Ressourcenmetaphern der Medianden

Metaphern in der Mediation
Ressourcenmetaphern der Medianden

Sprachbilder und Metaphern – Schlüssel unserer Sprache

Ressourcenmetaphern - Katze fällt auf Ihre Pfoten

Brigitte und Ernst Spangenberg sind die Autoren unserer Serie, in der wir regelmäßig die Bedeutung und Anwendung einzelner Metaphern und Sprachbilder vorstellen.

 

 

 

 

1. Metapher und Kontext: Die Katze fällt immer wieder auf ihre Pfoten

Im Rahmen einer Trennungsmediation schilderte uns eine junge, unverheiratete Mutter ihre großen Probleme im Kontext der Trennung von ihrem Partner – dem Vater der gemeinsamen Kinder - und ihre wirtschaftlichen Sorgen um den Unterhalt für sich und ihre beiden minderjährigen Kinder. Obwohl die finanzielle Lage unsere Mediandin äußerst problematisch war, schob sie ihre Ängste jedoch einfach zur Seite. Sie zeigte sich gegenüber dem Vater ihrer Kinder unverständlicherweise großzügig und wollte auf einen Großteil der ihr zustehenden Zahlungsansprüche verzichten. Dabei verwendete sie wiederholt die trotzige Formulierung »Ich will nicht abhängig sein; ich schaffe das schon irgendwie. Ich bin wie eine Katze. Ich falle immer wieder auf die Pfoten.«

2. Beschreibung und Inhalt

Konfliktparteien verwenden oftmals ihre eigenen Metaphern und Sprachbilder zur Darstellung konkreter Lebenssituationen. MediatorInnen sollten auf diese sprachlichen Ausdrücke der Medianden achten und sie zur Unterstützung verwenden.

In einer Lebenskrise gilt es, Ressourcen zu aktivieren, die zuvor nicht benötigt wurden. Oftmals sind sie der betroffenenen Person selbst nicht klar genug. Menschen können in Krisenzeiten ungeahnte Fähigkeiten entwickeln, von denen sie zuvor nichts wussten. Manche Menschen neigen aber auch dazu, ihre Ressourcen zu überschätzen oder im Konfliktfall falsch zu bewerten.

Die Sprache der Medianden wirkt hier wie ein Echolot zur Messung von Beschaffenheit und Anlage der Ressourcen.

Welche Hinweise können MediatorInnen in diesem Kontext bekommen?

Sätze wie »Wenn ich meine Familie brauche, steht sie hinter mir.« oder »Ich bin aus einem Dornröschenschlaf erwacht.« oder die hier verwendete Umschreibung »Ich bin wie eine Katze; ich falle immer wieder auf die Pfoten.« geben MediatorInnen wichtige Hinweise auf tatsächliche Ressourcen oder nur vermutete Kräfte der Medianden.

3. Anleitung für MediatorInnen

Greifen Sie als MediatorIn derartige sprachliche Formulierungen auf.

Allerdings ist Vorsicht geboten. Die vor Selbstüberzeugung nur so strotzende Formulierung unserer Mandantin »Ich bin wie eine Katze, ich falle immer wieder auf die Pfoten.« kann auf den ersten Blick Selbstvertrauen repräsentieren, das aus eigener Lebenserfahrung gewachsen zu sein scheint. Hinter dieser Formulierung kann sich aber auch eine emotionale Trotzhaltung verstecken, die die eigenen Lebensumstände völlig verkennt.

In anderen Fällen kann die Aussage über jemanden, er sei » …wie eine Katze, die immer auf die Pfoten falle...« als  Strategie zur Verschärfung des Konflikts  eingesetzt werden. Im Klartext kann nämlich gemeint sein: »Ich lehne jede Verantwortung für Dich ab; bisher bist Du immer wieder auf Deine eigenen Füße gefallen!«

Der Trotz, mit dem die junge Mutter im hier geschilderten Fall die Formulierung benutzte, ließ uns aufhorchen. Sie war zu großen Zugeständnissen in der Unterhaltsfrage bereit, obwohl sie mit ihren eigenen wirtschaftlichen Mitteln die zwei kleinen Kinder nicht versorgen konnte. Wir ließen sie wissen, dass auch eine Katze nicht gefahrlos aus jeder Höhe auf ihre Pfoten fallen kann, ohne sich in blauäugiger Selbstüberschätzung Schmerzen zuzufügen. Daher sei es notwendig, dass sie vor der Fortsetzung des Mediationsverfahrens ihre Unterhaltsansprüche und die wirtschaftlichen Konditionen durch ihre Familienanwältin überprüfen ließe.

Wachsamkeit beim Zuhören ist also ebenso empfehlenswert, wie ein kritisch-wacher Blick auf die realen Lebensumstände der Medianden.

4. Fundstellen, Literaturempfehlung

Im praxisnahen Lehrbuch »Sprachbilder und Metaphern in der Mediation« vermitteln unsere Autoren, Brigitte und Ernst Spangenberg, wie Sie mit einer bildhaften Sprache Ihre professionelle Gesprächsführung unterstützen können. Durch zahlreiche Dialogbeispiele, Formulierungshilfen und Übungsfragen erhalten Sie wertvolle Anregungen zum Einsatz von Sprachbildern und Metaphern in den unterschiedlichsten Konstellationen.

(Fachredaktion Jürgen Heim)

 

Hören und sehen Sie Brigitte und Ernst Spangenberg auf Youtube!

 

 

 

Literaturempfehlung 
Spangenberg, Spangenberg: Sprachbilder und Metaphern in der Mediation
Spangenberg, Spangenberg
Details
29,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 160 Seiten, im März 2013 erschienen