Stimmen zur ZMediatAusbV aus der Mitte: Interview mit Dr. Kreuser & Robrecht

Stimmen zur ZMediatAusbV aus der Mitte: Interview mit Dr. Kreuser & Robrecht

Mediation aktuell im Gespräch mit renommierten Experten

Thomas Robrecht SOKRATeam

 

Wie wird die neue Zertifizierungsverordnung aus der Sicht von Mediator(inn)en und  Ausbilder(inne)n, wahrgenommen? Mediation aktuell im Gespräch mit renommierten Experten der Mediation zur ersten Bewertung der neuen Zertifizierungsverordnung aus unterschiedlichen Perspektiven.

In diesem Interview: Dr. Karl Kreuser und Thomas Robrecht, Geschäftsführende Gesellschafter von SOKRATeam, Mediatoren, Coaches und Ausbilder.

 

Dr. Karl Kreuser SOKRAteam
 

J. G. Heim, Redaktion Mediation aktuell: Herr Dr. Kreuser, Herr Robrecht, Sie sind erfahrene Mediatoren und Coaches und bilden seit vielen Jahren Mediatorinnen und Mediatoren in Ihrem Unternehmen SOKRATeam aus. Enthält die veröffentliche Verordnung Überraschungen für Sie?

Thomas Robrecht: Für mich sind nicht die Inhalte der Verordnung überraschend, sondern vielmehr die Tatsache ihrer Existenz. Es war ja schon ein hartes Stück Arbeit, das Mediationsgesetz auf den Weg zu bringen. Mit seiner Verabschiedung wurde deutlich, dass die Regelung der damals noch strittigen Punkte in die Rechtsverordnung ausgelagert wurden. Deshalb hat es mich überrascht, dass der dafür erforderliche Zeitbedarf wesentlich geringer war, als ich erwartet hatte.


Mediation aktuell: Welche Änderungen fallen Ihnen positiv auf? Welche Vorteile haben die Neufassungen?

Dr. Karl Kreuser: Auf den ersten Blick fällt mir zum Beispiel auf, dass die Grundanforderung bezüglich Berufs- oder Hochschulausbildung vom Mediator auf die sogenannte Lehrkraft übertragen wurde. Es gibt also Änderungen, nur will ich das nicht positiv oder negativ werten.

 

Mediation aktuell: Gibt es aus Ihrer Sicht noch offene Punkte oder Fragen, für die Sie sich gerne eine Regelung gewünscht hätten?

Thomas Robrecht: Es kommt ganz darauf an, durch welche Brille man die Verordnung betrachtet. Als leidenschaftlicher Ausbilder für Mediation kommen mir die persönlichkeitsstärkenden Aspekte deutlich zu kurz, auch wenn sie in Ansätzen vorhanden sind. Als Anbieter von Mediationsausbildungen würden qualifiziertere Anforderung an die Aus- und Fortbildungseinrichtungen helfen, über Qualitätsanforderungen Marktpositionierungen zu stärken. Und als Vollblut-Mediator bleibt der Zweifel, ob formale Regelungen für Mediation ihre soziale Akzeptanz in der Gesellschaft überhaupt spürbar steigern können. Aber die Hoffnung bleibt, und die lässt sich genau so wenig regeln, wie die Bereitschaft zur Mediation.

 

Mediation aktuell: Ihr kurzes Fazit – Ihre Prognose?

Dr. Karl Kreuser: Ich sehe das aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Verbraucher und Staatsbürger bin ich froh, dass nicht jeder einfach »rummediieren« kann. Es ist gut, dass es eine Minimalregelung gibt.
Als Mediator werde ich mich auch dann nicht »zertifiziert« nennen, wenn ich das wegen der Übergangsbestimmung dürfte. Das Ganze ist mir zu formal – man könnte auch sagen zu bürokratisch. Ich habe das Glück, auch ohne Zertifizierung genügend Mediationen zu haben. Da lohnt sich der vorgeschriebene Dokumentationsaufwand nicht.
Als Kompetenz- und Professionenforscher bin ich über einen rein curricularen Ansatz nicht glücklich. Ebenso fehlen mir Qualitätsaspekte für Ausbildung und Anwendung. Die Handschrift der Juristen und Verwaltungsbeamten ist nicht zu verkennen - ihnen sind andere Aspekte wichtiger.

Thomas Robrecht: Für mich ist die Existenz dieser Verordnung ein Meilenstein und ein wichtiges Signal des politischen Willens zur Förderung von konsensualem Denken in unserer Gesellschaft. Es wird noch eine Weile dauern, bis dieses Ziel erreicht ist. Und es werden noch zahllose weitere Meilensteine erforderlich sein, bis aus konsensualem Denken konsensuales Handeln wird. Diese Evolution erfordert viel Zeit. Aber jeder Weg - und sei er noch so lang - setzt sich aus vielen einzelnen Schritten zusammen. Deshalb braucht es weiterhin Gestaltungswille, dessen Motor vom Treibstoff der Vision einer konsensual handelnden Gesellschaft angetrieben wird. Und auf dem Weg dorthin werden die Realos und Fundis der Mediationslandschaft einige Hürden mit ihren Motoren und Treibstoff zu bewältigen haben.

Mediation aktuell: Herr Robrecht, Herr Dr. Kreuser, herzlichen Dank für das Gespräch.

(Das Interview führte Jürgen G. Heim, Lt. Redaktion Mediation aktuell.)



Hinweis:


Haben Sie Interesse an den Aus- und Fortbildungsangeboten unserer Interviewpartner?

Hier können Sie sich über Einzelheiten der nächsten  Veranstaltungen bei SOKRATeam informieren:

SOKRATeam GbR
Dr. Karl Kreuser und Thomas Robrecht
Feringastrasse 6 
85774 Unterföhring

www.sokrateam.de

+49 (89) 944 685 01
kontakt@sokrateam.de


 J. G. Heim


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Gebunden, 279 Seiten, am 24. Juni 2016 erschienen