Sprachbilder und Metaphern – Schlüssel unserer Sprache

Metaphern in der Kommunikation
Sprachbilder und Metaphern – Schlüssel unserer Sprache

Gegen Angst und Unsicherheit - ziel- und lösungsorientierte Metaphern

von Brigitte und Ernst Spangenberg

Brigitte Spangenberg

Sprachbilder und Metaphern sind ein fester Bestandteil unserer alltäglichen Sprache. Sie vermitteln Vertrautheit in unsicheren Situationen und geben Gefühlen und Gedanken eine besonders ausdrucksstarke Wirkung.

Wer die Sprache als Instrument in seiner täglichen Arbeit einsetzen will, benötigt Basiswissen zur Funktionsweise von bildhaften Darstellungen. Er sollte Kenntnis von deren Eigenschaften haben und wissen, wie sie wirken.

Wer sich eine Vielzahl von Sprachbildern aneignet, kann schwierige Kommunikationssituationen entspannen und die im Sprachgebrauch verdeckten Konflikte sichtbar machen. Auch Ängste können damit gut dargestellt werden.

Gege sind Verständnishilfen und unterstützen eine professionelle Gesprächsführung und Kommunikation – sei es zur Motivation, als Intervention oder zur Deeskalation, als Verlangsamung oder zur Auflösung von Blockaden und insbesondere in diesen Tagen zur Vermittlung von Sicherheit und Zuversicht.

In einer kleinen Reihe stellen wir Ihnen bewährte Sprachbilder unserer erfahrenen Autorinnen Brigitte und Ernst Spangenberg vor.

»Lassen Sie sich für ein genaues Hören sensibilisieren. Denn nur der gute Zuhörer wird auch gehört, wenn er spricht.«

 

Heute zeigen wir Ihnen, wie unsere AutorInnen Brigitte und Ernst Spangenberg in bestimmten Situationen eigene Metaphern wählen, um in von Angst beeinflussten Situationen Zuversicht, Sicherheit und Schutz zu vermitteln.

 

1. Metapher und Kontext: Das Bild vom Würfel

Einer unserer Medianden hatte vor langer Zeit in einem Gerichtsverfahren das Gefühl der völligen Machtlosigkeit erfahren. Nun fürchtete er, das Erlebnis dieses Ausgeliefertseins werde sich in eine Wirtschaftsmediation wiederholen. Er betonte zu Beginn des Verfahrens immer wieder: »Es gibt keine Gerechtigkeit«.

Wir wollten ihm Mut machen und fragen ihn, mit welchem Bild er denn die Gerechtigkeit beschreiben würde.

Seine Antwort: »Die Gerechtigkeit, die ich kennen gelernt habe, ist wie ein Würfel. Das gewürfelte Ergebnis der höheren Gewalt muss ich wie eine über mich wie eine plötzliche Erkrankung ergehen lassen.«

Wir erklärten ihm, er könne immerhin entscheiden, ob er mitwürfelt oder nicht. Zudem bestehe doch eine absolute Chancengleichheit. Und wir fragten ihn, ob ihm noch ein besseres Bild für eine gerechte Lösung einfällt.

Der Mediand kam spontan auf das Bild des Urmeters, nach dem sich alle Längenmaße richten.

Wir versicherten ihm daraufhin, im Rahmen des Mediationsverfahrens die gemeinsame Suche nach einem Maßstab zu unterstützen, den beide Medianden anerkennen können.

 

2. Beschreibung und Inhalt

Im ersten Schritt hatten wir das Bild des Medianden aufgenommen und verdeutlicht, dass sein Würfelbild auch eine positive Seite hat: die der absoluten Chancengleichheit.

Im zweiten Schritt versuchten wir, das beschriebene Empfinden des Medianden, die Gerechtigkeit sei der puren Zufälligkeit eines Würfelwurfes ausgeliefert, zu einem Wunsch überzuleiten: Gerechtigkeit könne er als einen verlässlichen Maßstab erleben.

Damit war ein lohnendes Ziel entstanden, das den Medianden zur Mitarbeit motivierte.

 

3. Anleitung für MediatorInnen und BeraterInnen

Gerechtigkeit üben hat viel mit Vergleichen zu tun. Die von den Medianden subjektiv empfundene Gerechtigkeit ist ein Maßstab, an dem ihre Forderungen und Angebote gemessen werden. Mit anderen Worten: In einer Mediation sind die Gerechtigkeitsbilder der Medianden der Maßstab, mit dem sie messen und sich messen lassen wollen.

Häufig werden Sie als MediatorIn oder KonfliktberaterIn bildliche Ausdrücke hören wie:

  • »Wir fühlen uns dem Spiel der Wellen ausgesetzt.« oder
  • »Hilflos wie in einer Schiffsschaukel.«
  • »Wir müssen aus einer Schüssel essen.« oder
  • »Wir wünschen uns eine Verkehrsampel, nach der wir uns richten können.«

 

Die Kunst, die Gerechtigkeitsgefühle der Medianden einander anzunähern, besteht in der Auswahl und Strukturierung von bildhaften Vergleichen. Laden Sie Ihre Medianden oder Klienten dazu ein, das Beste aus einer Situation zu machen und offen zu sein für andere Sichtweisen, so auch für die des Gegenübers.

Vergleichende Sprachbilder und Metaphern können Sie üben. Erinnern Sie sich beispielsweise an eine Situation, die Sie als ungerecht oder hilflos ausgeliefert erlebt haben und geben Sie ihr einen bildhaften Ausdruck. Und versuchen Sie das gleiche mit einer als gerecht oder beherrschbar erlebten Situation.

 

4. Fundstellen, Literaturempfehlung

In ihrem praxisnahen Lehrbuch »Sprachbilder und Metaphern in der Mediation« vermitteln die erfahrenen Mediatoren und Ausbilder Brigitte und Ernst Spangenberg, wie Sie mit einer bildhaften Sprache Ihre professionelle Gesprächsführung unterstützen können.

Durch zahlreiche Dialogbeispiele, Formulierungshilfen und Übungsfragen geben sie wertvolle Anregungen zum Einsatz von Sprachbildern und Metaphern in den unterschiedlichsten Konstellationen.

 

 

Brigitte Spangenberg

ist seit 1985 Fachpsychologin für klinische Psychologie, Psychotherapie, vereidigte Sachverständige in Familiensachen a.D., Mediatorin und Kommunikationstrainerin.

Sie absolvierte ein Studium der Psychologie und Volkskunde in Frankfurt am Main und Graz. Von 1987 bis 2002 war sie vereidigte Gerichtssachverständige in Familiensachen. NLP-Lehrtrainerin ist Frau Spangenberg seit 1990, Mediatorin seit 1992.

 

 

Ernst Spangenberg

ist seit 1977 Familienrichter (mittlerweile a.D.), seit 1992 Mediator (BAFM), NLP-Lehrtrainer, Kommunikationstrainer und Coach. Er absolvierte sein Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main, Marburg und Berlin.

 

 

 

Ausführliche Produktinformationen und Leseproben zu »Sprachbilder und Metaphern in der Mediation«.

Hören und sehen Sie Brigitte und Ernst Spangenberg auf Youtube

 

 

Literaturempfehlung 
Spangenberg, Spangenberg: Sprachbilder und Metaphern in der Mediation
Spangenberg, Spangenberg
Details
29,80 €incl. MwSt.
Broschiert, 160 Seiten, im März 2013 erschienen