Mediative Kompetenzen helfen bei der Integration von Flüchtlingen

Das Engagement der GRUNDIG AKADEMIE
Mediative Kompetenzen helfen bei der Integration von Flüchtlingen

Jürgen G. Heim (Mediation aktuell) im Gespräch mit Martina Faust (GRUNDIG-AKADEMIE)

Martina Faust GRUNDIG Akademie

Die Weltöffentlichkeit nimmt mit Erstaunen zur Kenntnis, wie sehr sich Deutschland für viele Flüchtlinge geöffnet hat und wie weitreichend sich unsere Bevölkerung mit dieser Thematik unverändert beschäftigt. Zwar zeigen viele Menschen eine bisher kaum gekannte Hilfsbereitschaft, doch es kommt immer wieder zu einer Reihe von Gewalttaten gegen Flüchtlinge, Politiker und Helfer, die sich für Migrantinnen und Migranten einsetzen.

Im besonderen Fokus stehen nun die Anforderungen für eine nachhaltige Integration: vor allem im privaten Umfeld wie im beruflichen Kontext, im Wirtschaftsleben wie in der politischen Arbeit und auch in den unterschiedlichsten Bildungseinrichtungen wie Schulen, Universitäten und Weiterbildungsinstitutionen.

Politik und Wirtschaft reagieren bereits auf diese Herausforderungen: Asylverfahren werden beschleunig und anerkannte Asylbewerber dürfen bereits nach drei Monaten arbeiten. In Handwerks-, Industrie-und Handelskammern, in Arbeitsagenturen und Jobcentern sind spezielle Anlaufstellen zur Unterstützung der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt entstanden. Zahlreiche Veranstaltungen der entsprechenden Institutionen vor Ort ergänzen zahlreiche Initiativen von Kommunen, Arbeitgeber- und Sozialverbänden.

Welchen Beiträge können Institutionen der betrieblichen und beruflichen Weiterbildung in diesem Kontext leisten? Wir haben beispielhaft für viele mit Martina Faust, Leiterin der Abteilung Produktentwicklung der GRUNDIG AKADEMIE Nürnberg gesprochen. Die GRUNDIG AKADEMIE bietet gemeinsam mit Tochterunternehmen und Beteiligungen bundesweit (z. B. Nürnberg, Gera, Hamburg) ein breites Spektrum an Weiterbildung an. Die Bildungsangebote reichen von der Gemeinschaftsschule in Gera, den Fachschulen für Technik in Nürnberg und Gera über Lehrgänge für den beruflichen Aufstieg, Seminare und längerfristige Ausbildungen in Management, Technik und IT und speziell für Unternehmen konzipierte Bildungsprojekte bis hin zu Studiengängen, die zusammen mit universitären Partnern angeboten werden.

 

Jürgen Heim (JH): Frau Faust, auf welche Weise unterstützt und begleitet die GRUNDIG AKADEMIE Unternehmen und Organisationen, um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt voranzubringen?

Martina Faust (MF): Die zunehmende Verschiedenheit und Vielfältigkeit von Belegschaften, bestehend aus alten und jungen, qualifizierten und nur kurz angelernten Mitarbeitern und auch Migranten aus verschiedensten Kulturen, die insgesamt zu einer wachsenden Differenzierung von persönlichen Lebens- und Arbeitsentwürfen führen, stellen völlig neue Anforderungen an Unternehmen, Kommunen, soziale Organisationen und deren Personalmanagement.

Wir fördern und entwickeln deshalb Organisationskulturen, die von Respekt und Wertschätzung gegenüber dieser Diversität und Vielfalt geprägt sind. Diese oftmals einschneidenden Veränderungen in der Belegschaft bewerten wir als Chance für neue Ressourcen von Unternehmen und Organisationen.

JH: Wie können Ihrer Meinung nach Unternehmen mit dieser zunehmenden Diversität umgehen?
MF: Unternehmen, die sich den Themen »Integration, Diversität und Multikulturalität« stellen, erfahren eine neue Komplexität der Herausforderungen. Die Integration von Flüchtlingen ordnen wir im Rahmen unserer Weiterbildungsangebote in diesen Kontext ein. Für Unternehmen und Organisationen ist dies in erster Linie eine Frage der Strategie: Wie können Unternehmen offensiv, proaktiv und nachhaltig Veränderungen der Belegschaft, die sie nicht wirklich beeinflussen können, und die damit verbundenen Unterschiede des Know-hows und der kulturellen Mentalitäten nutzen?

JH: Wie lauten Ihre Antworten in Form von Weiterbildungsangeboten auf diese Fragestellungen?

MF: Zur professionellen Unterstützung dieser konkreten Prozesse haben wir zum einen das Ausbildungsangebot des »Professionellen Diversity Managements« konzipiert. Der Fokus liegt hier auf der Entwicklung einer Strategie im Umgang mit der Vielfalt in Unternehmen und richtet sich an die Führungsebene - Geschäftsführer, Führungskräfte, Personal- und Organisationsentwickler, Betriebsräte, Gleichstellungsbeauftragte.

