Mediationsausbildung – und dann? Fortbildung!

Mediationsausbildung – und dann? Fortbildung!
Dr. Henschel

 

 

Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Persönlichkeit des Mediators ist ein Prozess der bestenfalls durch die Grundausbildung angestoßen oder fortgesetzt wurde. Dieser Prozess setzt sich auf jeden Fall über die Dauer der Grundausbildung hinweg fort, wenn man den Weg der Mediation ernsthaft und professionell beschreiten will.

 

 

 

Die ersten Schritte nach der Theorie

Jeder, der die Ausbildung zum Mediator abgeschlossen hat, steht vor ähnlichen Herausforderungen. Die Mediationsausbildung - der Umfang liegt je nach Ausbildung zwischen 120 und 200 Stunden - hat das notwendige Rüstzeug mitgegeben.

So ist die Struktur des Mediationsverfahrens bekannt, sind vielfältige Kommunikationstechniken in zahlreichen Rollenspielen eingeübt und die psychologischen und rechtlichen Grundlagen vermittelt und diskutiert. Und dennoch, Mediation ist weit mehr als ein Modell, eine Technik oder ein Set von Tools und Instrumenten. Nicht umsonst steht das Thema Selbstreflexion und Haltung in der Mediation bereits in allen Qualitätsausbildungen im Mittelpunkt. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Persönlichkeit des Mediators ist ein Prozess der bestenfalls durch die Grundausbildung angestoßen oder fortgesetzt wurde. Dieser Prozess setzt sich auf jeden Fall über die Dauer der Grundausbildung hinweg fort, wenn man den Weg der Mediation ernsthaft und professionell beschreiten will.

Mediationsbefähigung durch kontinuierliches Training

Die Qualität des Mediators hängt von vielfältigen Faktoren ab. Sicher ist jedoch, dass Mediation vor allem eine Fähigkeit und nicht einfach nur Wissen ist. Und Fähigkeiten müssen trainiert und eingeübt werden. Auch in der Mediation gilt, nichts ist so lehrreich wie die Praxis. Konkret bedeutet dies, dass jeder Mediator Mediationspraxis benötigt, um sich stetig verbessern zu können. Viele Mediatoren stehen nach der Ausbildung jedoch vor der misslichen Situation, zunächst keine realen Mediationsfälle zu haben, die sie bearbeiten können. Auch wenn jedes Umfeld vielfältige Möglichkeiten zum Einüben mediativer Methoden bietet, können reale Fälle nicht ersetzt werden. Damit fehlt ihnen gleichzeitig die wichtigste Möglichkeit, um ihre gerade erst eingeübten Fähigkeiten weiter zu trainieren und zu verbessern. Dieser Situation begegnen einige Mediatoren zwar mit der Gründung eigener Übungsgruppen. Doch so wichtig diese (Peer-)Gruppen auch sind, fehlt es ihnen oft an der notwendigen professionellen Reflexion.

Professionelle Sicherheit durch Fortbildung

Die Mediatoren stehen somit vor der Frage, wie sie es schaffen, unter professioneller Anleitung ihre neu erworbenen Fähigkeiten zu vertiefen und zu festigen. Wie können sie weiter Sicherheit und Vertrauen in dem für sie immer noch neuen und ungewohnten Verfahren gewinnen? Wie gelingt es ihnen, weitere Methoden und theoretische Grundlagen zu erwerben, die für die Herausbildung der mediativen Haltung so wesentlich sind? Der erste Griff geht meist zur Fachliteratur. Diese ist mittlerweile so vielfältig und bunt wie die Mediationslandschaft selbst. Neben Grundlagenbüchern existieren eine ganze Reihe von ausführlichen Falldarstellungen mit entsprechenden Möglichkeiten, von diesen Beispielen zu lernen. Interdisziplinär profitiert die Mediation vor allem von den publizierten Erkenntnissen und Forschungsergebnissen der Kognitions- und Hirnforschung. Hier eröffnen sich für Mediatoren neue, faszinierende Welten. Gleiches gilt auch für die Literatur zur Wirtschaftsforschung und zum Personalmanagement. Die sich hier abzeichnenden Veränderungen bieten viele neue Betätigungsfelder für die Mediation.

