und Bernd Fechler mit Marcela Müllerová geleitet wird.


1. Ausbildungskonzept und Schwerpunkte

Herr Dr. Kerntke, auf welche Schwerpunkte Ihres Ausbildungskonzepts legen Sie besonderen Wert?

Wir geben in der Ausbildung das weiter, was wir selbst praktizieren. Unsere eigenen Handlungskonzepte finden in der Fachcommunity Beachtung und werden diskutiert. Die TeilnehmerInnen der Ausbildung bekommen theoretisch fundierte Anleitungen, mit denen sie auf dem neuen Stand des Fachs sind.

Das ist in der Organisationsmediation nur möglich, wenn Offenheit zu benachbarten Fachdisziplinen herrscht.

Die Ausbildung ist - nach den Standards des Bundesverbands - generalistisch angelegt. Das bedeutet, sie ermöglicht ein Wachstum der Teilnehmenden in unterschiedliche Feldern und legt den ganz deutlichen Schwerpunkt auf Mediation in Unternehmen und Organisationen.
Die unterschiedlichen Herkunftsberufe und Zielsetzungen unserer TeilnehmerInnen (z. B. als Betriebs-/Personalräte, Führungskräfte in Unternehmen oder als freiberufliche BeraterInnen) werden im Ausbildungsgeschehen jeweils angemessen unterstützt.

Inhaltlich profitieren wir von unserer Praxis als systemische Organisationsberater ebenso wie durch unser Interesse an gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Wir scheuen uns nicht, Fragen nach der sozialen Verantwortung von (Unternehmens)Beratung und Mediation in einer Ausbildung zu stellen, die zunächst auf den Erwerb einer breiten Palette praktischer Skills ausgerichtet ist.

2. Kompetenz und Erfahrung

Über welche Mediations- und Ausbildungs-Qualifikationen verfügen Ihre Ausbilderinnen und Ausbilder?

Sie sind vor allem erfahrene Praktiker der Organisationsmediation. Darüber hinaus sind sie in der Fachwelt durch eigene Publikationen über die Gebiete, welche sie unterrichten, ausgewiesen. Und selbstverständlich sind sie als Ausbilder für Mediation vom Bundesverband Mediation anerkannt.


Wie viele Absolventinnen und Absolventen konnten Sie seit wann erfolgreich ausbilden?

Inmedio konnte seit der Institutsgründung im Jahr 1997 mit seinen frei ausgeschriebenen Ausbildungskursen und den Inhouse-Ausbildungen in Berlin, Frankfurt und an anderen Orten weit mehr als 1.000 MediatorInnen für die Praxis qualifizieren. Speziell den Ausbildungsgang »Mediation als Organisationsentwicklung« mit seinen kleinen Gruppen haben bislang knapp 100 TeilnehmerInnen erfolgreich abgeschlossen.

3. Voraussetzungen und Kursgröße

Welche verbindlichen Zulassungsvoraussetzungen bestehen für InteressentInnen?

Wir setzen keine formalen Kriterien an. Ein akademischer Abschluss ist keine Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme.


Wie groß sind Ihre Ausbildungskurse maximal?

Wir nehmen max. 16 bis 18 Teilnehmend in eine Lerngruppe auf.


Wie viele Fachausbilderinnen und Fachausbilder begleiten einen Kurs in Theorie und Praxis?

In der Regel arbeiten wir im Tandem. Auch kleine Gruppen profitieren von einer dichten Betreuung. Dazu laden wir zu einigen Modulen geschätzte Kolleginnen und Kollegen als GastdozentInnen ein. Unsere Teilnehmenden profitieren von dieser Vielfalt – fachlich und menschlich.

4. Zeitlicher Rahmen und Struktur


Wie lange dauert die Mediationsausbildung? Wie ist der Kurs zeitlich angelegt?

Die Grundausbildung im Umfang von 120 Stunden wird in einer in sich geschlossenen Kursgruppe absolviert. Für den weiteren Verlauf der Ausbildung bis zum vollen Umfang stehen Pflicht- und Wahlmodule zu einzelnen Themenbereichen zur Verfügung.

Ein Praxisprojekt zur Implementierung von Mediation in einer Organisation erstreckt sich über die Gesamtdauer der Ausbildung und wird intensiv betreut.

