MiKK-Training mit internationalen ExpertInnen

Internationale Kindschaftsmediation
MiKK-Training mit internationalen ExpertInnen

21 MediatorInnen aus 11 Ländern in Berlin

Von Christoph C. Paul und Ischtar Khalaf-Newsome

MiKK-ExpertInnen in Berlin

Zum wiederholten Mal fand in Berlin das englischsprachige Training Cross-Border Family Mediation (CBFM) statt, diesmal mit erfahrenen MediatorInnen aus Belgien, Deutschland, Italien, Japan, den Niederlanden, Polen, Schweden, Singapur, Spanien, den USA und Zypern.

Das Training wurde von dem gemeinnützigen Verein »MiKK - Internationales Mediationszentrum für Familienkonflikte und Kindesentführung« gestaltet. Es umfasste insgesamt 50 Stunden und befähigt zur Listung im Mediationsregister von MiKK und außerdem im EU-geförderten Netzwerk.

 

Kernstück der von MiKK organisierten Mediationen in grenzüberschreitenden Familienkonflikten einschließlich Kindesentführungen und damit auch dieses Trainings ist die Arbeit in Co-Mediation nach der »Breslauer Erklärung«: Die Mediation soll als sogenannte binationale Co-Mediation durchgeführt werden. Dies bedeutet, dass die MediatorInnen die gleiche nationale Herkunft wie die beiden Mediationsparteien haben sollen. Auf diese Weise reflektieren die beiden MediatorInnen den kulturellen Hintergrund, den die Eltern in sehr unterschiedlicher Weise haben. Außerdem sollen die MediatorInnen beide Geschlechter spiegeln und aus den beiden, in diesen Verfahren notwendigen Berufsgruppen entstammen - nämlich der psychologischen/pädagogischen bzw. juristischen.

Die Verfahren bedürfen auf Grund ihrer hohen Konfliktdynamik besonderer psychologisch- kommunikativer Fähigkeiten auf der einen sowie juristischer Erfahrungen auf der anderen Seite. In Entführungsverfahren sollen beide MediatorInnen außerdem bereit sein, nach Auftragserteilung möglichst innerhalb von ein bis zwei Wochen für die Durchführung einer Mediation zur Verfügung zu stehen. Die Breslauer Erklärung hat in diesem Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum; über die Jubiläumsveranstaltung in Warschau im Oktober 2017 folgt ein gesonderter Bericht für Mediation Aktuell.

Kindesentführungsverfahren finden in besonderer Nähe zum Recht und zu den gerichtlichen Verfahren statt. Die internationale Zusammensetzung des Trainings eröffnete die Möglichkeit, im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kulturen und Rechtsordnungen herauszuarbeiten, wie die betroffenen Eltern unterstützt werden können und nach einem dramatischen Einschnitt wie einer Kindesentführung eine einvernehmliche und zugleich nachhaltige Regelung zu erarbeiten, die sowohl dem Kindeswohl und auch internationalem Recht entspricht. All dies wird durch Input zu juristischen Themen (HKÜ und KSÜ sowie Brüssel II a – Verordnung) und zu Fragen der Beteiligung der Kinder in der Mediation (child fucussed or child inclusive mediation) mit vielen Rollenspielen vertieft.

Die fünf TeilnehmerInnen aus Singapur (auf dem Foto v.l.n.r.: Anuradha Sharma, Aye Cheng Shone, Wong Kai Yun, Michael Yap Gim Chuan und Gloria James-Civetta) beschreiben ihre Eindrücke von dem Training wie folgt:

»The training was, although intense, very insightful. Different models and perspectives were presented in the training and we learnt how to integrate them into the model that we have learnt during our own mediation training in Singapore.

Aside from the training, we networked with the other trainees and found that we were all of the same mindset when attending the training, i.e., to gain further insight into what we already know and to network with each other so that our base for cross-border work is broadened.

The book (Cross-Border Family Mediation – International Parental Child Abduction, Custody and Access Cases) compliments the training and provided further details of the said models and perspectives and is an invaluable source of reference.«

Besonders interessant ist das zunehmende Interesse von TeilnehmerInnen aus dem asiatischen Raum an dem MiKK-Mediationsmodell. In den letzten drei Jahren haben wiederholt  KollegInnen aus Hongkong, Japan und Singapur an den CBFM-Trainings teilgenommen. Außerdem hat MiKK bereits zum vierten Mal in den vergangenen Jahren MediatorInnen in Japan trainiert. Im November dieses Jahres werden Ischtar Khalaf-Newsome, Michael Ford und Christoph C. Paul im Auftrag von MiKK ein kohärentes 50-Stunden-Training zu MiKK, Mediationszentrum, Kio in Singapur abhalten. Das MiKK-Co-Mediations-Modell in grenzüberschreitenden Familienkonflikten ist offenbar auch für den ASEAN-Raum von großem Interesse.

Über ihre Erfahrungen bei dem Training in Singapur werden sie für Mediation Aktuell berichten.

 

AutorInnen

 

Christoph C. Paul, Rechtsanwalt, Notar und Mediator und

Ischtar Khalaf-Newsome, Leiterin der Beratungsstelle von MiKK

 

 

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