Lichtblick beim Zertifizierungs-Debakel

Zertifizierung
Lichtblick beim Zertifizierungs-Debakel

Kommentar von Prof. Dr. Reinhard Greger

Prof. Dr. Reinhard Greger

 

Die fünf bundesweit aufgestellten Mediationsverbände wollen, wie einer Mitteilung des Bundesverbands Mediation vom 12.6.2017 zu entnehmen ist, nunmehr selbst die Initiative für eine Qualitätssicherung bei Mediationsangeboten ergreifen und eine von der Deutschen Akkreditierungsstelle anerkannte Zertifizierungsstelle schaffen.

 

Damit ziehen die Verbände eine berechtigte, ja nahezu zwingende Konsequenz aus dem Umstand, dass das im MediationsG vorgesehene Zertifizierungsmodell sich nach einhelliger Einschätzung als ungeeignet erwiesen hat, die erstrebte Markttransparenz und Rechtssicherheit herbeizuführen. Zertifizierung bedeutet Überprüfung und Bestätigung, dass eine Person, ein Produkt oder eine Dienstleistung bestimmten Qualitätsstandards entspricht. Eine solche regelt das MediationsG aber nicht; es verwendet den Begriff Zertifizierung daher zu Unrecht und erreicht genau das Gegenteil des Bezweckten, nämlich Marktverwirrung und Vertrauensverlust.

Es ist zu wünschen, dass es den Verbänden gelingt, möglichst kurzfristig eine Zertifizierungsstelle zu errichten, die von der staatlich beliehenen Deutschen Akkreditierungsstelle anerkannt werden kann. Dass die fachlichen Voraussetzungen sich an der Rechtsverordnung nach § 6 MediationsG orientieren wollen, ist im Grundsatz berechtigt, sollte gleichwohl eine Modifizierung mancher zu starr geratenen oder unzulänglichen Regelung (etwa beim Fächerkanon für die Ausbildung, bei der Falldokumentation und dem Supervisionserfordernis) nicht hindern. Auch für die Alt- und Auslandsfälle werden sachgerechtere Lösungen zu suchen sein.

Dass die Anerkennung nicht von einer Verbandszugehörigkeit abhängig sein soll, ist richtig. Bleibt die Frage der Bezeichnung, denn der Begriff »zertifizierter Mediator« ist durch das MediationsG blockiert. Hier kann vielleicht die Deutsche Akkreditierungsstelle aufgrund ihrer großen Erfahrung mit Zertifizierungen in allen möglichen Lebensbereichen Beratungshilfe leisten.

Wie schon verschiedentlich vorgeschlagen, ist es nunmehr unbedingtes Gebot, dass die aufgrund von § 6 MediationsG erlassene Rechtsverordnung nicht zum 1.9.2017 in Kraft tritt.

Es wäre der Rechtssicherheit in höchstem Maße abträglich, wenn es künftig neben dem von einer staatlich kontrollierten Stelle zertifizierten Mediator auch die sich selbst so bezeichnenden Mediatoren im Sinne des MediationsG gäbe (denen man die Befugnis zum Führen dieser Bezeichnung wohl auch nicht mehr nehmen könnte). Dies würde das Vertrauen in die Verlässlichkeit von Zertifizierungen nicht nur in Bezug auf Mediationsangebote, sondern wohl insgesamt zerstören.

Das Justizministerium sollte daher als Sofortmaßnahme das Inkrafttreten der Verordnung um ein weiteres Jahr aufschieben.

Die nunmehr sich abzeichnende Situation einer Marktverwirrung durch unterschiedliche Zertifizierungskonzepte böte hierfür einen sachlichen Grund und der neue Bundestag, der sich aufgrund der Evaluierung ohnehin mit dem MediationsG wird befassen müssen, erhielte Gelegenheit, dessen durch das Akkreditierungsmodell überholte Regelung aufzuheben.

 

Autor:

Prof. Dr. Reinhard Greger

Richter am BGH a. D., ord. Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg i. R.,

Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und freiwillige Gerichtsbarkeit

 

Zur Website des Autors

Güterichter Forum


 J. G. Heim 

 

Literaturempfehlung 
Ade, Alexander: Mediation und Recht
Ade, Alexander

Eine praxisnahe Darstellung der Mediation und ihrer rechtlichen Grundlagen

Details
34,90 €incl. MwSt.
Broschiert, 178 Seiten, am 18. Oktober 2017 erschienen