Diesen Ansatz werden wir weiter ausbauen, um Unternehmen in ihrer jeweils konkreten Situation bei der Integration von Flüchtlingen zu unterstützen.

Hier werden ganz unterschiedliche Themen im Fokus stehen:

• Begleitung bei der Entwicklung einer entsprechenden Strategie
• Begleitung von Recruiting Prozessen
• Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Verfahren
• Maßnahmen zur Teamentwicklung
• Maßnahmen zur Entwicklung der Sprach- und Kulturkompetenz
• Entwicklung von interkulturellen Kompetenzen bei Mitarbeitern und Führungskräften
• Entwicklung von Potenzialanalysen und Kompetenzprofilen.

JH: Die aktuelle Sonderausgabe von »Spektrum der Mediation« widmet sich dem Thema »Migration und Integration – Was Mediation leisten kann.« Welchen Stellenwert hat die Mediation Ihrer Meinung nach in diesem Bereich?

MF: Mediative Kompetenzen werden über das klassische Unternehmenssetting hinaus gerade in der Flüchtlingsarbeit an vielen Stellen benötigt. Die räumlich beengten, teils schwierigen Verhältnisse, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, führen ebenso zu Konflikten, wie Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede.

Ressentiments, Ängste und Sorgen in der Bevölkerung, teils aber auch offener Rassismus tun ein Übriges. Die gängigen »Konfliktlösungsstrategien« erschöpfen sich vielerorts in der Präsenz privater Sicherheitskräfte und im Eskalationsfall in Polizeieinsätzen mit Großaufgeboten. Dies ist weder wünschenswert, noch zeitgemäß, noch zielführend.

Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, Anleiter ehrenamtlicher Helfer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Träger der freien Wohlfahrtspflege, der Kommunen, der Migrationsbehörden, bei Polizei und Sicherheitsdiensten und in den Kirchen profitieren von mediativen Kompetenzen und professionalisieren so zusätzlich ihre Arbeit.

Gerade in diesen Organisationen bieten sich individualisierte Schulungsmaßnahmen zur Vermittlung der Grundlagen der Mediation an - ergänzt um zusätzliche interkulturelle Perspektiven.

JH: Diese Herausforderungen sind notwendigerweise von Konflikten begleitet, wie wir in unserem Sonderheft ausführlich beschreiben. Wie hat sich insgesamt der betriebliche Umgang mit Konflikten nach ihrer Erfahrung in den letzten Jahren entwickelt?

MF: Sehr positiv: Wir werden immer wieder von Unternehmen angesprochen, sie beim Umgang mit Konflikten, bei der Entwicklung von Konfliktlösungskompetenzen von Führungskräften oder der Ausbildung von Wirtschaftsmediatoren zu unterstützen. Immer stärker geht es auch um den Zusammenhang von Change Management und Konfliktmanagement.

JH: Wie wirkt sich diese Nachfrage auf die Weiterbildungsangebote der GRUNDIG-AKADEMIE aus?

MF: Dazu haben wir ganz unterschiedliche Angebote entwickelt. Wir bieten beispielsweise Seminare für Führungskräfte mit dem Thema »Konfliktmanagement - Eine Aufgabe für Führungskräfte« an: Führungskräfte aller Bereiche sollen damit Sicherheit gewinnen, Konflikte rechtzeitig zu erkennen, zielgerichtet anzugehen und zu bewältigen sowie interessenorientierte Einigungen erzielen zu können. Sie können hier lernen, vermittelnde und ausgleichende Konfliktgespräche bei Streitigkeiten zwischen Mitarbeitern und im Team durchzuführen.

Ein weiteres Fortbildungsangebot »Konflikte managen - Eine Aufgabe der Zusammenarbeit« richtet sich an Projektmanager und Mitarbeiter, die ihr eigenes Konfliktverhalten überprüfen und verbessern wollen. Hier steht das Ziel im Vordergrund, Sicherheit, Konflikte und Krisensituationen frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen, besser mit Konflikten umzugehen und die in Konflikten liegende Energie für eine bessere Zusammenarbeit zu nutzen.

Umfassendere Kompetenzen vermitteln unsere Ausbildung » Wirtschaftsmediation - BMWA®-zertifizierte Ausbildung an der GRUNDIG (Ausbildungsinstitut)«

Präventive und strategische Maßnahmen zum Konfliktmanagement in Unternehmen und Organisationen sind Gegenstand der Ausbildung »Systemisches Konfliktmanagement und Systemdesign - Die Entwicklung von Konfliktmanagementsystemen«

JH: Mit welchen Weiterbildungsmaßnahmen wollen Sie die fachliche Integration von Flüchtlingen und Migranten unterstützen?