Doch so faszinierend und wichtig die Bücherlektüre ist, bedarf es der persönlichen Fortbildungen. Sie decken den notwendigen Bedarf nach Einübung, Festigung und Reflexion für Mediatoren. Fortbildungen sind für die professionelle Ausübung der Mediation unerlässlich. Auch wenn die Umsetzung der Rechtsverordnung (RVO) für die Mediationsausbildung noch in Arbeit ist, gehen Experten davon aus, dass die RVO eine Verpflichtung zu einer jährlichen Fortbildung im Umfang von zehn Stunden einführen wird, die jeder absolvieren muss, der den Titel »zertifizierter Mediator« führen will. Besteht also über die Notwendigkeit von Fortbildung Konsens, so ist die Auswahl der passenden Fortbildung eine weitere Herausforderung für jeden Mediator.

Bereits jetzt bieten einige Ausbildungsinstitute eine zehnstündige Fortbildung an – offensichtlich im Vorgriff auf die erwartete rechtliche Regelung einer Fortbildungspflicht. Gleichzeitig dürfen die Supervisionen hier nicht unerwähnt bleiben. Supervisionen, also die Besprechung von Praxisfällen mit einem speziell dafür ausgebildeten Supervisor, gehören zum Berufsbild des Mediators und werden von allen professionellen Mediatoren regelmäßig in Form von Einzel- oder Gruppensupervisionen in Anspruch genommen.

Fortbildung und Qualität

Eine gute Fortbildung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie vielfältige Möglichkeiten zu praktischen Übungen, Interaktionen und Selbstreflexionen bietet. Einen hohen Praxisbezug können nur solche Trainer garantieren, die gleichzeitig als aktive Mediatoren tätig sind. Das sind bei weitem nicht alle, die als Trainer in den Ausbildungsinstituten aktiv sind. Da die Qualität der Fortbildung jedoch vor allem von den Qualifikationen und Erfahrungen des Trainers oder des Trainerteams abhängt, sollte jeder, der eine Fortbildung anstrebt, darauf besonders achten.

In der Fortbildung geht es nicht nur um das einfache Üben. Vielmehr sind die besten Lernerfolge nur dann möglich, wenn die Reflexion der Übungen und die Anleitung zur Selbstreflexion professionell von erfahrenen Mediatoren und Trainern übernommen werden. Solche Lernerfahrungen sind Prozesse, d.h. sie erfordern auch die kontinuierliche Leitung der Fortbildung durch ein erfahrenes Team.

Eine gute Fortbildung sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Erfahrene Trainer, die gleichzeitig praktizierende Mediatoren sind. Empfehlenswert ist, dass der Ausbilder in seiner beruflichen Laufbahn nicht nur Ausbilder gewesen ist, sondern selbst in dem Spezialisierungsgebiet berufliche Erfahrungen sammeln konnte.
  • Der Fokus sollte auf Mediation und dem Einüben der Mediationstechniken liegen, nicht auf der Vermittlung von Fachkenntnissen aus einem speziellen Wirtschaftsbereich.
  • Die Fortbildung sollte aufzeigen, wie die Mediation beispielsweise in einem Spezialisierungsgebiet eingesetzt wird und welche speziellen Methoden unter Umständen benötigt werden.
  • Vertiefungswissen zu den Spezialgebieten sollte aus mediativer Sicht vermittelt werden (z.B. Komplexitätsmanagement für Baumediationen, systemische Grundlagen für Mediation von Familienunternehmen, Grundlagen von Regierungshandeln und NGO Handeln für Multi-Stake-Holder Mediationen etc.).
  • Kursbegleitend sollten qualitativ hochwertige Literatur und Unterrichtsmaterialien, Lehrfilme, Online-Portale etc. zur Verfügung stehen, die eine Wissensvermittlung eigenverantwortlich erleichtern.

Trend zur Spezialisierung als Chance für anspruchsvolle Mediation

Die Spezialisierung gehört zu den neueren Entwicklungen der Mediation in Deutschland. Sie ist notwendig, da Mediation als Verfahren zunächst einmal den grundsätzlichen Anspruch hat, für jede Konfliktart in jedem Bereich sozialer Interaktionen von Menschen als Angebot zur Verfügung zu stehen.

