Der Master-Studiengang Mediation der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Interviews mit Hochschulen
Der Master-Studiengang Mediation der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

 

 

In unserer Reihe »Ausbildung Mediation – eine interdisziplinäre Qualifizierung« stellen wir Hochschulen mit ihren Curricula für angehende Mediatorinnen und Mediatoren vor.

 

Die Fragestellungen orientieren sich an unserer Übersicht »Zertifizierung (ZMediatAusbV) und Abschlüsse von internationalen Mediationsverbänden«.

Neu im September 2014: Mediation aktuell im Gespräch mit Dipl. Psych. Nicole Becker, der stellvertretenden Leiterin des Master-Studiengangs Mediation, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder).

1. Ausbildungskonzept und Schwerpunkte

Frau Becker, auf welche Schwerpunkte des Ausbildungscurriculums legt Ihre Hochschule besonderen Wert?

Im Master-Studiengang Mediation haben Studierende die Gelegenheit, Kenntnisse in Mediation und Konfliktmanagement zu erwerben, auszubauen und zu vertiefen. Sie können sich spezialisieren, indem sie vielfältige Anwendungsfelder von Mediation und Konfliktmanagement detailliert kennenlernen und ihre praktische Methodenkompetenz im Rahmen von integrierten Fortbildungsmodulen ausbauen. Alle Studierenden schließen das Weiterbildungsstudium mit dem Titel »Master of Arts« (MA) ab.

Bereits ausgebildetete MediatiorInnen haben die Möglichkeit, ihre Mediationsgrundausbildung im Rahmen des Master-Studiengangs zu ergänzen und so gegebenenfalls für eine eventuelle Zertifizierung zu komplettieren.

Für Studierende, die noch nicht über eine Mediationsausbildung verfügen, bietet der Master-Studiengang Mediation parallel zum Studium eine professionelle, auf wissenschaftlichen Grundlagen basierende praktische Mediationsausbildung.

Ein breit gefächertes Wahlfachangebot bietet die Möglichkeit, sich zielgerichtet sowohl in den wissenschaftlichen Grundlagen der jeweiligen Anwendungsbereiche als auch in bereichsbezogenen praktischen Mediations- und Konfliktmanagenement-Kompetenzen zu spezialisieren. Während übergreifende methodische Aspekte wie z.B. Ethos und Haltung des Mediators, Verfahrensgestaltung und Qualitätssicherung bereits im Pflichtteil des Studiums vertieft werden, bietet der Wahlfachteil des Studiums eine reiche Auswahl an Fächern, die z.T. als Fortbildungsmodule auch externen TeilnehmerInnen offen stehen, aus den folgenden Bereichen:

  • Wirtschaft
  • Familie, Schule & Jugend
  • Öffentliche Planungsverfahren
  • Internationale Friedensprozesse.


Das Studium besteht aus Präsenz- und Fernmodulen und wird in der Regel berufsbegleitend wahrgenommen. Die Präsenzmodule finden in Frankfurt (Oder) und Berlin statt.

2. Kompetenz und Erfahrung

Über welche Mediations- und Ausbildungs-Qualifikationen verfügen Ihre Dozenten und Ausbilder?

Alle AusbilderInnen verfügen sowohl über praktische Erfahrungen in Mediation, Verhandlung und Konfliktmanagement in verschiedenen Anwendungsbereichen als auch über Ausbildungserfahrungen. Beides weisen sie zum Beispiel in Form von Zertifizierungen durch die Berufsverbände nach.

Wie viele Absolventen konnte Ihre Hochschule seit wann erfolgreich ausbilden?

Wir bilden aktuell den 7. Studienjahrgang aus. Der 8. Studienjahrgang wird im April 2015 beginnen. Jeder Studienjahrgang setzt sich aus zwei Gruppen von ca. 26 TeilnehmerInnen zusammen. Seit der Gründung im Jahr 2004/2005 haben wir ca. 300 Absolventen.

3. Voraussetzungen und Kursgröße

Welche verbindlichen Zulassungsvoraussetzungen bestehen für Interessenten?

 Für das Studium bestehen folgen Zulassungsvoraussetzungen:

  • erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss an einer deutschen Hochschule oder ein gleichwertiger ausländischer Abschluss
  • berufliche Tätigkeit oder organisationspraktische Erfahrungen von mindestens einem Jahr (Unter die organisationspraktische Erfahrung fallen zum Beispiel: Zivildienst oder Bürgerarbeit oder Freiwilliges Soziales Jahr / Freiwilliges Praktisches Jahr; Ehrenamtliche Tätigkeit in Funktionen mit Verantwortung in Verbänden, Vereinen, Organisationen; Erfahrungen im Konfliktmanagement als Konfliktlotse, Schülermediator, Streitschlichter)
  • entsprechende Englischkenntnisse um wissenschaftliche Lektüre in englischer Sprache zu verstehen
  • bei Bewerbern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, ausreichende Deutschkenntnisse

 

Wie groß sind Ihre Studiengänge/Ausbildungskurse maximal?

