Prävention und Methodenvielfalt im konsensualen Konfliktmanagement

3. Kongress Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft
Prävention und Methodenvielfalt im konsensualen Konfliktmanagement

Fragen der Redaktion an RA´in Dr. Sabine Renken und RA Dr. Andreas May

Prävention und Methodenvielfalt im konsensualen Konfliktmanagement

Der Verband der Bau und Immobilienmediatoren veranstaltete am 26. Februar 2016 in Frankfurt seinen 3. Kongress Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Mit dem Leitthema »Prävention und Methodenvielfalt« unterstützten die Organisatoren den Diskurs über die Vorteile eines konsensualen Konfliktmanagements in der Bau- und Immobilienbranche unterstützen.

Die Liste von Konflikten im Kontext von Qualität, Preis und Inhalt erbrachter Bau- und Planungsleistungen von Bauunternehmen, Handwerkern, Architekten oder Fachfirmen ist mitunter lang. Gegensätzliche Interessenlagen führen schnell zu gerichtlichen Auseinandersetzungen mit hohen Folgekosten, die nur selten zu zeitnahen Lösungen der Probleme führen.

Wurden auf diesem Kongress schnellere und kostengünstigere Lösungswege und –methoden vorgestellt?

Wir hatten Gelegenheit, der Pressesprecherin des Verbandes der Bau- und Immobilienmediatoren e. V., Rechtsanwältin und Mediatorin Dr. Sabine Renken und dem Rechtsanwalt und Mediator Dr. Andreas May einige Fragen zu stellen:

Redaktion WMV: Frau Dr. Renken, welche Zielgruppen konnten Sie mit Ihrer Fachveranstaltung erreichen und was erwartete die Branchenteilnehmer am 26.2. in Frankfurt?

RA Dr. Renken: Eigentlich alle, die mit Bauen und Immobilien und den damit einhergehenden Konflikten zu tun haben – also nicht nur die Mediatoren und Berater, sondern vor allem auch fachlich Interessierte aus der Praxis: Entscheider und Projektverantwortliche, die sich um die Effizienz von Prozessen kümmern, die mit Bauen zu tun haben. Dazu gehören sowohl Architekten, Projektsteuerer und Projektentwickler auf der einen, Investoren und Bauunternehmer auf der anderen Seite.
Für die Vertreter der Bauwirtschaft war sicherlich unser 3. Modul »Verfahrensübergreifende mediative Aspekte in der außergerichtlichen Konfliktlösung« interessant: hier ging es insbesondere um Bauzeitsteitigkeiten in der Rechtsprechung und Adjukation. Mit unserem 2. Modul »Risikomanagement
für den Immobilieninvestor« befassen wir uns mit der interessenorientierten Konfliktbearbeitung im Immobiliensektor

Redaktion WMV: Herr Dr. May – Sie haben langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der gerichtlichen und außergerichtlichen Konfliktbearbeitung in der Bau- und Immobilienbranche. Die durchschnittliche Verfahrensdauer von Bauprozessen ist lang, die Instanzgerichte klagen über hohe Fallzahlen. Steigt der Stellenwert konsensualer Konfliktbearbeitung in diesem Fachbereich?

RA Dr. Andreas May: Meine Eindrücke von gerichtlichen Auseinandersetzungen, die ich in aller Regel zu vermeiden versuche, waren eher abschreckend. Diese Erfahrung machen immer mehr Marktteilnehmer der Bau- und Immobilienwirtschaft. Warum lange und teuer prozessieren, wenn gerade in Bausachen am Ende eine vom Gericht forcierte Einigung steht, die man auf anderem Wege wesentlich früher und friedlicher schaffen kann? Aufgrund solcher Einsichten steigt der Stellenwert konsensualer Konfliktbearbeitung stetig. Aber der Anteil unnötiger gerichtlich ausgetragener Konflikte ist noch immer viel zu hoch. Aufgrund des zunehmendem Bewusstseins für die immensen Vorteile einvernehmlicher Konfliktlösungen kann hier noch ein großes Potential gehoben werden.

