Schlichtung als »Mediation Plus«

Rezension und Literaturempfehlung
Schlichtung als »Mediation Plus«

Wertvolle Anregungen für methodengerechte und rechtssichere Bearbeitungen

Prof. Dr. Reinhard Greger rezensiert May/May/Goltermann, Schlichtung in der wirtschaftsrechtlichen Praxis

Rezension Prof. Dr. Reinhard Greger

Bei Wirtschaftsstreitigkeiten ist die »reine« Mediation, bei der die Parteien von einer Mittelsperson zu einer von ihnen selbst zu entwickelnden Lösung geführt werden, oftmals nicht das passende Ver­fahren. Bei diesen Konflikten spielen persönliche Bedürfnisse zumeist keine entscheidende Rolle; die Interessen des Unternehmens (die streitige Forderung möglichst schnell, wirtschaftlich und image­wahrend aus den Büchern zu bekommen) liegen klar auf der Hand: Die Akteure sind auf kompetitives Verhandeln getrimmt und müssen mit einem Ergebnis nach Hause kommen, welches sie gegenüber der Firmenleitung oder Kontrollorganen rechtfertigen können. Darin mag ein Grund für die in mehre­ren Untersuchungen festgestellte Antinomie liegen, dass Wirtschaftstreibende, obwohl sie sich eine konsensuale Konfliktlösung wünschen, nicht zur Mediation greifen, sondern im Gerichtsverfahren landen.

Diese Beobachtung hat drei Angehörige einer auf alternative Konfliktlösung spezialisierten Anwalts­kanzlei veranlasst, einen Praxisleitfaden (May/May/Goltermann, Schlichtung in der wirtschaftsrechtlichen Praxis) zu erstellen, der aufzeigt, wie die Vorzüge der Mediation mit den Anforderungen der Wirtschaft in Einklang gebracht werden können. In dem von ihnen als »Schlichtung plus« bezeichneten Verfahren wendet der neutrale Dritte zwar die Verfahrensstruktu­ren, Kommunikations- und Verhandlungstechniken der Mediation an; zusätzlich wird er aber ermäch­tigt, einen nicht bindenden Einigungsvorschlag zu unterbreiten. Damit fällt das Verfahren aus dem Regelungsbereich des Mediationsgesetzes heraus; es unterscheidet sich aber auch deutlich von den zumeist rein schriftlich abgewickelten Schlichtungen nach dem Verbraucherstreitbeilegungsgesetz.

Die Verfasser zeigen auf, wie sich ein derartiges Hybridverfahren gestalten lässt, wie man in ein sol­ches Verfahren gelangt und welche Regeln bei seiner Durchführung zu beachten sind. Besonders ein­gegangen wird dabei auch auf die Rolle der Rechtsanwälte; ein eigenes Kapitel ist der projektbeglei­tenden, d.h. nicht erst im Konfliktfall eingreifenden Schlichtung gewidmet.

Das von Praktikern für Praktiker geschriebene Buch gibt wertvolle Anregungen für eine methoden­gerechte und rechtssichere Behandlung von wirtschaftsrechtlichen Konflikten. Es könnte dazu beitra­gen, die Vorbehalte gegen alternative Streitbeilegung in der Wirtschaft auszuräumen.

Ihm ist daher eine starke Verbreitung zu wünschen.



Autor

Prof. Dr. Reinhard Greger

Prof. Dr. Reinhard Greger

Richter am BGH a. D., ord. Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg i. R.,

Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und freiwillige Gerichtsbarkeit

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Literaturempfehlung 
May, May, Goltermann: Schlichtung in der wirtschaftsrechtlichen Praxis
May, May, Goltermann
Details
29,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 133 Seiten, im September 2018 erschienen