Mediation in Kindergärten und Schulen

Erziehung und Bildung
Mediation in Kindergärten und Schulen

von Dr. Christa Schäfer

Mediation in Kindergärten und Schulen

Kindergärten und Schule spielen im Leben von Kindern und Jugendlichen eine bedeutende Rolle. Beide Institutionen sind Orte für vielfältige soziale Kontakte, das Aushandeln von Normen und das Austesten von Grenzen. Natürlich gibt es hier auch Auseinandersetzungen und Konflikte, also Anlässe für Mediation.

»Die Problematik von Konflikten und Gewalt an Schulen nimmt zu und die Bedeutung von Sozialkompetenzbildung wächst. Die Mediation als Verfahren und die mediative Haltung in den Arbeits- und Handlungsfeldern von Erziehung und Bildung bieten im Elementarbereich konkrete, wirksame Handlungsansätze für eine gute Praxis. So findet Mediation in Schulen mittlerweile breite Anwendung insbesondere für Schülerinnen und Schüler in Form von Schülermediatoren- bzw. Konfliktlotsen- bzw. Streitschlichterprogrammen und/oder von Klassenprogrammen, die auf der Grundhaltung der Mediation basieren. Lehrkräfte führen solche Programme durch und werden auch als SchulmediatorInnen vermittelnd tätig.« (Quelle: Nach BM »Umsetzung von Mediation ...«, S. 3.)

Mediation im Handlungsfeld Kindertagesstätte

Bereits seit dem Jahr 2000 wird Mediation als Verfahren der Konfliktbearbeitung in Einrichtungen des Elementarbereiches genutzt. Bildungspläne und Förderprogramme für Kindertagesstätten (Kita) schreiben vor, dass Erzieherinnen und Erzieher den Kindern einen fairen Umgang in Konflikten vermitteln sollen.
Kinder sind sehr früh in der Lage, eine aktive Rolle bei der Gestaltung des Zusammenlebens in einer Kita zu übernehmen. Sie lernen Regeln zu entwickeln, anzunehmen und einzuhalten. Auch Aushandlungsprozesse gewinnen an Bedeutung

Vier Ebenen spielen laut der BM-Fachgruppe »Mediation in Erziehung und Bildung« eine wichtige Rolle bei der Einführung von Mediation im Elementarbereich:

1. Alle Beteiligten einer Kindertagesstätte werden über das Mediationsprogramm informiert und darauf vorbereitet.
2. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Leitungsebene von Kindertagesstätten werden in Fortbildungen mit den Zielen, Inhalten und Methoden der Mediation vertraut gemacht werden.
3. Kita-Kinder kennen Rituale, in denen sie sich über freudige oder traurige Erlebnisse austauschen können; dies erleichtert das Sprechen über Gefühle in der Mediation.
4. Das Verfahren der Mediation wird im Konzept einer Kindertagesstätte verankert .

In Kindertagesstätten entstehen viele Konflikte um alltägliche Streitereien (Besitz, Konkurrenz, Aufmerksamkeit) oder im Kontext aggressiver Verhaltensweisen (gewaltvolle Interaktionen) von Kindern. Erzieherinnen und Erzieher müssen bei der mediativen Konfliktbearbeitung in Kitas insbesondere beachten, dass sie den Konfliktbeteiligten zutrauen, selbst eine Lösung für ihren Konflikt zu finden. Statt Schiedsrichter zu sein – wie im bisherigen Verständnis – sind sie nun Vermittler und leiten die Kinder zu einer eigenen Konfliktlösung an.
Das u.a. von Günther Braun entwickelte Bensberger Modell oder das von Ansgar Marx entwickelte Palaverzelt bieten unterstützende Materialien für die Einführung von Mediation im Bereich der Kita.

Mediation im Handlungsfeld Schule

Anfang der 90er Jahre begann in Deutschland die Einführung des Schulmediationsmodells. In der Zwischenzeit ist die Mediation im Schulbereich in einigen Gebieten Deutschlands (z.B. Berlin und Hamburg) bereits gut etabliert. Meist lassen sich zwei LehrerInnen oder SchulsozialarbeiterInnen der Schule zu SchulmediatorInnen ausbilden. Sie bauen dann an ihren Schulen ein Mediationsprojekt auf, suchen geeignete SchülerInnen für das Projekt, übernehmen die Ausbildung der zukünftigen SchülermediatorInnen = KonfliktlotsInnen = StreitschlichterInnen und führen geeignete Strukturen für das Projekt ein. Mitunter unterstützen externe Anbieter die Ausbildung der SchülerInnen. Bekannt ist diese Methode auch unter dem Namen Peer-Mediation. Die Bezeichnung ist darauf zurückzuführen, dass Schüler untereinander, innerhalb einer Peer Group, einfacher ins Gespräch kommen und so Konflikte untereinander lösen können.