Redaktion WMV: Eine Zusatzfrage: Warum rückte nun die Prävention in den Fokus dieses Fachkongresses?

RA Dr. Andreas May: Aus der Sicht eines Mediators oder Schlichters ist es viel befriedigender und auch erfolgversprechender, wenn er nicht erst wirken darf, nachdem das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Prävention bedeutet Konfliktvermeidung durch Früherkennung und aktives Gegensteuern. Dadurch wird eine unnötige Eskalation verhindert. Auch wirtschaftlich ist Prävention für alle Beteiligten der effizienteste Ansatz. Gerade in Bausachen dient die Prävention zumindest der Schadensminderung. Das Hauptanliegen sollte sein, den Schaden erst einmal zu vermeiden oder zu begrenzen, bevor über die Verantwortlichkeiten gestritten wird. Wenn der Schaden kleiner ist, fällt auch die wirtschaftliche Eingung viel leichter.

Redaktion WMV: Herr Dr. May empfehlen Sie das Knowhow der konsensualen Verfahren zur Prävention und Bearbeitung von Konflikten im Bereich der Bau- und Immobilienwirtschaft als unterstützende oder sogar notwendige Schlüsselkompetenz?

RA Dr. Andreas May: Diese Frage ist uneingeschränkt zu bejahen. Die Konfliktkultur wird von den handelnden Menschen geprägt. Kenntnisse über Verfahren und auch Methoden konsensualer Konfliktbearbeitung sind extrem hilfreich, um Streitigkeiten zu vermeiden und einer Eskalation entgegen zu wirken.

Redaktion WMV: Zusatzfrage: Gilt dies in erster Linie für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte? Oder auch für die Dienstleister, Unternehmer, Handwerker und Fachvertreter der Bau- und Immoblienbranche?

RA Dr. Andreas May: Das Umdenken findet auf allen Ebenen und bei allen Beteiligten statt. Es ist wichtig, dass möglichst viele der handelnden Personen die Alternativen kennen und wollen. Leider ist noch nicht überall angekommen, dass mediatorisch kompetente Rechtsanwälte auch präventiv eingesetzt werden können. Oft werden Rechtsanwälte erst eingeschaltet, wenn schon eine hohe Eskalationsstufe erreicht ist. Umso wichtiger ist es, dass auch die unmittelbar im Projekt agierenden Personen das Knowhow haben, mit Konflikten anders als auf herkömmliche, konfrontative Weise umzugehen.

RA´in Dr. Renken: Es ist generell eine gute und wichtige Empfehlung, wenn wir unsere Streitkultur verbessern. Und genau das fördert die Mediation!

Redaktion WMV: Frau Dr. Renken, welches Highlight erwartete die Teilnehmerinnen und Teilnehmerin in diesem Jahr?

RA´in Dr. Renken: Ein im Programm nicht explizit angekündigtes Highlight war in diesem Jahr sicher die Einführung unseres Vorstandsvorsitzenden, Dr. Martin Jung: Er sprach über »BIM (Builing Information Modeling)« sprechen – eine neue Methode, die im Ausland bereits eine hohe Präsenz erlangt hat und uns als Baumediatorinnen und Baumediatoren in naher Zukunft häufiger beschäftigen wird.

 

Redaktion WMV: Frau Dr. Renken, Herr Dr. May, ich danke Ihnen für dieses Gespräch .

(Das Interview führte Jürgen G. Heim, Leitung Redaktion Mediation aktuell, Wolfgang Metzner Verlag)

 

Weitere Informationen:  --> Programm


Unsere Interviewpartner

 

Dr. Sabine Renken M. A.

Dr. Sabine Renken, M.A.

Presse / Public Relations - Verband der Bau- und Immobilienmediatoren e.V.

(VORSTAND Dr. Martin Jung • Mario Garbuio-von Au • Prof. Bernd Kochendörfer • Martina Lauenroth       • Christof Wagner • Dr. Sabine Renken)

Gneisenaustraße 8 • 40477 Düsseldorf

TEL +49.(0)40 41 999 245 FAX +49.(0)40 27886857

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RA Dr. Andreas May 

Dr. Andreas May

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