Jeder Studienjahrgang besteht aus zwei Gruppen von ca. 26 TeilnehmerInnen.

Wie viele Fachausbilder begleiten einen Kurs in Theorie und Praxis?

Die überwiegende Zahl der Präsenzveranstaltungen wird im Master-Studiengang von zwei AusbilderInnen geleitet. Wie viele AusbilderInnen eine Studiengruppe begleiten, hängt sowohl davon ab, ob die Studierenden zugleich eine praktische Mediationsausbildung erwerben, als auch von der individuellen Auswahl des jeweiligen Vertiefungsprogramms. Insgesamt sind ca. 20 FachausbilderInnen aus den unterschiedlichsten Mediations- und Verhandlungsfeldern in den Kursen tätig.

4. Zeitlicher Rahmen und Struktur

Wie lange dauert der Masterstudiengang Mediation? Wie ist das Studium zeitlich angelegt?

Das Studium erstreckt sich über drei Semester und schließt mit dem akademischen Grad »Master of Arts« (M.A.) ab. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Masterarbeitsphase in ein viertes Semester zu legen und so das Studium nach 4 Semestern abzuschließen.

Beide TeilnehmerInnen-Gruppen besuchen in den ersten beiden Semestern zu einem großen Teil inhaltsgleiche Präsenz-Theorie-Module, aber (wegen der Anrechnung der von den TeilnehmerInnen der Gruppe B bereits absolvierten Mediationsausbildung) unterschiedliche Präsenz-Praxis-Module.

Am Ende des zweiten Semesters werden die beiden Gruppen in dem Modul »Querschnittskompetenzen« zum ersten Mal gemischt.

Die Präsenz-Wahl-Module im dritten Semester stehen allen TeilnehmerInnen aus beiden Gruppen offen.

5. Qualitätskriterien des Ausbildungsinhaltes

An welchen fachlichen Kriterien orientiert sich Ihr Ausbildungs-Curriculum?

Beinahe alle unsere Präsenzveranstaltungen erfolgen zu zweit im AusbilderInnenteam.
Im Reißverschlusssystem findet dabei von einer Präsenzveranstaltung zur nächsten (oder in der Theorie-Ausbildung auch innerhalb einer Veranstaltung) ein Wechsel eines Ausbilders/einer Ausbilderin statt, ein Ausbilder/eine Ausbilderin bleibt grundsätzlich aus Ergebnissicherungsgründen und stellt so den Transfer der erlernten Inhalte von einer Veranstaltung zur (bzw. einem Veranstaltungstag zum) nächsten sicher.

Zwei Leit-Ideen im Rahmen der Ausbildung des Master-Studiengangs Mediation werden durch unser sogennantes Reißverschluss-Prinzip gesichert:

Zum einen bieten wir den TeilnehmerInnen die Möglichkeit, eine möglichst große Zahl an AusbilderInnen und damit an verschiedenen Mediations-Stilen und -Haltungen sowie Vorgehensweisen kennenzulernen. Denn unsere TeilnehmerInnen sind wie unsere AusbilderInnen und Mediation im Allgemeinen: Vielfältig und individuell. So hat jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin die Gelegenheit, den für ihn/sie passenden Stil zu finden bzw. von anderen etwas für sich selbst zu entdecken und zu lernen.

Zum anderen werden durch den Verbleib von grundsätzlich einem bereits bekannten Ausbilder/einer Ausbilderin der Transfer von Inhalten und Ergebnissen sichergestellt, evtl. Offengebliebenes kann abgeschlossen werden, nichts geht verloren.

Darüber hinaus ist es selbstverständlich, dass jeder Ausbilder/jede Ausbilderin in dem von ihm unterrichteten Feld über spezielle Kompetenzen und Expertenwissen/-erfahrung verfügt.
Angereichert wird das AusbilderInnen-Portfolio durch eine Reihe von GastdozentInnen, die zu bestimmten Themenfeldern speziell stundenweise die Ausbildungsveranstaltungen mit ihrem Wissen und ihren praktischen Erfahrungen bereichern.

Parallel zu den AusbilderInnen sind während der Präsenzveranstaltungen grundsätzlich die Studiengangskoordination und/oder die Studiengangsleitung vor Ort ansprechbar und stellen die Betreuung der Studierenden sicher.

Gibt es eine regelmäßige Qualitätskontrolle (Qualitätsmanagement) – auch durch die Studierenden/Teilnehmenden?

Wir verstehen uns im Master-Studiengang Mediation als Lernende Organisation, die von Feedback und Rückmeldungen jederzeit profitiert und sich auf dieser Basis stets auch qualitativ weiterentwickelt.
Für die AusbilderInnen ist z.B. die Teilnahme an regelmäßigen AusbilderInnentreffen Pflicht.
Die Praxisausbildung wird von unserer Leiterin Frau Kirsten Schroeter koordiniert, supervidiert und evaluiert.

