Renommierte Anwälte fokussieren Mediation und konsensuale Verfahren

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Renommierte Anwälte fokussieren Mediation und konsensuale Verfahren

Was ist der Schlüssel zum Erfolg? GSK-Gründungspartner Dr. May im Interview.

SK-Gründungspartner Dr. May im Interview

Der Frankfurter Rechtsanwalt und Wirtschaftsmediator Dr. Andreas May, Gründungspartner der Wirtschaftsanwälte GSK Stockmann + Kollegen geht neue Wege. Mit seiner Kanzlei »May und Partner« (Frankfurt – Berlin) wird er sich neben der klassischen Anwaltstätigkeit die Verfahren der Mediation und einvernehmlichen Konfliktbeilegung anbieten.

Mediation aktuell im Gespräch mit Dr. May über seine Beweggründe und Perspektiven dieser Entscheidung.

Herr Dr. May, Sie waren seit 1997 Gründungspartner der Kanzlei GSK Stockmann + Kollegen und haben nun mit Anwaltskollegen die »May und Partner Rechtsanwälte Mediatoren mbB« mit dem Ziel gegründet, verstärkt Mediationsmandate zu übernehmen und Beratungen zur Konfliktbearbeitung anzubieten.
Was war der Grund für diese Entscheidung?

Dr. May: In den letzten Jahren habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema Mediation und Konfliktlösung beschäftigt. Für die klassische Anwaltstätigkeit, die ich weiterhin mit Begeisterung ausübe, war die große Einheit GSK eine ideale Plattform. Für das neue Feld der Mediation und Konfliktlösung sehe ich hingegen eine kleinere und auf dieses Gebiet fokussierte Einheit als vorteilhafter an.

In einer großen Sozietät stellen Mediation und Konfliktlösung Annexkompetenzen dar, die das Beratungsspektrum abrunden, jedoch gegenüber den herkömmlichen Beratungsschwerpunkten zwangsläufig in den Hintergrund treten. Ganz anders ist es jetzt bei May und Partner Rechtsanwälte Mediatoren mbB. Wie auch unser Kanzleiname ausdrückt, ist die in der neuen Einheit vorhandene Mediationskompetenz für die Kanzlei nach innen und außen mitprägend. Immerhin sind bei May und Partner drei von vier Anwaltskollegen ausgebildete Mediatoren. Mediation und Konfliktlösung bilden damit einen echten Schwerpunkt, der gleichrangig neben unserem anwaltlichen Schwerpunkt im Immobilienwirtschaftsrecht steht und sich mit diesem auf ideale Weise verbindet.

Wie haben Sie mit Ihren neuen Kollegen zusammengefunden und welche Aspekte waren Ihnen beim Eingehen dieser Verbindung besonders wichtig?

Dr. May: Mit meinen Partnern Philipp Klingen und Dr. Martin Moeser habe ich schon in unserer früheren Kanzlei viele Jahre erfolgreich und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Nils Goltermann ist als Unternehmensvertreter am »Round Table Mediation & Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft (RTMK)« und als Kommentarautor in der Mediationsszene kein Unbekannter. Über den zunächst fachlichen und zunehmend auch persönlichen Austausch habe ich ihn kennen und schätzen gelernt und schließlich auch ihn für das gemeinsame Projekt der Anwalts- und Mediationskanzlei begeistern können.


Alle Teammitglieder bei May und Partner haben einen hohen fachlichen Anspruch, wollen aber auch Freude an der gemeinsamen Arbeit haben.

Es mag sein, dass Mediatoren allgemein der persönliche Aspekt besonders wichtig ist. Jedenfalls ist es uns in der neuen Kanzlei ein großes Anliegen, dass die Teammitglieder nicht nur fachlich gut zusammenpassen. Wir legen Wert auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, die von Wertschätzung, Respekt und Vertrauen getragen ist. Ich freue mich, Mitstreiter gewonnen zu haben, die wie ich Freude daran haben, ihr Umfeld entsprechend zu gestalten und das gemeinsame Projekt tatkräftig voranzubringen.

Welche Vorteile haben nach Ihrer Erfahrung konsensuale Verfahren und die Anwendung konsensualer Methoden für den beratenden Anwalt?

