LEPCA-Konferenz in Den Haag vom 7. bis 10. Mai 2014

Cross-Border Mediation
LEPCA-Konferenz in Den Haag vom 7. bis 10. Mai 2014

von Christoph C. Paul

© Kornelia Boje: Kind am Flughafen

LEPCA – diese 5 Buchstaben stehen für Lawyers in Europe on Parental Child Abduction, also für Rechtsanwälte, die in Fällen grenzüberschreitender Kindesentführungen tätig werden. Der Ort für diese Konferenz war mit Bedacht gewählt: Die Stadt Den Haag beherbergt viele internationale Institutionen, von denen insbesondere der Internationale Gerichtshof regelmäßig Schlagzeilen macht. Die Konferenz fand im Friedenspalast statt, einem imposanten, 1913 fertig gestellten, Bau im Stil der Neorenaissance. Die teilnehmenden Anwälte, Richter und Mediatoren befassten sich in Fachvortragen und Workshops mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen internationaler Kindesentführung sowie deren Umsetzung in der Praxis. Außerdem wurden die Möglichkeiten gütlicher Einigungen der Eltern und deren Voraussetzungen thematisiert.

Gerichtliche Entscheidungen sind in diesem Zusammenhang häufig unbefriedigend, zumal sie zunächst nur auf die Rückführung der betroffenen Kinder abzielen, die anderen mit dem Ende der elterlichen Beziehung verbundenen Themen aber weiterhin offen bleiben. Mediation hat sich in diesen Verfahren oft als hilfreiche Alternative für eine nachhaltige Konfliktbeilegung erwiesen.

200 Teilnehmer aus 28 Ländern boten den Rahmen für die Demonstration einer Mediation in einem grenzüberschreitenden Entführungsfall. Der deutsche Vater hatte den 6-jährigen Sohn aus den Niederlanden entführt und die holländische Mutter begehrte die Rückführung nach Amsterdam. Unter der Moderation von Anke Löbel (BM/BAFM) wurden insgesamt drei Sequenzen von den Co-Mediatoren Sandra Fenn (reunite) und Christoph C. Paul (MiKK) demonstriert. Normalerweise dauern diese Mediationen etwa zwei Tage: Die Eltern schilderten zunächst ihren Konflikt, der in der Entführung eskalierte, dann wurden die Themen gesammelt und in der letzten Phase der Demonstration wurde mit der Ausformulierung der Abschlussvereinbarung begonnen. Die Eltern hatten sich auf eine Rückkehr von Vater und Sohn nach Amsterdam unter bestimmten Rahmenbedingungen geeinigt.

Die Demonstration war von einer Besonderheit geprägt: Die Verfahren internationaler Kindesentführung haben einen starken Bezug zum rechtlichen Rahmen. Eltern sind in diesen Verfahren normalerweise anwaltlich beraten. Um den auf der Konferenz mehrheitlich vertretenen und besonders spezialisierten Anwälten ein Gefühl für das Verfahren zu geben, wurde die parallel zur Mediation stattfindende Beratung der Eltern durch ihre Anwälte demonstriert. Beide Eltern wurden sowohl vor der Mediation als auch vor der Formulierung der Abschlussvereinbarung auf der Bühne von ihren beiden Anwälten beraten.

Im Vorfeld des Kongresses wurde eine Studie durchgeführt: Anwälte, die Erfahrungen mit Fällen grenzüberschreitender Kindesentführung haben, wurden zu ihrer Einstellung zu Mediation interviewt. Katharina Kriegel-Schmidt (Uni Cottbus) stellte parallel zur Moderation die Ergebnisse ihrer Untersuchung vor: welche Bedenken die Anwälte gegen Mediation haben, welche Chancen sie sehen und was sie benötigen, um ihren Mandanten Mediation zu empfehlen. Die Demonstration wurde mit einer lebhaften Diskussion beendet.
Anschließend boten Sybille Kiesewetter (MiKK) und Christoph C. Paul (MiKK) einen Workshop an zu dem Thema: Could this be a case for mediation? Mediation and abduction: what lawyers need to know and never dared to ask. Die Zahl von 70 Teilnehmern an diesem Workshop verdeutlichte das starke Interesse an dieser Thematik.

Christoph C. Paul

 

Literaturempfehlungen

»Cross-Border Family Mediation« herausgegeben von Christoph C. Paul und Sybille Kiesewetter.
Das englischsprachige Werk mit praxisbezogenen Mustern und Informationsblättern für Mediatoren und alle anderen Professionen im Umfeld grenzüberschreitender Familienmediation erscheint im Juni 2014 neu in zweiter, ergänzter und aktualisierter Auflage.

Cross-Border Family Mediation

 

»Internationales Familienrecht in der anwaltlichen Praxis« von Dr. Kerstin Niethammer-Jürgens ist ein Leitfaden durch die schwierige Materie internationaler Übereinkommen und europäischer Vereinbarungen, die Familienrechtsanwälte kennen müssen, um Familienkonflikte mit Auslandsbezug rechtlich korrekt lösen zu können. Mit Online Zugang zu den einschlägigen Rechtsnormen.

Internationales Familienrecht in der anwaltlichen Praxis


Weitere Artikel zum Thema

»Internationale Kindesentführung und Mediation in Russland«

»Grenzüberschreitende Mediation – wie funktioniert das?«

»Pflichtmediation in Italien – Teil I«