Lösungsmetaphern und Reframing

Metaphern in der Mediation
Lösungsmetaphern und Reframing

Sprachbilder und Metaphern - Schlüssel unserer Sprache

Metapher die Butter vom Brot nehmen lassen

 

 

 

 

 

 

Konfliktparteien verwenden eigene Metaphern und Sprachbilder zur Darstellung ihrer konkreten Lebenssituationen. MediatorInnen sollten diese sprachlichen Beschreibungen der Medianden verwenden und zur Unterstützung in ihre Sprachwelt eintreten.
Heute zeigen wir Ihnen, wie unsere Autoren Brigitte und Ernst Spangenberg in bestimmten Situationen die Konfliktmetaphern ihrer Medianden wählen, um mit passenden Lösungsmetaphern den Medianden mediationsgünstige Blickwinkel zu ermöglichen.

1. Metaphern und Kontext

Ein Ehepaar streitet vor Gericht um die Auseinandersetzung des ehelichen Zugewinns, der aus mehreren Grundstücken besteht. Der Ehemann ist Inhaber eines bisher rentablen Gewerbebetriebes, der zwischenzeitlich wirtschaftlich angeschlagen dringend Reformen benötigt. Ob der vom Vater des Ehemannes übernommene Betrieb während der Ehe an Wert gewonnen oder verloren hat, ist streitig. Das Gericht hat zwei Wertermittlungsgutachten für den Grundbesitz und für den Gewerbebetrieb in Auftrag gegeben und einen Vorschuss von 15.000 Euro festgesetzt. Bei diesem Verfahrensstand entschließen sich die Eheleute zur Mediation.
Der Ehemann sieht mit diesem Streit um den Zugewinn seine Existenz bedroht. Die Situation beschreibt er mit seiner Konfliktmetapher »Man darf eine Kuh, die man melken will, nicht schlachten«.
Die Ehefrau fühlt sich dem Ehemann unterlegen und versucht dies durch eine kämpferische Haltung zu kompensieren: »Ich lasse mir die Butter nicht vom Brot nehmen«.

2. Beschreibung und Inhalt

Die verwendeten Sprachbilder unserer Medianden stammen aus einer bäuerlichen Welt. Und Bauern wird eine gewisse Schlauheit in praktischen Lebensdingen nachgesagt. Die Metapher der »Bauernschläue« ist gebräuchlich und wird beispielsweise in Umschreibungen wie »Solche Bauernschläue wünsche ich unseren Verhandlungen.« verwendet.

3. Anleitung für MediatorInnen

Wir haben beide Konfliktmetaphern unserer Medianden aufgegriffen und versucht, mit passenden Lösungsmetaphern zu antworten: »Wer täglich Butter auf dem Brot haben will, darf in der Tat die Kuh nicht schlachten, die ihm die dazu erforderliche Milch gibt. Es ist aber auch recht und billig, dass Menschen in ihrer Lebenslage sich die Butter aufs Brot leisten können. Eine Kuh, die das nicht mehr leistet, gehört vielleicht verkauft und geschlachtet?«
Fortan haben wir bei jedem Konfliktpunkt hinterfragt, wie hätte ein schlaues Bäuerlein in dieser Situation entschieden?
Wir hatten die Konfliktmetaphern unserer Medianden nicht wiederholt, um sie nicht gegenseitig zu kränken. Vielmehr wollten wir mit eigenen, aber zur Sprachwelt der Medianden passenden Lösungsmetaphern verdeutlichen, wie sie den Blick von diesen Konfliktsituationen weg auf neue lösungsorientierte Perspektiven und Optionen richten können. Diese von uns angewandte Technik, die negativ besetzten Metaphern der Medianden in einen anderen, positiven Bezugsrahmen zu setzen, nennt man Reframing (Umrahmen).

4. Die Lösung

Beiden Medianden wurde schnell klar, dass das Unternehmen beim Ehemann verbleiben und die Ehefrau das Mietshaus bekommen würde. Um keine Wertdifferenz ausgleichen zu müssen, was beiden schwer gefallen wäre, wurde vorsorglich »bauernschlau« auf die Erstellung von Wertgutachten verzichtet. Schließlich erlaubte die Frau dem Mann, das Hausgrundstück zum Zwecke von Modernisierungsmaßnahmen zu beleihen. Zum Ausgleich für das dadurch entstehende Risiko erhielt sie ein unbebautes Grundstück.

5. Übungsbeispiel

Sie können diese Reframing-Technik üben. Hier ein Beispiel: Ersetzen sie Konfliktmetaphern der Medianden mit Lösungsmetaphern der Mediatoren im Themenbereich des Fußballs:

Verwendete Konfliktmetaphern der Medianden: Nachtreten.
Lösungsmetapher der MediatorInnen: Den Ball flach halten  oder ....?

Die Wachsamkeit beim Zuhören ist also ebenso empfehlenswert, wie Phantasie bei der Bildung sprachlicher Ausdrücke.

Und vergessen Sie nicht: Lassen Sie sich auch hier mit einer guten Vorbereitung für ein genaues Hören, Ihr Zuhören sensibilisieren. Denn nur der gute Zuhörer wird auch gehört, wenn er spricht.

(Fachredaktion Jürgen Heim)

Literaturempfehlung 
Spangenberg, Spangenberg: Sprachbilder und Metaphern in der Mediation
Spangenberg, Spangenberg
Details
29,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 160 Seiten, im März 2013 erschienen
Friedman, Himmelstein: Konflikte fordern uns heraus
Friedman, Himmelstein

Mediation als Brücke zur Verständigung
mit je einem Vorwort von Lis Ripke und Gisela und Hans-Georg Mähler

Details
38,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 346 Seiten, im September 2013 erschienen