Metaphern zur Gerechtigkeit

Metaphern in der Mediation
Metaphern zur Gerechtigkeit

Sprachbilder und Metaphern – Schlüssel unserer Sprache

Metapher zur Gerechtigkeit - Würfel

Brigitte und Ernst Spangenberg sind die Autoren unserer Serie, in der wir regelmäßig die Bedeutung und Anwendung einzelner Metaphern und Sprachbilder vorstellen.

Ihre Empfehlung an Sie: Lassen Sie sich für ein genaues Hören, Ihr Zuhören sensibilisieren. Denn nur der gute Zuhörer wird auch gehört, wenn er spricht.

 

 

1. Metapher und Kontext: Das Bild vom Würfel

Einer unserer Medianden hat in einem Gerichtsverfahren das Gefühl der völligen Machtlosigkeit erfahren. Nun fürchtet er, das Erlebnis dieses Ausgeliefertseins werde sich in der Mediation wiederholen. Er betont zu Beginn des Verfahrens immer wieder: »Es gibt keine Gerechtigkeit«.

Wir wollen ihm Mut machen und fragen ihn, mit welchem Bild er denn die Gerechtigkeit beschreiben würde.

Seine Antwort: »Die Gerechtigkeit, die ich kennen gelernt habe, ist wie ein Würfel. Das gewürfelte Ergebnis der höheren Gewalt muss ich über mich ergehen lassen.«

Wir erklären ihm, er könne immerhin entscheiden, ob er mitwürfelt oder nicht. Zudem bestehe doch eine absolute Chancengleichheit. Und wir fragen ihn, ob ihm noch ein besseres Bild für eine gerechte Lösung einfällt.

Der Mediand kommt spontan auf das Bild des Urmeters, nach dem sich alle Längenmaße richten.

Wir versichern ihm daraufhin, im Rahmen des Mediationsverfahrens die gemeinsame Suche nach einem Maßstab zu unterstützen, den beide Medianden anerkennen können.

2. Beschreibung und Inhalt

Im ersten Schritt hatten wir das Bild des Medianden aufgenommen und verdeutlicht, dass sein Würfelbild auch eine positive Seite hat, die der absoluten Chancengleichheit.

Im zweiten Schritt versuchten wir, das beschriebene Empfinden des Medianden, die Gerechtigkeit sei der puren Zufälligkeit eines Würfelwurfes ausgeliefert, zu einem Wunsch überzuleiten: Gerechtigkeit könne er als einen verlässlichen Maßstab erleben. Damit war ein lohnendes Ziel entstanden, das den Medianden zur Mitarbeit motivierte.

3. Anleitung für MediatorInnen

Gerechtigkeit üben hat viel mit Vergleichen zu tun. Die von den Medianden subjektiv empfundene Gerechtigkeit ist ein Maßstab, an dem ihre Forderungen und Angebote gemessen werden. Mit anderen Worten: In einer Mediation sind die Gerechtigkeitsbilder der Medianden der Maßstab, mit dem sie messen und sich messen lassen wollen.

Häufig werden Sie als MediatorIn bildliche Ausdrücke hören wie: 

Wir fühlen uns dem Spiel der Wellen ausgesetzt oder hilflos wie in einer Schiffsschaukel; wir müssen aus einer Schüssel essen oder wir wünschen uns eine Verkehrsampel, nach der wir uns richten können.

Die Kunst, die Gerechtigkeitsgefühle der Medianden einander anzunähern, besteht in der Auswahl und Strukturierung von bildhaften Vergleichen. Laden Sie Ihre Medianden dazu ein, das Beste aus einer Situation zu machen und offen zu sein für andere Sichtweisen, so auch für die des Gegenübers.

Vergleichende Sprachbilder und Metaphern können Sie üben. Erinnern Sie sich beispielsweise an eine Situation, die Sie als ungerecht erlebt haben und geben Sie ihr einen bildhaften Ausdruck. Und versuchen Sie das gleiche mit einer als gerecht erlebten Situation.

4. Fundstellen, Literaturempfehlung

In ihrem praxisnahen Lehrbuch »Sprachbilder und Metaphern in der Mediation« vermitteln die erfahrenen Mediatoren und Ausbilder Brigitte und Ernst Spangenberg, wie Sie mit einer bildhaften Sprache Ihre professionelle Gesprächsführung unterstützen können. Durch zahlreiche Dialogbeispiele, Formulierungshilfen und Übungsfragen erhalten Sie wertvolle Anregungen zum Einsatz von Sprachbildern und Metaphern in den unterschiedlichsten Konstellationen.

(Fachredaktion Jürgen Heim)

 

Ausführliche Produktinformationen und Leseproben zu »Sprachbilder und Metaphern in der Mediation«.

Hören und sehen Sie Brigitte und Ernst Spangenberg auf Youtube!