Die SchülermediatorInnen sind klassenintern, meist jedoch klassenübergreifend tätig. In einigen Schulen stehen sie auf dem Schulhof und bearbeiten dort vor Ort aufkommende Konflikte. In den meisten Schulen gibt es einen eigens dafür eingerichteten Konfliktlotsenraum, den streitende SchülerInnen in den Pausen oder in extra dafür vorgesehenen Stunden aufsuchen.

Mediation an Schulen ist neben der Konfliktbearbeitung auch ein Instrument der Gewaltprävention, ein Element von Anti-Mobbing-Programmen und ein Weg des Demokratielernens. Programme zum Emotionalen und Sozialen Lernen, wie beispielsweise Faustlos, fair streiten lernen, der Klassenrat, das buddY-Programm oder die Denkzeit-Projekttage stützen das Mediationskonzept an Schulen. In einigen Bundesländern ist der Verein »Senior Partners in School« tätig, der Senioren zu SchulmediatorInnen ausbildet und diese als MediatorInnen an Grund- und Oberschulen sendet.


Eine von Sabine Behn u.a. 2006 veröffentlichte Evaluation zu Gelingensbedingungen und Erfolgsfaktoren fand heraus, dass für ein erfolgreiches Schulmediationsprojekt acht Bedingungen erfüllt sein müssen:

1. Mediation sollte nicht das einzige Projekt im Bereich der Gewaltprävention und Demokratieerziehung an der Schule sein und zudem unbedingt in das Schulprogramm eingebunden werden.
2. In Konferenzen sollte oft an die Mediation erinnert werden. Und es sollte Modelle geben, bei denen ein persönlicher Kontakt zwischen Streitschlichtern und bestimmten Klassen in Form einer Patenschaft gefördert wird.
3. Es ist wichtig, dass die MediationslehrerInnen Supervision oder kollegiale Beratung erhalten und weitere LehrerInnen als MediatorInnen ausgebildet werden.
4. Nicht nur die SchülermediatorInnen sollten wissen, wie man mit Konflikten umgeht; vielmehr sind vielfältige Trainings für möglichst viele SchülerInnen im Bereich der Erweiterung der sozialen Handlungskompetenzen wichtig.
5. Die Einbindung von SchulsozialarbeiterInnen in das Projekt bietet vielfältige Unterstützung und trägt zum Gelingen des Mediationsprojektes bei.
6. Breit angelegte Informationsveranstaltungen für Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen vor Projektstart sowie eine gemeinschaftliche Entscheidung für das Projekt und der Startschuss durch die Schulkonferenz haben einen positiven Einfluss auf den Projektverlauf.
7. Die Reflexion des vorhandenen institutionellen Umgangs mit Konflikten sowie die Einführung eines systematischen, verbindlichen und transparenten neuen Konfliktmanagementsystems an der Schule bei klaren und nicht überfordernden Zielen für das Mediationsprojekt bringt einen großen Gewinn.
8. Zentrale Rahmenbedingungen sind u.a. die Freistellung der Lehrkräfte, die Begleitung der SchülermediatorInnen, die Freistellung der SchülerInnen für Mediationen auch innerhalb der Unterrichtszeit sowie die Einrichtung eines Mediationsraumes.

Mittlerweile hat man erkannt, dass die Konfliktbearbeitung in Schulen nicht bei der Bearbeitung von Schüler-Schüler-Konflikten aufhören darf, sondern dass auch die anderen auftretenden Konfliktbereiche mediativ durch externe oder interne (Schul-)MediatorInnen abgedeckt werden sollten.

Mediation im Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe

Kinder und Jugendliche gehen nicht nur in Kita und Schule, sie besuchen auch den Hort, nutzen Freizeitangebote bei freien Trägern oder betätigen sich im Sport. In diesen Bereichen ist die Mediation derzeit leider noch nicht ausreichend bekannt, wenngleich ebenfalls sinnvoll und gewinnbringend. Sicherlich wird es in den nächsten Jahren einiges an Entwicklung in diesen Bereichen geben.

 

Literaturhinweise

• Behn, Sabine (u.a.): Mediation an Schulen. Eine bundesdeutsche Evaluation. Wiesbaden: GWV Fachverlag 2006.
• Bundesverband Mediation (BM): Mediation in Erziehung und Bildung. Standards und Ausbildungsrichtlinien für Schulmediation und Mediation im Elementarbereich 2009. online unter: http://www.bmev.de/fileadmin/downloads/anerkennung/bm_schulstandards.pdf
• Bundesverband Mediation (BM): Umsetzung von Mediation in den Handlungsfeldern von Erziehung und Bildung. Eine Orientierungs- und Handlungshilfe. Online unter: http://www.bmev.de/fileadmin/downloads/fachgruppen/fg_meb_orientierungs-...
• Hagedorn, Ortrud: Mediation – durch Konflikte lotsen. 58 schüler- und handlungsorientierte Unterrichtsmethoden. Leipzig: Klett 2005.
• Kaeding, Peer (Hrsg.): Mediation an Schulen verankern. Weinheim und Basel: Beltz 2005.
• Walker, Jamie: Mediation in der Schule. Konflikte lösen in der Sekundarstufe I. Berlin: Cornelsen 2001.