Stimmen zur ZMediatAusbV aus dem Süden: Lisa Waas und Christian Ertl

Stimmen zur ZMediatAusbV aus dem Süden: Lisa Waas und Christian Ertl
Lisa Waas München

Die neue Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (ZMediatAusbV) wurde vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) vor wenigen Wochen erlassen.

Wie wird die Verordnung aus der Sicht von Mediator(inn)en, Ausbilder(inne)n, Güterichter(inne)n, Rechtsanwält(inn)en wahrgenommen?

Mediation aktuell im Gespräch mit renommierten Experten der Mediation zur ersten Bewertung der Verordnung aus unterschiedlichen Perspektiven: Heute mit Lisa Waas, Mediatorin BM® und Ausbilderin für Mediation BM®, Mediatorin SDM-FSM (Schweiz) und ihrem Partner Christian Ertl, Psychologe, Master of Arts in Mediation. Beide sind Geschäftsführer und Leiter ihrer »Akademie Perspektivenwechsel« in München.

 Dipl. Psych. Christian Ertl

J. G. Heim, Redaktion Mediation aktuell: Frau Waas, Herr Ertl, Sie bilden seit 2002 Mediatorinnen und Mediatoren in Ihrer Münchener Akademie aus. Enthält die neue Verordnung zur Zertifizierung Überraschungen für Sie?

Lisa Waas : Für mich war die größte Überraschung der neu eingeführte Begriff der Einzelsupervision. Davon war vorher so nicht die Rede. Und überrascht hat mich der Zeitpunkt, zu dem die Verordnung erlassen wurde. Nach so vielen Jahren des Wartens hätte ich nicht gedacht, dass die Verordnung noch vor der vorgesehenen Evaluierung nächsten Jahres kommt. Rechtliche Zusammenhänge mit den Streitmittlern in Verbraucherschlichtungsstellen waren da wohl der ausschlaggebende Faktor.


Mediation aktuell: Welche Änderungen fallen Ihnen positiv auf? Welche Vorteile haben die Neufassungen?

Christian Ertl: Als allererstes ist mir positiv aufgefallen, dass es keine Beschränkungen mehr gibt, wer »Zertifizierter Mediator« werden darf. Die diesbezügliche Regelung, dass man eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Hochschulstudium benötigt, ist nicht mehr Bestandteil der Verordnung und bezieht sich jetzt nur noch als notwendige Voraussetzung auf AusbilderInnen von MediatorInnen. Auch den mit der Ausbildung verknüpften Praxisnachweis einer durchgeführten Mediation innerhalb eines Jahres und die erforderlichen Supervisionen innerhalb der beiden Jahre nach Beendigung der Ausbildung, halte ich für einen konstruktiven neuen Bestandteil der Verordnung. Sie tragen deutlich zur Steigerung des Praxistransfers bei. Die dauerhafte Fortbildungspflicht ist der richtige Weg um Mediatoren nach der Ausbildung mit aktuellen Entwicklungen vertraut zu machen und Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung zu bieten, um so erfolgreich mit dem Feld der Mediation im Kontakt zu bleiben.


Mediation aktuell: Gibt es aus Ihrer Sicht noch offene Punkte oder Fragen, für die Sie sich gerne eine Regelung gewünscht hätten?

Lisa Waas: Bisher sorgt u.a. der Bundesverband Mediation mit seinen Vorgaben für die Falldokumentation und seiner Anerkennungskommission für eine angemessene Qualitätskontrolle. In der neuen Verodnung sind viele für die Praxis relevanten Details unklar: Wie viele Stunden Mediation sind insgesamt notwendig? Benötigt es eine abgeschlossene Mediationsvereinbarung für den erfolgreichen Nachweis? Wie viele Stunden Einzelsupervision im Ausbildungs- und Fortbildungskontext sollen absolviert werden? In welcher Art und Weise soll die Dokumentation erfolgen?
Bisher ist im neuen § 4 Fortbildung durch Einzelsupervision nur genau geregelt was in der Bescheinigung des Supervisors enthalten sein muss.
Schade finde ich auch, dass durch die Einzelsupervision die Synergieeffekte und Vorteile der Supervisionen mit der gesamten Ausbildungsgruppe, sowie der Intervision wegfallen.


Mediation aktuell: Ihr kurzes Fazit – Ihre Prognose?

Lisa Waas: Interessant wird für die kommende Entwicklung sein: wie wirkt sich die Rechtsverodnung auf die Ausbildungslandschaft für Mediation aus? Die Mediationsverbände sind gefordert ihre Qualitätsstandards für die Ausbildung erfolgreich zu kommunizieren.
Ich gehe davon aus, dass die großen Mediationsverbände gemeinsam einen Modus finden werden, wie sie die einzelnen MediatorInnen dabei unterstützen, möglichst unbürokratisch den Nachweis zu erbringen um den Titel »Zertifizierter Mediator« führen zu können. Als Vorbild für die Umsetzung der Weiterbildungspflicht können wir beispielweise unsere Schweizerischen Nachbarn nehmen. Alle drei Jahre müssen MediatorInnen SDM (Schweizerischer Dachverband Mediation) einen zweiseitigen Fragebogen zu ihren Weiterbildungen ausfüllen und an den Verband schicken.

Christian Ertl: Ich bin eher pessimistisch, ob sich alle maßgeblich beteiligten Verbände, Kammern und IHK´s bis 2017 auf eine Art Zertifizierungsstelle einigen werden, die für den Verbraucher aus dem starken Begriff »Zertifierter Mediator« ein transparentes und vertrauenswürdiges Qualitätssiegel schafft. Wahrscheinlich wird der Gesetzgeber eingreifen. Gleichzeitig hoffe ich, dass die Mediationsverbände die Chance ergreifen, weiterhin Einfluss zu nehmen, um zentrale Aspekte ihrer deutlich umfangreicheren Qualitätsstandards einzubringen. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Tendenz weiter verstärkt, die wir in unserem Ausbildungsinstitut bisher deutlich beoachten: dass sich viele unserer AusbildungsteilnehmerInnen für die mit 200 Zeitstunden umfangreichere Mediationsausbildung entscheiden, um für sich eine fundierte mediative Haltung zu entwickeln.

Mediation aktuell: Frau Waas, Herr Ertl, herzlichen Dank für das Gespräch.

(Das Interview führte Jürgen G. Heim, Lt. Redaktion Mediation aktuell.)





Hinweis:


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Hier können Sie sich über Einzelheiten der nächsten  Veranstaltungen an der Akademie Perspektivenwechsel informieren:

Lisa Waas & Christian Ertl

Perspektivenwechsel GmbH

Isabellastrasse 33

80796 München

www.akademie-perspektivenwechsel.de


 J. G. Heim 

 

 

 

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