Paradigmenwechsel: Die Professionalisierung der Mediation

Aufruf aus der Praxis für die Praxis
Paradigmenwechsel: Die Professionalisierung der Mediation

Voraussetzungen und Konsequenzen

Teil 2. Warum Mediation eine Profession ist

von Dr. Karl Kreuser

Paradigmenwechsel: Die Professionalisierung der Mediation

 

Mit ihrem Aufruf an Mediationsverbände und MediatorInnen fordern Thomas Robrecht und Dr. Karl Kreuser auf der Grundlage ihres »Forschungsprojekts Mediationskompetenz«, den Diskurs über Mediationsqualitäten wegzuführen:

von der ständigen Frage nach der Anzahl der Ausbildungsstunden hin zur Ermittlung von Kompetenzen und damit zur Qualität der »Professionellen Mediation«.

Die Voraussetzungen dazu wurden in Teil 1 von Thomas Robrecht beschrieben.

 

In der Fortsetzung (Teil 2) dieses Diskurses von Dr. Karl Kreuser lesen Sie,

- welche äußeren Merkmale und

- welche innere Haltung dazu erforderlich sind und

- warum Mediation eine eigenständige Profession ist.

                                                     

Mediation ist nichts, das Mediatorinnen und Mediatoren herstellen und das vom Klientensystem konsumiert wird. Vielmehr ist sie etwas, das in kollektiver Koproduktion von allen Beteiligten im Mediationssystem erzeugt wird.

Mediation ist Verfahren und Medium zugleich. Das bedeutet, dass gewisse Qualitäten erst im tatsächlichen Prozess, in kreativer Koproduktion zwischen den MediatorInnen und ihren KlientInnen/MediandInnen emergieren. Diese neu aufscheinenden, nicht vorhersagbaren Qualitäten im Miteinander sind methodisch nicht kopierbar und machen jede Mediation einzigartig und unverwechselbar.

Diese Erkenntnis zeigt sehr deutlich, wie notwendig das Verlassen einer rein verfahrensorientierten Ebene für Mediation ist und führt den Unterschied vor Augen zwischen dem

- 'Anwenden des Mediationsverfahrens' und

- 'Mediation als Profession'.

Mediation wird meist als ein Verfahren definiert. Inhaltlich ist das genauso richtig wie die Beschreibung, dass ein Jurist seine Mandanten vor Gericht vertritt, ein Therapeut bei Klienten Kriseninterventionen durchführt oder ein Arzt von seinen Patienten ein Röntgenbild erstellt. Allerdings würden sich all diese Professionen niemals auf ein Verfahren reduzieren lassen.

Diese Reduzierung einer professionellen Dienstleistung auf ein Verfahren ist einer der wesentlichen Gründe für die mangelnde Akzeptanz von Mediation in der Öffentlichkeit.  Gegen diese selbst erzeugte Begrenzung mit ihrer öffentlichkeitswirksam abwertenden Wirkung wollen wir Impulse setzten und dem Mut zur Veränderung fördern. Dafür begründen wir, warum Mediation eine eigenständige Profession ist und beschreiben sie.

MediatorInnen können mit dieser Sichtweise eine selbstauferlegte Hürde des Marktzutritts überwinden; KlientInnen erhalten einen nachhaltigeren und passgenaueren Nutzen.

Der Professionsbegriff ist vielseitig und schillernd, deshalb muss geklärt sein, was wir darunter genau verstehen.

Eine Profession ist ein (berufliches oder ehrenamtliches) Tätigkeitsfeld, das durch folgende Eckpunkte determiniert ist:

Profession

  • ist eine definierte Dienstleistung (KlientInnen-Nutzen, Einordnung in Kontexte, s. o.),
  • hat eine gesellschaftliche Funktion (übergeordneter Nutzen, Daseinszweck),
  • hat eine spezifische Theorie, mit der sie die vorgefundene Praxis betrachtet (Ausbildung),
  • wendet begründete Vorgehensweisen an (Verfahren)
  • bearbeitet konkrete individuelle oder kollektive Nöte der Ratsuchenden (Fälle),
  • wird stellvertretend und temporär in Anspruch genommen, wenn die Inhaber der Nöte momentan nicht auf ausreichend eigene Kompetenzen zurückgreifen können (Zustand Problem),
  • besitzt diagnostische Kompetenz (Fallverstehen),
  • arbeitet mit Hypothesen und richtigen Irrtümern (Unschärfen) und
  • trägt eine reflektierte Verantwortung (Berufsmoral, mediative Haltung).

 

Daraus resultiert die Definition von professioneller Mediation als Kompetenz, einem sozialen System eine Zustandsänderung von 'Problem' nach 'Lösung' zu ermöglichen.

 

Die Professionalisierung der Mediation - Schaubild

 

Die theoretische Begründung, warum Mediation eine eigenständige Profession ist, wurde auf dem Portal des Wissenschaftsbeirates des Österreichischen Bundesverband für Mediation (ÖBM) und auf dem »Fachportal Mediation aktuell« - unter dem Titel »Mediation ist nicht Brezenbacken - Die Professionalisierung der Mediation« veröffentlicht:

Sie zeigt auf, warum Mediation eine eigenständige Profession ist.

(Link ---> »Mediation ist nicht Brezenbacken - Die Professionalisierung der Mediation Teil 1«)

 

Im zweiten Teil werden unter dem Titel »Die Professionalisierung der Mediation – Teil 2 - Die Klientensysteme und das kognitive Verstehen des Konflikts« die Besonderheiten mediativen Handelns dargestellt, die nur durch Professionalität erklärt werden können, weil sie das rein Handwerkliche hinter sich lassen.

(Link: --> Die Professionalisierung der Mediation – Teil 2 - Die Klientensysteme und das kognitive Verstehen des Konflikts«)

 

Ergänzende Informationen hierzu und eine Zusammenfassung des Autors sehen und hören Sie in diesem

Video »Was Mediation als Profession kennzeichnet.«

 

Mediation als Profession - Dr. Karl Kreuser

 

 

Über den Autor:

 

Dr. Karl Kreuser ist deutscher Konfliktforscher und geschäftsführender Gesellschafter von SOKRATeam.

Expertise: Coach, EFQM-Assessor, Mediator (BM), Experte für systemische Strukturaufstellung sowie Kompetenzdiagnostik und -Entwicklung (KODE®), promovierte mit dem Thema »Strategisches Kompetenzmanagement unter Diversity-Aspekten« zum Doktor der Philosophie.

 

 

 

 

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