MF: Personenbezogen konzipieren wir gerade spezielle Angebote zur fachlichen Integration von Flüchtlingen in das Berufsleben und den Arbeitsalltag. Dabei steht zwangsläufig das Erlernen der Sprache im Vordergrund, um Deutschkenntnisse im Alltags-Kontext zu vertiefen. Gezielt wird diese sprachliche Grund-Ausbildung ergänzt durch die fachliche Vorbereitung für den Berufsalltag »Deutsch für den Berufsalltag«.

Akzente und Schwerpunkte sind hier abhängig von Berufssparten und Branchen. Aufgestockt wird das Training durch verschiedene fachliche Inhalte. Dabei orientieren wir uns an Themen wie Elektrotechnik (basierend auf der Ausbildung zur Elektrofachkraft), SMD-Löten und Montage.

Ein weiteres großes Feld ist der Pflegebereich, insbesondere die Betreuung von Pflegebedürftigen. Hier schöpfen wir auch aus unseren langjährigen Erfahrungen in firmenspezifischen Trainings und geförderter Weiterbildung.

In diesen Prozessen ist vor allem die Zusammenarbeit mit Unternehmen sehr wichtig, um auf den Bedarf hinzuarbeiten, den Auswahlprozess gemeinsam vorzubereiten, mögliche Praktikumsstellen zu akquirieren etc.

JH: In unserem neuen Praxishandbuch zur Bürgerbeteiligung wird eindrucksvoll bestätigt, welche Vorteile die sogenannten Dialogverfahren für die Konfliktprävention im Kontext der Flüchtlingsthematik haben. Welche Unterstützung bietet die GRUNDID-Akademie Kommunen, Behörden und Verbänden in diesem Bereich an?

MF: Verfahren wie Großgruppen-Moderationen und Mehr-Parteien-Mediationen sind mit Sicherheit hilfreiche Tools in der kommunalen Vorbereitung und Begleitung der Unterbringung von Flüchtlingen und Flüchtlingsgruppen in Wohnorten und Quartieren. Strategien der Bürger-Beteiligung und des Bürger-Engagements spielen dabei, wenn dieser Prozess abgefedert und friedlich verlaufen soll, eine entscheidende Rolle. Wir wollen hier vorhandene Konzepte der Großgruppen-Moderation, der Viel-Parteien-Mediation und der Bürgerbeteiligung auf die neuen kommunalen Bedarfe hin überarbeiten und ausrichten. Erste Hinweise finden Sie hier

JH: An wen konkret richten sich diese neuen Konzepte?

MF: Die Ausbildung von Helfern, Begleitern, Integrationsberatern und Quartiersmanagern vor Ort, insbesondere wenn sie Angestellte der Kommunen oder von Sozialverbänden sind, muss nach unserer Überzeugung intensiviert werden. Diese Fachkräfte müssen immer auch Konfliktberater sein und über eine ausgeprägte Deeskalations-Kompetenz verfügen.
Erfahrungen und Konzepte, die wir hier in einem ähnlich gelagerten Sektor, der Tätigkeit von Fahrern und Begleitern im öffentlichen Nahverkehr, gewonnen haben, werden wir auf den Kontext Flüchtlingsunterbringung, Wohnsituation und Integration übertragen.

JH: Gibt es zusätzliche Aktionen oder Initiativen der GRUNDIG-AKADEMIE?

MF: Die GRUNDIG AKADEMIE beteiligt sich als regionaler Kooperationspartner am bundesweiten Projekt des »Bochumer Aufrufs«, dem »Integrationsmanagement für Kommunen und soziale Organisationen«.

Im Rahmen dieses Engagements verfolgen auch wir drei wesentliche Ziele:

• Die Stärkung des kommunalen Zusammenhalts und der Kultur der Verständigung
• Die nachhaltig stabilisierende Gestaltung von Kommunikations- und Interaktionsprozessen der Träger der Integration
• Den Aufbau geeigneter Formen eines kommunalen und gesellschaftlichen Zukunftsdialogs.

JH: Frau Faust, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Gesprächspartnerin:

Martina Faust
Leiterin Produktentwicklung
GRUNDIG AKADEMIE

Beuthener Straße 45
90471 Nürnberg

Tel. +49 911 40905-542
mobil +49 172 8608580
Fax +49 911 95117-209

martina.faust@grundig-akademie.de


www.grundig-akademie.de

 

 

Ausführliche Informationen zu den Angeboten der GRUNDIG-Akademie finden Sie hier:

»Professionelles Diversity Management - Lernen Sie, personelle Vielfalt nachhaltig für Ihre Unternehmensziele zu nutzen.«

»Wirtschaftsmediation - Ausbildung an der GRUNDIG AKADEMIE (Ausbildungsinstitut BMWA®)«

»Systemisches Konfliktmanagement und Systemdesign - Die Entwicklung von Konfliktmanagementsystemen«

 

Weitere Details zum »Bochumer Aufruf« finden Sie im aktuellen Sonderheft der Zeitschrift »Spektrum der Mediation«.


 J. G. Heim

 

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