Die Ausbildungscurricula werden fortwährend den jeweils aktuellen Gegebenheiten von Mediation und Konfliktmanagement in Deutschland und Europa angepasst. Aktuelle Entwicklungen binden wir selbstverständlich grundsätzlich in die Ausbildung ein.

Parallel dazu wird der Master-Studiengang fortlaufend unter Mitwirkung der Studierenden evaluiert. Nach der Bearbeitung aller Fernstudieneinheiten als auch nach jeder Präsenzveranstaltung haben sie die Möglichkeit, Feedback zu geben.

Darüber hinaus finden regelmäßig Gespräche zwischen den Studierenden und den AusbilderInnen sowie der Studienleitung und Koordinatorin zu ihren Erfahrungen und Rückmeldungen statt.
Am Ende eines jeden Jahrgangs erfolgt eine breit angelegte Evaluation zu den Inhalten und Studienerfahrungen, auf deren Basis die Planungen für den folgenden Jahrgang stattfinden.

6. Praxisfälle

Sind (reale) Praxisfälle, (reale) Co-Mediationen Bestandteil Ihres Studiums/Ihrer Ausbildung?

Alle Ausbildungseinheiten leben von Rollenspielen, die realen Praxisfällen der AusbilderInnen nachempfunden sind. Diese werden sowohl in Einzel- als auch in Co-Mediation geübt.
Zu verschiedenen Gelegenheiten haben die Studierenden auch die Gelegenheit, eigene Konfliktfälle in die Ausbildung einzubringen.

Über die Studiengangskoordination werden an die Gemeinschaft der Studierenden und Alumni regelmäßig aktuelle Angebote für Mediationsaufträge, Praktika und/oder Stellen verteilt (siehe auch Punkt 8).

7. Abschluss

Welche Verbands- oder Zertifizierungskriterien erfüllt der Ausbildungsabschluss (Master) an Ihrem Institut? Sind die geplanten Vorgaben nach der neuen ZMediatAusbV bereits berücksichtigt?

Das Ausbildungskonzept des Master-Studiengangs Mediation geht nach Umfang und Inhalten über die Anforderungen der neuen ZMediatAusbV hinaus.

Darüber hinaus erfüllt der Master-Studiengang Mediation die Zertifizierungsvoraussetzungen des Bundesverbands Mediation (BM).

8. Netzwerke für Alumni

Unterstützen Sie Absolventen durch die Vermittlung von Praxisfällen, Supervisions- oder Fortbildungsangebote oder Treffen für Alumni?

Es gibt ein sehr lebendiges Netzwerk von Studierenden und Alumni des Master-Studiengangs Mediation, das von Seiten des Studiengangs beispielsweise durch gemeinsame Veranstaltungen, Seminare und Angebote belebt wird. Auch eine Übersicht von Supervisoren steht den Studierenden zur Verfügung und wird regelmäßig von diesen genutzt. Interessierte Alumni unterstützen wir auch gern bei der Vermittlung von Veröffentlichungsmöglichkeiten von Studienleistungen oder auch darüber hinaus.

Daneben gibt es den von Alumni des Master-Studiengangs Mediation gegründeten und von der Uni unabhängigen Verein zur Förderung von Wissenschaft und Praxis der Mediation. Dieser Alumni-Verein organisiert regelmäßige Treffen und Veranstaltungen zum Austausch und Netzwerken für die Alumni und andere an Mediation und Konfliktmanagement Interessierte.

Mit welchem Leitmotto oder Zitat begleiten Sie Ihre Studenten/Kursteilnehmer?

Es ist nicht genug, zu wissen,
man muß auch anwenden;
es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun.

Johann Wolfgang von Goethe (Werk: Wilhelm Meisters Wanderjahre)

Frau Becker, wir danken für dieses Gespräch.

(Das Interview führte Jürgen Heim, Wirtschaftsmediator, Berlin, MA-Redaktion.)

Nähere Informationen rund um den Master-Studiengang finden Sie hier.

Die Bewerbungsphase für den 8. Studienjahrgang hat begonnen. Nähere Informationen finden Sie hier oder wenden Sie sich an die Studiengangskoordinatorin Frau Orthaus.

Interessenten und Interessentinnen haben auch die Möglichkeit, den Master-Studiengang Mediation im Rahmen des für externe TeilnehmerInnen geöffneten Wahlfach-Angebots kennenzulernen und so die Atmosphäre, Haltung und Vorgehensweise direkt vor Ort zu erleben.

Nähere Informationen zum Alumni-Netzwerk und zum Alumni-Verein finden Sie hier.

Nähere Informationen zum Institut für Konfliktmanagement finden Sie hier.


Kontaktdaten:

Studiengangskoordinatorin: Frau Romy Orthaus
Europa-Universität Viadrina
Große Scharrnstraße 59
15230 Frankfurt (Oder)
Tel: +49 (0) 335-5534-2317
Fax:+49 (0) 335-5534-2337
E-Mail: master-mediation@europa-uni.de

 

 J. G. Heim