Die Teilnehmenden bekommen regelmäßig Feedback der Ausbilder über ihre fachliche Entwicklung.
Der erste eigene Mediationsfall jedes Teilnehmenden wird intensiv supervidiert.

Die gesamte Ausbildung lässt sich innerhalb von 15 Monaten absolvieren.

5. Qualitätskriterien des Ausbildungsinhaltes

An welchen fachlichen Kriterien orientiert sich Ihr Ausbildungs-Curriculum?

Die AbsolventInnen müssen in ihrem fachlichen Feld bestehen können. Als OrganisationsmediatorInnen benötigen sie dafür neben den sozusagen handwerklichen Fertigkeiten der Gesprächsführung auch eine erhebliche Portion an Feldkompetenz für Organisationen. Themenschwerpunkte wie der Umgang mit permanenter Veränderung oder sozialer und gesundheitlicher Stress, der zu Konflikten führt, ethische Dilemmata von Führung und Personalplanung, Globalisierung und Diversity finden besondere Berücksichtigung; ebenso für uns wichtige fachliche Bereiche und Beratungsdiziplinen wie die systemische Organisationsentwicklung nach Glasl (Trigon) oder die soziologische Anerkennungstheorie.
Nur wer hier sicher auftreten kann, hat eine Chance auf dem Markt. Das ist kein statisches Gebilde. Die Anforderungen an OrganisationsmediatorInnen wandeln sich so wie die Umwelt. Deshalb führen wir die AbsolventInnen auch dahin, dass sie mögliche neue Impulse identifizieren und in ihre Fachkompetenz integrieren können. Zur Hinführung gehört auch, dass wir die Teilnehmenden – als Bestandteil unserer Leistungen – mit einem Paket der wichtigsten Fachbücher ausstatten.

Gibt es eine regelmäßige Qualitätskontrolle (Qualitätsmanagement) – auch durch die Teilnehmer?
Ja. Die Grundlage bietet die Zertifizierungspraxis des Bundesverbandes. Darüber hinaus holen wir von unseren Gastdozenten Rückmeldung über ihren Blick auf den Ausbildungsstand unsrer Teilnehmer ein. Und selbstverständich ist das Feedback unserer Teilnehmer wichtig: durch tägliche Resonanzgruppen, regelmäßige Abschlussfeedbacks an den Modulenden und eine intensive schriftliche und mündliche Abschlussevaluation am Ende der Ausbildung. Mit dem unmittelbaren Bezug auf die Prozesse und Abläufe des Ausbildungsbetriebs, auf die Inhalte und die Qualität der Unterweisung und schließlich auf die Qualität der Ausbildungsstätten bieten diese Qualitätskontrollen die wichtigsten Anhaltspunkte für unser Qualitätsmanagement.

6. Praxisfälle

Sind (reale) Praxisfälle, (reale) Co-Mediationen Bestandteil Ihrer Ausbildung?

Wir lassen unsere Teilnehmenden bereits während der Ausbildung so viel wie möglich an unserer Praxis teilhaben. Das schließt mit ein, dass wir – wo es fachlich angemessen ist – angehende Kollegen bereits während der Ausbildung zur Mitarbeit in unsere Mandate holen. Garantieren lässt sich für den einzelnen Teilnehmenden die Mitarbeit bei uns nicht. Darüber hinaus fördern wir die kollegiale Vernetzung der Teilnehmenden untereinander. Viele Erstfälle ergeben sich aus diesen privaten und beruflichen Umfeldern von AusbildungskollegInnen, die diese aus Befangenheitsgründen nicht selbst mediieren können. An regelmäßigen Fachabenden können unsere Kundinnen und Kunden reale Praxisfälle einbringen und sich von der Ausbildungsgruppe beraten lassen.

7. Abschluss

Welche Verbands-oder Zertifizierungskriterien erfüllt der Ausbildungsabschluss an Ihrem Institut? Sind die geplanten Vorgaben nach der neuen ZMediatAusbV bereits berücksichtigt?

Wir erfüllen die Anerkennungsstandards des Bundesverbands Mediation. Die Zertifizierung durch den größten Mediationsverband Deutschlands ermöglicht die unkomplizierte Anerkennung auch durch die anderen namhaften Verbände wie BAFM oder BMWA, in der Schweiz den SdM/FSM oder in Österreich den ÖBM.