Dr. May: Konsensuale Verfahren und Methoden führen oft schneller und kostengünstiger zur Lösung von Konflikten als vor staatlichen Gerichten oder Schiedsgerichten ausgetragene Streitigkeiten. Es frustriert Mandanten in hohem Maße, wenn sie nach einem jahrelangen und teuren Rechtsstreit vom Gericht zu einem Vergleich gedrängt werden, den sie so oder ähnlich viel früher und kostengünstiger hätten haben können. Für den beratenden Anwalt, der nach Zeit abrechnet, bedeutet der konsensuale Ansatz vordergründig, dass er am einzelnen Fall unter Umständen weniger verdient als an einem langen Gang durch die Instanzen. Wer als Anwalt an nachhaltigen Mandantenbeziehungen interessiert ist, lässt sich allerdings ausschließlich vom Mandanteninteresse und nicht von seinem Gebühreninteresse leiten.

Ein großer Vorteil für den beratenden Anwalt ist die hohe Mandantenzufriedenheit, wenn es gelungen ist, einen Konflikt schnell und effizient zu lösen und so zu einer Befriedung beizutragen. Diese Art der Arbeit kann für beratende Anwälte auch inhaltlich viel befriedigender sein als das wechselseitige Aufrüsten durch exzessive Schriftsätze. Natürlich gibt es auch Anwälte, denen Streiten Spaß macht, und oft finden sie auch die zu ihnen passenden Mandanten. Aber die meisten Anwälte, und das trifft insbesondere auch auf die wirklich guten Litigation-Anwälte zu, agieren nicht aus Streitlust, sondern aus dem Bestreben, für ihren Mandanten das Optimum zu erreichen. Das ist in aller Regel nicht der mit hohen Risiken erkaufte Sieg nach einem erbittert geführten Prozess, der zudem oft verbrannte Erde hinterlässt. Die wahre Kunst ist, das harte Kämpfen auf die Fälle zu beschränken, wo es nicht vermeidbar ist. Diese Fälle gibt es natürlich auch, aber sie sind nicht so zahlreich wie die immer noch geführten Prozesse.

Wie fällt das Mandanten-Feedback aus, wenn Sie mit konsensualen Ansätzen arbeiten?

Dr. May: Ich beziehe Ihre Frage primär auf die anwaltliche Tätigkeit als Parteivertreter. Das Feedback unserer Mandanten ist ausgesprochen positiv, wenn wir hier mit konsensualen Ansätzen arbeiten. Dies gilt natürlich vor allem dann, wenn die konsensualen Ansätze auch Früchte tragen. Unsere Mandanten wissen aber auch, dass wir Konflikte nicht weichspülen und dass wir als Parteivertreter hundertprozentig ihre Interessen verfolgen. Das schließt nicht aus, dass in manchen Fällen gestritten werden muss. Es geht um die Wahl und auch die Abfolge der Mittel. Mandanten, die von Ihrem Anwalt von vornherein einen konfrontativ geführten Angriff erwarten, fühlen sich von uns wohl kaum angezogen. Unsere Mandanten schätzen es, dass wir sie nicht in Prozesse hineinziehen, sondern dass wir sie vor vermeidbaren Prozessen bewahren.

Sind Ihrer Meinung nach Rechtsanwälte mit ihrem Quellberuf besonders geeignet für die Anwendung und Umsetzung konsensualer Verfahren?

Dr. May: Rechtsanwälte sind dafür prädestiniert, in Konflikten zu beraten, weil viele Konflikte zumindest auch rechtlicher Natur sind und die Rechtslage dann nicht außer Acht bleiben kann. Für einen Mediator oder Schlichter ist es in seiner neutralen Rolle oft sehr hilfreich, wenn er die Rechtslage selbst einschätzen kann und dadurch, mit der gebotenen Zurückhaltung, Impulse setzen kann.

In vielen wirtschaftlich bedeutsamen Konflikten lassen sich die Konfliktparteien anwaltlich begleiten. Für diese Rolle ist der Quellberuf des Rechtsanwalts nicht nur hilfreich, sondern zwingend notwendig. Allerdings ist es für erfolgreiche Mediationen oder Schlichtungen sehr förderlich, wenn auch der anwaltliche Parteivertreter mediatorisch geschult und eine auf Konsens ausgerichtete Haltung einbringt. Manche Mediationen scheitern daran, dass die anwaltlichen Vertreter das Verfahren boykottieren oder sabotieren, weil sie „auf Krawall gebürstet" sind. Aufgrund entsprechender Erfahrungen habe ich mich in Veröffentlichungen für den Einsatz von kompetenten Mediationsanwälten ausgesprochen, wenn gütliche Einigungen das Ziel sind.