So kann Mediation beispielsweise helfen,

  • Ehen so zu trennen, dass nicht noch mehr zerstört wird (Familienmediation),
  • Kindesentführungen friedlich zu einem guten Ende zu führen (Mediation in Kindschaftskonflikten),
  • Auseinandersetzungen im Bau- und Immobiliengewerbe effizient zu lösen (Baumediation),
  • Mitarbeiter in einem internationalen Konzern zu einem kooperativen Miteinander zu bringen (Organisationsmediation),
  • Familienunternehmen bei ihren internen Konflikten zu unterstützen (Unternehmensnachfolge, Wirtschaftsmediation),
  • die Übertragung von Firmen zu sichern (Wirtschaftsmediation),
  • Ansprüche zwischen Firmen, Firmen und Kunden und Firmen und Behörden zu regeln (Wirtschaftsmediation),
  • nationale und internationale Verhandlungen zwischen unterschiedlichen Akteuren (Regierungen, Nicht-Regierungs-Organisationen, Unternehmen, Wissenschaft etc.) effektiv zu einer guten Regelung zu führen,
  • und nicht zuletzt vermag Mediation auch den Frieden zwischen Staaten zu regeln (Internationale Friedensmediation).

Jedes dieser Einsatzgebiete erfordert unterschiedliche Mediatoren mit ihren eigenen Kompetenzen und Erfahrungen. Spezialisierungsseminare wenden sich an diejenigen, die in einem bestimmten Sektor der Mediation ihren Schwerpunkt sehen und die die dafür notwendigen Adaptionen des Verfahrens der Mediation erlernen wollen. Spezialisierungsfortbildungen in Wirtschaftsmediation sind beispielsweise keine Fortbildung in Betriebswirtschaftslehre, sondern machen vertraut mit der Anwendung des Verfahrens der Mediation in der Wirtschaft.

Persönlichkeitsstärkung des Mediators durch Supervision

Die Persönlichkeit des Mediators und seine eigene Haltung sind für die Qualität einer Mediation von erheblicher Bedeutung. Die dafür erforderliche Selbstreflexion wird, ähnlich wie in anderen Berufsbereichen, durch eine professionelle Supervision sichergestellt. Ein Supervisor hat eine spezielle Fortbildung absolviert. Waren bislang vor allem Psychologen Supervisoren, so gibt es jetzt eine Vielzahl von Mediatoren, die sich zum Supervisor fortgebildet haben und diese Dienstleistungen auch anbieten. Zu welchem Supervisor Sie letztlich gehen, hängt von vielen Faktoren ab.

Wichtig ist, sich eine Persönlichkeit zu suchen, die insbesondere Möglichkeiten zu Selbstreflexion und Veränderung anbietet. Jede durch die Berufsverbände zertifizierte Ausbildung enthält daher auch ein Modul Supervision und es gehört zum Berufsbild des Mediators, regelmäßig Supervision in Anspruch zu nehmen und nachzuweisen.

In einer Supervision werden aktuelle oder bereits abgeschlossene Fälle vorgestellt, reflektiert und der jeweils eigene Beitrag zum Verlauf der Mediation analysiert. Supervisionen kann man alleine bei einem Supervisor in Anspruch nehmen oder aber an einer Gruppensupervision teilnehmen, bei der mehrere Fälle besprochen werden. Am Ende stehen wertvolle Rückschlüsse für die eigenen Vorannahmen und Strategien im Mediationsverfahren.

Fazit

Welche Fortbildung man wählt, hängt insbesondere von der eigenen Motivation, dem Stand der Professionalität und dem Herkunftsberuf ab. Insofern stehen vor der Wahl der Fortbildung zunächst einmal die Analyse und Reflexion dessen, was man selbst damit erreichen will. Auch gibt es viele Wege, um sich als Persönlichkeit weiter zu entwickeln; diese werden zunächst einmal nicht durch Zertifikate abgebildet. Sicher ist aber: Alle, die Mediation in ihren Beruf integrieren und alle, die Mediation zu ihrem Beruf machen, begeben sich auf eine faszinierende lebenslange Reise, die ihr Leben verändert und bereichert.

 

 J. G. Heim