Unser eigener Anspruch ist der, dass die von uns ausbildeten Mediatorinnen und Mediatoren in ihrer Praxis von Anfang an eine sehr gute Figur machen können. Sie gelten als besonders qualifiziert und sind wichtige Gesprächspartner ihrer ersten Kunden.

Die Vorgaben, welche die neue ZMediatAusbV vorsieht, werden bereits von unserer Grundausbildung erfüllt. Unser eigener Anspruch ist es, dass die AbsolventInnen bereits nach dieser Grundausbildung in der Lage sind, Mediationen fachgerecht und kompetent zu leiten.

8. Netzwerke für Alumni

Unterstützen Sie Ihre Absolventinnen und Absolventen durch die Vermittlung von Praxisfällen, Supervisions- oder Fortbildungsangebote oder Treffen für Alumni?

Für uns endet die Ausbildungsbeziehung nicht mit dem Abschluss. Wir halten über viele Jahre Kontakt mit unseren AbsolventInnen. Wir holen sie – da wo es passt – in unsere eigenen Mediationsaufträge zur Mitarbeit hinein, wir teilen neue Erfahrungen und Fachdiskurse mit ihnen, wir beraten sie, wo sie es sich wünschen. Durch die von uns mit gegründete Gesellschaft für Systemdesign und deren Konferenzen finden unsere AbsolventInnen Anschluss an kollegiale Zusammenhänge, die weit über die Ausbildung hinausweisen.

Und wir betreuen die von uns installierten Intervisionsgruppen. Meine eigene Intervisionsgruppe aus der von mir absolvierten OE-Ausbildung bei Friedrich Glasl hat elf Jahre lang zusammen gearbeitet; das ist für mich beispielhaft geworden. Mein Kollege Bernd Fechler trifft sich nun schon seit dreizehn Jahren regelmäßig zweimal im Jahr mit seinen AusbildungskollegInnen, mit denen seine Ausbildung zum systemischen Berater bei Fritz Simon absolviert hat. Im Teilnahmebeitrag der Ausbildung ist die umfassende Einzelsupervision für das erste eigene Mandat der Teilnehmenden eingeschlossen. Das gilt, wo erforderlich, auch noch ein paar Monate nach Abschluss der Ausbildung.

Bei den jährlichen Alumni-Treffen in Frankfurt präsentieren nicht nur die Ausbilderinnen und Ausbilder ihre neuen fachlichen Errungenschaften, sondern die Alumni selbst stellen ihre Praxis vor oder geben Impulse aus benachbarten Fachgebieten. Für viele von ihnen ist Mediation nicht die einzige Beratungsform in ihrem Portfolio. Die gelegentlichen gemeinsamen Treffen für die Alumni der beiden inmedio-Zweige Frankfurt und Berlin sind regelrechte Tagungen. Wir staunen immer wieder selbst, wie viel Kompetenz sich da bei allen Beteiligten zeigt.


Mit welchem Leitmotto oder Zitat begleiten Sie Ihre Kursteilnehmer?

Das wechselt natürlich immer wieder mal. Stets hat es etwas mit dem zu tun, was uns selbst gerade fachlich intensiv beschäftigt. Zur Zeit würde ich sagen: „Let's develop!". Unter diesem Motto hat die amerikanische Entwicklungspsychologin Lois Holzman (www.eastsideinstitute.org) gerade mit uns gearbeitet.

Auf Anfrage nennen wir gerne Absolventinnen und Absolventen, die InteressentInnen ausführlich über ihre Erfahrungen mit der Ausbildung und den anschließenden Praxiserfahrungen berichten. Außerdem stehen die AusbilderInnen gerne schon vor der Anmeldung zu einem eingehenden Gespräch zur Verfügung.
Unter www.organisationsmediation.de ist der Fachblog von inmedio Frankfurt publiziert. Hier teilen wir – vor allem mit unseren Kundinnen und Kunden, aber auch mit anderen Interessenten wie den Alumni und anderen KollegInnen – zeitnah und frisch das, was wir fachlich erarbeiten.

Herr Dr. Kerntke, wir danken für dieses Gespräch.

(Redaktion und Interview Jürgen G. Heim, Wirtschaftsmediator, Berlin.)

 

Dr. Wilfried Kerntke inmedio Frankfurt Berlin

Dr. Wilfried Kerntke


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 J. G. Heim

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