Worin liegen die Herausforderungen und Schwierigkeiten für den kontradiktorisch geschulten Anwalt?

Dr. May: Die Herausforderungen für den kontradiktorisch geschulten Anwalt liegen vor allem darin, neben dem Denken in Ansprüchen und Positionen auch eine umfassende Betrachtung und Herangehensweise zuzulassen. Und für den Mediator oder Schlichter ist es immer wieder eine Herausforderung, sich mit eigenen rechtlichen Erkenntnissen und sich teilweise aufdrängenden Lösungen zurückzuhalten und die Parteien geduldig dabei zu unterstützen, selbst die Lösung zu finden, die sie für angemessen halten.

Eine Frage zur praktischen Umsetzung: Welche ADR-Tools oder –Techniken setzen Sie bevorzugt im Rahmen Ihrer Tätigkeiten als Mediator einerseits und als Rechtsanwalt anderseits ein?

Dr. May: Als Mediator halte ich »Einzelgespräche« für hilfreiche Mittel und setze sie gerne in einem größeren Umfang ergänzend ein, als sie hierzulande verbreitet sind. Insoweit bin ich auch geprägt durch eine Mediationsausbildung bei CEDR in London, die ich zusätzlich zu meiner deutschen Ausbildung zum Wirtschaftsmediator absolvieren konnte. Im angelsächsischen Raum sind getrennte Einzelgespräche mit den Parteien die Regel und gemeinsame Sitzungen die Ausnahme. So extrem sehe ich es für meine Mediationen nicht, aber ich schätze die Möglichkeit, flexibel auf die konkrete Situation zu reagieren. Insbesondere für Mediationsparteien aus dem internationalen Umfeld kann es ohnehin vorteilhaft sein, wenn man das Verfahren auf eine ihnen vertraute Weise führt. Auch als anwaltlicher Parteivertreter habe ich die Erfahrung gemacht, dass aktives Zuhören und das Ansprechen der Interessen beider Parteien bessere Verhandlungsergebnisse bringt als ein Beharren auf Positionen.

Welche Art von Fällen empfinden Sie in Ihrer Mediationspraxis als besonders befriedigend?

Dr. May: Gesellschafterkonflikte sind ein interessantes und dankbares Feld, in dem Mediation gute Dienste leisten kann. Es ist nicht das vorgegebene Ziel der Mediation, dass Gesellschafter, die nicht mehr miteinander können, gemeinsam weitermachen. Manchmal ist eine klare und faire Trennung für alle Beteiligten die bessere Lösung, aus der Neues entstehen kann. Wenn die Gesellschafter sich jedoch in einer Mediation wieder annähern, wieder Vertrauen gewinnen können und ein Unternehmen auf diese Weise erhalten bleibt, finde auch ich es als Mediator erfüllend, hierzu beigetragen zu haben.

Viele Kolleginnen und Kollegen begegnen der Anwendung konsensualer Verfahren noch mit Skepsis. Und doch hat sich der Deutsche Anwaltstag 2015 unter dem Motto »Streitkultur im Wandel« diesem Thema intensiv gewidmet. Worin liegen die Gründe für diese Skepsis Ihrer Meinung nach und »Wohin geht die Reise?«

Dr. May: Die teilweise noch vorhandene Skepsis in der Anwaltschaft beruht zu einem großen Teil auf unzureichender Kenntnis und fehlenden eigenen Erfahrungen im Bereich alternativer Konfliktlösung. Hier gilt es Überzeugungsarbeit zu leisten, um Unsicherheiten abzubauen.

Wenn Anwälte erkennen, dass sie auch als Parteivertreter in Mediationen, Schlichtungen und anderen ADR-Verfahren eine wichtige Rolle spielen, werden Vorbehalte abnehmen. Die Reise geht nach meiner Einschätzung dahin, dass Mandanten die konsensualen Alternativen mehr und mehr nachfragen. Wer als Anwalt erfolgreich bleiben will, wird sich dieser Entwicklung auf Dauer nicht verschließen können. Wünschenswert ist jedoch, dass Anwälte sich auch aus eigener Überzeugung dem gesamten Spektrum der Konfliktlösung öffnen, um ihren Mandanten das jeweils beste Verfahren anbieten zu können. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir insoweit auf einem guten Weg sind.

Mediation aktuell: Herr Dr. May herzlichen Dank für dieses Gespräch.
(Das Interview führte Jürgen G. Heim, Leitung Redaktion Mediation aktuell, Berlin.)

 

MAY UND PARTNER
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 J. G. Heim